BundesratStenographisches Protokoll921. Sitzung, 921. Sitzung des Bundesrates am 28. Jänner 2021 / Seite 136

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Bildungsökonom Ludger Wößmann warnt vor materiellen Folgen für Schüler. Der Lock­down hat nämlich auch drastische Folgen für die späteren Verdienstchancen. Ich brau­che kein Volkswirtschaftsstudium wie unser Arbeitsminister gemacht zu haben, damit ich weiß: Je besser die Ausbildung ist, desto geringer ist die Chance, dass ich in Arbeitslo­sigkeit abrutsche, oder je besser die Ausbildung ist, desto höher sind die Verdienstchan­cen. – Durch den Schullockdown wird eben weniger Wissen vermittelt und die Ausbil­dung ist eine schlechtere. Ich habe es vorhin schon gesagt, ein Drittel der Schüler ist wenig bis gar nicht erreichbar und hat gar keinen Computer – ein Drittel! Es ist einfach ein Indiz dafür, dass der Präsenzunterricht durch nichts, durch gar nichts zu ersetzen ist. (Beifall bei der FPÖ.)

Die ökonomischen Folgen lassen sich ausrechnen. Wenn ein Drittel des Lernstoffs eines Schuljahres verloren geht, hat man im Durchschnitt circa 3 Prozent weniger Lebensein­kommen. Dieses Drittel haben unsere Schüler locker innerhalb des letzten Jahres ver­säumt. Die tun mir wirklich leid. Es ist zu befürchten, dass viele Schüler wegen des Lock­downs keine Lehrstelle finden oder das Ende ihrer angestrebten Lehrausbildung gar nicht erreichen werden. Dieses Desaster wiederum führt uns zu einem weiteren Fachar­beitermangel in diesem Land. Kinder und Jugendliche gehören gefördert, schließlich und endlich sind sie unsere Zukunft. (Beifall bei der FPÖ.)

Je mehr Zeit vergeht, umso schlimmer wird die Situation. Die Kinder verlernen das Ler­nen. Die Kinder verlieren die Lust am Lernen. Es werden mit Ihren Maßnahmen die Zu­kunftschancen für die österreichischen Kinder und Jugendlichen mit jedem Tag der Schulschließung kleiner. Kinder brauchen Kinder um sich, Jugendliche brauchen Ju­gendliche um sich. Gerade bei Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenwerden spie­len die sozialen Kontakte eine große Rolle. Wenn diese schwarz-grüne Regierung mit Ihnen, Herr Kanzler, so weiterwurschtelt, werden wir grobe soziale Defizite in der nächs­ten Erwachsenengeneration erleben müssen. (Beifall bei der FPÖ.)

Wir haben es ja gestern und in den letzten zwei, drei Tagen ganz drastisch gehört, wie überfüllt die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind. Es ist einfach bitter, sagen wir, wie man jungen Menschen mit falscher Politik das Leben so verhunzen kann. Es ist falsche Politik. (Beifall bei der FPÖ.)

Daher ist diese schwarz-grüne Bundesregierung verpflichtet, ihre falsche Placebopolitik zu beenden und alles zu unternehmen, damit Kinder und Jugendliche den besten Start ins Leben haben. Das bedeutet für Sie, Herr Kanzler: Sperren Sie die Schulen auf! (Bei­fall bei der FPÖ.)

17.40


Vizepräsident Dr. Peter Raggl: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Bundesmi­nister Dr. Heinz Faßmann. Ich erteile dieses.


17.40.37

Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung Dr. Heinz Faßmann: Hoher Bundesrat! Sehr geehrter Herr Präsident! Auch wenn sich die Dringliche Anfrage an den Bundeskanzler richtet, habe ich meinen Terminplan gern umgestellt, um mit Ih­nen über die angesprochene Problematik zu diskutieren. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Ich schätze die Diskussionen im Bundesrat, weil sie in der Regel immer sachorientiert ablaufen – in der Regel; heute vielleicht nicht immer, heute ist vielleicht der kurzfristige politische Effekt im Vordergrund. (Heiterkeit bei BundesrätInnen der ÖVP.) Nichtsdesto­trotz: Ich stelle mich gern dem Bundesrat zur Verfügung und diskutiere über diese Pro­blematik. (Zwischenruf des Bundesrates Hübner.)

Mit der Dringlichen Anfrage wird ein grundsätzliches Dilemma angesprochen: Wie gehen wir mit Schulen, mit Hochschulen, auch mit elementaren Bildungseinrichtungen, sprich


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