BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 41

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ist Österreich eines der artenreichsten Länder Mitteleuropas, wie es mein Vorredner auch schon gesagt hat, und die unterschiedlichsten Vereinigungen haben bereits seit vielen Jahren das Ziel, gegen den Klimawandel und dessen Folgewirkungen wie auch gegen das Artensterben vorzugehen.

So hat die UNO bereits 2015 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung festgesetzt, und 2019 hat die EU-Kommission mit dem Green Deal ein ambitioniertes Programm fest­gelegt. Als Vertragspartei des Übereinkommens für die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen hat sich auch Österreich dazu verpflichtet, die biologische Vielfalt zu schützen, ihre Komponenten nachhaltig zu nutzen und Verantwortung für den Erhalt der globalen Biodiversität zu übernehmen. Wir nehmen da wirklich auch weltweit eine Vorreiterrolle ein, wenn es um die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen geht. Laut dem aktuellen Sustainable Development Report liegen wir da an sechster Stelle von allen 193 UN-Mitgliedstaaten. (Vizepräsidentin Schwarz-Fuchs übernimmt den Vorsitz.)

In unserem Regierungsprogramm hat sich die Bundesregierung klar zu ihrer Verant­wortung für den Erhalt der Biodiversität ausgesprochen. So machen wir auch heute zum Beispiel mit der Novelle des EAG einen wichtigen Schritt hin zur erneuerbaren Energie und setzen somit einen großen Schritt zum Schutz der Umwelt.

Mit der Biodiversitätsstrategie 2030 soll durch Einbindung verschiedener Experten und Akteure ein Maßnahmenpaket mit konkreten Zielen formuliert werden. Schade dabei ist nur, dass die Akteure der Land- und Forstwirtschaft erst nach Bekanntgabe des 100 Sei­ten starken Strategieentwurfes miteinbezogen wurden.

Ich habe mir die Fläche Österreichs angesehen und schnell gemerkt, dass die Land- und Forstwirtschaft in Österreich mit über 70 Prozent der Staatsfläche einen ganz wichtigen Stellenwert für die Artenvielfalt einnimmt. Eines ist klar: Durch die Bewirtschaftung der Flächen ist sichergestellt, dass die Artenvielfalt in unserem Land auch erhalten bleibt. Ich selbst bin Weinbäuerin in Wien. Seit mehr als zehn Generationen führen wir in Wien einen Betrieb, und mittlerweile sind die Weingärten in Wien sogar im Biosphärenpark Wienerwald inkludiert, weshalb sie vor Verbauung geschützt sind. (Beifall bei ÖVP und Grünen sowie bei BundesrätInnen der SPÖ. – Bundesrätin Schumann: Ja, Wien ist leiwand! – Heiterkeit der Bundesrätin Zwazl.)

Ich denke, ich spreche für alle Bäuerinnen und Bauern: Wir schauen darauf, wie wir mit unserer Umwelt umgehen. Wenn wir zum Beispiel eine Neuanlage Wein aussetzen, denke ich nicht daran, wie ich im nächsten Jahr bereits den bestmöglichen Ertrag erwirtschaften kann – das ist auch gar nicht möglich –, sondern ich denke darüber nach, wie auch die nächste Generation in denselben Lagen wirtschaften und noch immer Wein anbauen kann. Diese Denkweise lässt sich auch auf andere agrarische Bereiche umlegen. Es sind gerade die kleinstrukturierten Familienbetriebe, die sich dafür ein­setzen, die Natur nicht auszubeuten, sondern im Einklang mit der Natur zu wirtschaften.

Unsere Umwelt ist für die Bäuerinnen und Bauern die Lebens- und Überlebens­grund­lage, und die Bauern sind es, die die Umwelt- und Klimaveränderungen am schnellsten spüren – von der Dürre zum Starkregen, vom Spätfrost bis zum Hagel, der Bauer bekommt die Veränderungen einfach direkt mit. Man hört darüber immer wieder aus den Medien, ob das jetzt über die Marillenblüte ist, die wieder abgefroren ist und deren Früchte sich nicht entwickeln können, oder erst neuestens über die Ereignisse mit Hagel und Sturm von Oberösterreich bis Niederösterreich, wo wir Ernteverluste bis zu 100 Prozent hatten.

Es ist also auch die Land- und Forstwirtschaft gefragt, für die Zukunft vorzusorgen. Die nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, die zahlreiche freiwillige Naturschutzleistungen seitens der heimischen Landbewirtschafter beinhaltet, leistet einen wesentlichen Beitrag


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