BundesratStenographisches Protokoll906. Sitzung, 906. Sitzung des Bundesrates am 4. Mai 2020 / Seite 49

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Mit der prognostizierten demografischen Entwicklung und der Zunahme der Zahl der Personen, die das 80. Lebensjahr überschritten haben, steht für die Zukunft die grund­sätzliche Frage im Fokus, welche pflegerischen Qualifikationen in Zukunft wohl ver­mehrt nachgefragt werden. In Österreich fehlen – aus derzeitiger Sicht – 76 000 Pfle­gekräfte bis zum Jahr 2030. Es ist also höchst an der Zeit – da ist die Politik auch gefordert – viele junge Menschen für diesen Pflegeberuf, das ist ja auch eine Berufung, zu motivieren, sie zu begeistern und auch auszubilden. Da gibt es nachahmenswerte Modelle, nicht weit weg von uns, zum Beispiel in der Schweiz.

Nun zur Förderung von freiwilligem Engagement: Vieles auch in der Pflege und in der Betreuung wäre ohne ehrenamtlich tätige Personen gar nicht möglich. Das wissen wir. 75 Prozent der Pflegegeldbezieher werden – das war auch schon vor der Pandemie der Fall – zu Hause von pflegenden Angehörigen und mobilen Diensten, zum Großteil eben von ehrenamtlich tätigen Personen, über die Caritas das Rote Kreuz und den Samariterbund, betreut. Daher ist ein großes Danke an diese Personen auszu­sprechen, die das in ihrer Freizeit ehrenamtlich, mit Begeisterung und auch mit entsprechender Sachkenntnis vollziehen. (Beifall bei der ÖVP.)

3,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher engagieren sich tagtäglich im Ehren­amt, so auch in der Nachbarschaftshilfe. Das ist im europäischen und auch im welt­weiten Vergleich – das wissen wir ja aufgrund der Statistiken – einzigartig, und das haben wir in Österreich gerade auch während dieser Krise sehen können.

Die Mittelaufstockung erfolgt zugunsten von Trägern von Freiwilligenorganisationen, die für deren finanzielle Unterstützung sorgen. Da geht es um den Auslandszivildienst, die Rückholaktion für junge Erwachsene, um Gedenkdienstleistende und um eine Über­brückungsfinanzierung für das Freiwillige Sozialjahr.

Das Rote Kreuz ist eine einzigartige Rettungsorganisation in Österreich, die bun­desweit den Rettungsdienst sowie den Katastrophendienst versieht und neben der freiwilligen Feuerwehr genau diese Serviceleistungen mit einem sehr engmaschigen Netzwerk an Ehrenamtlichen sicherstellt.

Wie bereits gesagt: Es ist großartig, dass es solche Personen – Frauen und Männer, vor allem viele Jugendliche – gibt, die sich dafür einsetzen. Daher unterstützt und stärkt die öffentliche Hand dieses unverzichtbare Freiwilligenengagement durch eine einmalige Mitteldotierung in Höhe von 600 000 Euro aus dem COVID-19-Krisenbe­wäl­tigungsfonds. Helfen wir unseren wichtigsten gesellschaftlichen Stützen: den ehren­amtlich tätigen Österreicherinnen und Österreichern! – Bleiben Sie gesund! Ein steiri­sches Glückauf! (Beifall bei ÖVP und Grünen.)

15.42


Vizepräsident Michael Wanner: Danke.

Als Nächste gelangt Frau Bundesrätin Eva Prischl zu Wort. – Bitte schön.


15.42.35

Bundesrätin Eva Prischl (SPÖ, Niederösterreich): Sehr geehrter Herr Präsident! Werter Herr Minister! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen des Bundesrates! Werte Zuseherinnen und Zuseher! In den letzten Tagen wurde sehr viel von Menschen in systemrelevanten Berufen gesprochen. Sie wurden als Heldinnen und Helden be­klatscht. Diese Wertschätzung ist sicher bei den Leuten gut angekommen, aber ein deutlicheres Zeichen dieser Wertschätzung wäre eine Erhöhung des Einkommens.

Der Pflegeberuf zählt zu diesen wertvollen Berufen. Eine meiner besten Freundinnen war jahrelang als Pflegehelferin in einem Landespensionistenheim tätig, und ich habe mit ihr oft über den erfüllenden, aber auch sehr anstrengenden Job gesprochen – einen Job, der körperlich und mental sehr anstrengend und noch dazu schlecht bezahlt


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