BundesratStenographisches Protokoll886. Sitzung, 886. Sitzung des Bundesrates am 6. Dezember 2018 / Seite 98

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Gründen den Kindergarten nicht in Anspruch nehmen werden. (Zwischenruf des Bun­desrates Stögmüller.)

Es ist, ich habe es vorher schon gesagt, möglich, die Betreuungsmodelle dem Bedarf der Eltern anzupassen, und das heißt nicht nur halbtags mit Mittagstisch oder ganz­tags, sondern eben auch so, wie es die Eltern brauchen, nämlich 6, 8 oder 10 Stunden. Bis jetzt war es ja nicht möglich, ein Kind in einer Institution 8 Stunden durchgehend betreuen zu lassen. Und wir haben es heute schon gehört: 8 Stunden bei einer Voll­zeitbeschäftigung für eine Mutter oder einen Vater sind mit Wegzeiten nicht machbar.

Darum begrüße ich auch die ergänzenden Maßnahmen, die in der Vereinbarung ent­halten sind, nämlich die verstärkte Ausbildung von Tageseltern und deren sozialrechtli­che Absicherung. Wir haben in Oberösterreich ein sehr gutes Angebot an Tageseltern und die Absicherung dazu. Also wer sich da etwas abschauen möchte: Nur nicht zu­rückhaltend sein! Diese Betreuungsform ist sehr flexibel und unterstützt die Eltern wirklich beim Wiedereinstieg in die Beschäftigung, weil die Kleinsten in einer familiären Form betreut werden.

Weiters steht in der Artikel-15a-Vereinbarung der Übergang vom Kindergarten in die Schule mehr im Fokus, und wir wollen gerade die Drei- bis Sechsjährigen altersgerecht auf die Schule vorbereiten. Wir wollen sie fordern und fördern. Ganz besonders wichtig ist, dass die Sprachförderung eine besondere Priorität erhält, denn wir wissen alle, dass es mittlerweile einen riesig anmutenden Bereich mit Problemen in der Sprach­kompetenz gibt.

Jetzt könnte man polemisch sagen: Sinnerfassendes Lesen erleichtert das Leben in allen Bereichen – no na ned. Wir alle wissen: Wer unsere Sprache nicht beherrscht, wer sie nicht hauptsächlich verwendet, der versteht das Gelesene nicht nur nicht sinn­erfassend, sondern er hat ein lebensbegleitendes Handicap. Daher ist die einheitliche Sprachstandserhebung in den Kindergärten absolut notwendig. Ich sehe selbst, dass im Kindergarten viel in Sprachförderung investiert wird und trotzdem sehr viele Kinder zum Schulbeginn der deutschen Sprache nicht so mächtig sind. Darum ist es eben auch wichtig, dass in den Kindergärten verstärkte Kontrollen zu diesen Ausbildungskri­terien gemacht werden.

Wie Kollegin Ess habe auch ich eine Tochter, meine ist mittlerweile schon 18 Jahre alt, aber man erinnert sich immer sehr gerne an die ersten Lebensjahre und auch an die Kindergartenzeit zurück. Sie war ein sehr energisches Mädchen mit längeren Haaren. Sie trug gern Spangen, geflochtene Zöpfe, Blumen im Haar. Wir alle kennen diese Bil­der, unbeschwerte Kinderbilder: gut gelaunt, lebendig, mitten in einer Zeit der mensch­lichen Entwicklung. Für vieles wird in dieser Zeit der Grundstein gelegt, genau für diese Selbständigkeit, die Herr Stögmüller vorhin gefordert hat, für dieses feministische Bild. Es entstehen Selbstvertrauen, Mut zum Ausprobieren und Wünsche, was man einmal werden wird und was man nicht möchte.

Sie werden mir recht geben: Kinder, kleine Mädchen haben kein eigenes Bedürfnis, ein Kopftuch zu tragen. Mit einem Kopftuch, das getragen werden muss, kann sich ein Kind nicht frei entfalten. Gegen diese Einschränkung, begründet durch den Glauben, können sich kleine Mädchen nicht wehren. Dieses Eingeengtsein bleibt aber ihr weite­res Leben lang vorhanden, im Gefühl, in der Kleidung, im Verhalten.

Einige äußerst traurige Schicksale haben uns berührt: wenn genau diese jungen Frau­en entscheiden, aus dieser Enge auszubrechen, wenn sie Freunde haben, die nicht dem Glauben entsprechen, wenn der Familienrat, oft ein männlicher, eingreift und ent­scheidet, massiv einzugreifen. Bis hin zum Mord an der eigenen Schwester ist auch in unserem Land nichts unbekannt. Sagen Sie mir, wie kann das sein, wenn ein Mädchen doch freiwillig vom Kindergarten bis ins Erwachsenenalter ein Kopftuch trägt! – Wir


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