BundesratStenographisches Protokoll883. Sitzung, 883. Sitzung des Bundesrates am 12. Juli 2018 / Seite 57

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dann werden sie auch bezahlt. (Zwischenruf der Bundesrätin Hahn.) Glaubt ihr denn eigentlich, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so eine erfolgreiche, großarti­ge Arbeit leisten, wenn sie demotiviert sind? – Na hallo, da könnten wir im Wettbewerb absolut nicht bestehen. (Zwischenruf der Bundesrätin Schumann.) Bitte nicht bös sein! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Es ist ganz einfach derzeit nicht möglich, länger zu arbeiten; wir bekommen dann Stra­fen. Es wird immer davon gesprochen, was alles passieren könnte – das kommt mir so vor wie ein Brainstorming –, aber man verliert die Realität aus den Augen. Es soll sich jeder entspannen, nur ist das heute auch keine Entspannung! Eines muss ich als Ver­treterin der Wirtschaft und auch als Unternehmerin aber sagen: Ihr müsst schon die Realität im Auge haben. 98 Prozent der Betriebe haben weniger als 50 Mitarbeiter, 77,5 Prozent haben nur neun Mitarbeiter (Zwischenruf bei der SPÖ) und nur 0,76 Pro­zent haben über 250 Mitarbeiter. Das heißt, wir arbeiten in der Wirtschaft miteinander in gegenseitiger Wertschätzung und auf Augenhöhe, das ist für uns eine Selbstver­ständlichkeit. (Zwischenruf der Bundesrätin Dziedzic.) Und wir sind nicht auf Gewinn­maximierung ausgerichtet (Zwischenruf bei der SPÖ), wir könnten keine Gewinne ma­chen, wenn wir nicht tüchtige, motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten – ganz einfach! (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Zwischenrufe der BundesrätInnen Hahn, Koller und Schennach.)

Weil wir ja jetzt immer darüber reden, was mit den Betriebsräten ist: Nicht einmal 30 Prozent aller Betriebe, das wisst ihr ganz genau, haben Betriebsräte, und trotzdem funktioniert das alles, trotzdem geht es bei uns so gut zu. (Bundesrat Köck: Weil es so wenige gibt! – Bundesrat Schabhüttl: Sie müssen die Arbeitnehmer fragen!) Und weil uns in der Wirtschaft das Miteinander so wichtig ist, setzen wir Maßstäbe und laden auch zum Dialog ein. (Bundesrat Schennach: Wo war der Dialog zu diesem Ge­setz?) – Warte ein bisschen, Stefan! Zuhören, entspannt! (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Neuerlicher Zwischenruf des Bundesrates Schennach.) Wir haben voriges Jahr mit dem Sozialpartner eine Vereinbarung erreicht, also wir reden.

Ich habe voriges Monat Lehrlinge eingeladen; ich habe ganz einfach an den Berufs­schulen gesagt: Wir machen wieder ein Lehrlingswirtschaftsparlament, wir laden euch/Sie für zwei Tage ein! An einem Tag erklären wir, wie es im Wirtschaftsparlament zugeht, wie Anträge gemacht werden, und am zweiten Tag halten wir das Plenum ab, denn wir reden nicht über die Jugend, wir lassen die Jugend reden und hören ihr zu. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Bundesrat Schennach: ... 12-Stunden-Tag?) – Ja, genau! Da gibt es auch Filmaufnahmen, ihr könnt euch das gerne anschauen – ich bin stolz auf diese Ini­tiative –, und da könnt ihr auch sehen, welche tollen jungen Leute wir haben, was für eine Bodenhaftung sie haben und wie sie die Wirtschaft sehen. (Bundesrat Weber: Das wissen wir eh! Nichts Neues! – Ruf bei der FPÖ: Keine Ahnung von Wirtschaft!)

Die Lehrlinge haben darüber gesprochen, wie es mit ihrem Berufsbild ausschaut, wie die Situation in den Internaten ist (Bundesrat Schennach – zwei Sticker, auf denen die durchgestrichene Zahl 12 zu sehen ist, in die Höhe haltend –: ... die Verhandlungen dazu?) – schau, wenn dir etwas nicht passt, brauchst du nicht immer zu unterbrechen; lass mich jetzt ausreden! (Beifall bei ÖVP und FPÖ) – und wie es mit der Arbeitszeit­flexibilisierung ausschaut. Die jungen Leute sind gestanden und haben diskutiert, so wie wir, aber mit einer anderen Kultur, möchte ich sagen. Sie haben den anderen zu­gehört und sind auf das, was die anderen gesagt haben, auch eingegangen. Sie haben über die Arbeitszeitflexibilisierung diskutiert. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) – Es waren auch von der Gewerkschaft junge Leute dort, weil ich niemanden ausschließe. Da war eine Floristin, die gesagt hat: Ich sehe das gar nicht ein, dass ich heimgehen muss, wenn wir viel zu tun haben; das ist mein Beruf, das möchte ich machen, ich mache das auch. – Man kann sich da von unseren jungen Leuten wirklich ein Scherzl abschneiden.

 


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