BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 43

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existieren, befand sich die Natur in einem derart schlechten Zustand wie heute. Das Artensterben ist neben der Klimakrise wohl die größte Bedrohung weltweit. Auf der aktuellen Roten Liste erfasst die Weltnaturschutzunion IUCN nun fast 37 500 Tier- und Pflanzenarten als bedroht – das sind mehr als je zuvor.

Ich glaube – und vielleicht ist das auch ein Anstoß für die Frau Bundesministerin –, es braucht einen wirklich funktionierenden Masterplan für die nächsten Jahre, langfristig gesehen. Ich glaube aber auch, dass es einen kurzfristigen Plan braucht, der unter Umständen jährlich evaluiert wird, wo Ergebnisse veröffentlicht und eventuell auch Sanktionen für die Zukunft verhängt werden. Österreich könnte da eine Vorreiterrolle spielen.

Zu den weltweit wichtigsten Bedrohungsfaktoren für die Artenvielfalt zählen vor allem der Lebensraumverlust und die massive Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Dazu kommen noch die Umweltverschmutzung, die Klimakrise und die Verdrängung der heimischen Flora und Fauna durch eingeschleppte Arten. Auf dieser Roten Liste stehen auch Tiere unserer Heimat, wie schon gesagt worden ist.

Es hat aber auch – das muss man der Landwirtschaft auch sagen – die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung seit den Sechzigerjahren einen erheblichen Anteil am Rückgang von Pflanzen- und Tierarten auf Wiesen, Weiden und Äckern. Die Gründe hierfür sind vielfältig, zum Beispiel eine starke Zufuhr von Mineraldüngern und Gülle, Anwendung von Unkrautbekämpfungsmitteln, Herbiziden, eine frühe Mahd, Entwäs­serun­gen von Feuchtwiesen und Umbruch von Grünland. Die Folgen sind artenarmes Intensivgrünland und Äcker, auf denen wilde Pflanzenarten kaum noch zu finden sind. In Kärnten versucht die Frau Landesrätin für Umwelt, Sara Schaar, immer wieder, Blumenwiesen in verschiedenen Gemeinden zu machen und Menschen zu finden, die das in dieser Art und Weise umsetzen.

Auch der Mensch verursacht den Klimawandel und macht der Artenvielfalt zu schaffen – auch der Mensch verursacht das. In Österreich sind vor allem Ökosysteme mit langer Entwicklungsdauer und Lebensräume in den Alpen, also dort, wo ich wohne, oberhalb der Waldgrenze betroffen. Moore und Wälder mit viel Altholz können sich nur langsam an den Klimawandel anpassen. Durch den klimabedingten Anstieg der Waldgrenze im Gebirge wird ein großer Anteil der heutigen Lebensräume verloren gehen.

Tiere und Pflanzen können mit dem raschen Temperatur- und Klimawandel ganz einfach nicht mehr umgehen – man bedenke den Temperaturanstieg, in etwa eineinhalb Grad und unter Umständen in der Zukunft noch mehr. Wir haben in den letzten Jahren in unserer Gegend eine Menge an Unwettern gehabt, und nicht nur in unserer Gegend, weil es einfach so ist, dass diese Streams, die normalerweise durchziehen, stehen bleiben und unter Umständen irrsinnig viel Trockenheit erzeugen, wenn es heiß ist, oder, wenn viel Dampf aufsteigt, gewaltige Regengüsse, sodass dann Muren abgehen – wobei das bei uns dann in höheren Lagen halt Lawinen sind –, und Hunderttausende Kubikmeter Holz – das muss man dazusagen – von uns aus gesehen bis nach Südtirol liegen dann am Boden, das wieder aufgearbeitet werden muss. Wenn durch die Erderwärmung beispielsweise Pflanzen schon früher im Jahr zu blühen beginnen, aber die Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge und so weiter ihren Rhythmus nicht im gleichen Tempo anpassen können, dann finden die aufeinander angewiesenen Lebe­wesen nicht mehr zueinander. Das gebe ich auch zu bedenken.

Es gibt viele Bereiche, in welchen dringender Handlungsbedarf besteht. Natürlich sind die Anstrengungen im Kampf gegen die Klimakrise ein globales Thema, das ist keine Frage.

Die exzessive Verbauung der Böden – auch das wurde schon genannt –, welche in Österreich erschreckend hoch ist, ist allerdings ein Problem, das auch nur hier gelöst


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