BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 44

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werden kann. Wenn wir 100 Quadratmeter wertvollen Boden pro Minute in unserem Land zubetonieren, dann wird irgendetwas passieren, von dem wir nun die ganze Zeit reden.

Etwas ist mir auch aufgefallen – das ist auch öfter genannt worden –, nämlich dass diese Tausenden Althäuser leer stehen. Das vollmundige Bekenntnis zur Reparaturge­sell­schaft in dieser Hinsicht ist ein weiteres Kennzeichen – ja, da müsste man doch schon viel mehr tun! (Beifall bei der SPÖ sowie des Bundesrates Schererbauer.)

Der bewusste Umgang mit dem wertvollen Boden muss in jeder Stadt, muss bei uns in den Gemeinden neu überlegt werden und muss in einer sensiblen, nachhaltigen Raum­planung seinen Widerhall finden. Jede Ressource, die wir der Erde entnehmen, sollte eigentlich wieder zurückgeführt werden. Das wäre wünschenswert.

Ich wäre jetzt nicht hier, wenn ich nicht noch einen Satz zu Pestiziden und Glyphosat sagen wollte: Das im Privatbereich nicht mehr zu verwenden, haben wir zwar im Bundes­rat beschlossen, aber in der Landwirtschaft wird es noch immer sehr stark verwendet, und es steht wieder vor der Zulassung in der EU – und die Lobbyisten werden sich dort anstellen, weil es da ja um Milliarden Euro geht. Ich hoffe nur, dass Österreich mit Ihnen, Frau Bundesminister, vielleicht auch mit der Landwirtschaftsministerin dort Gehör findet, sodass das nicht mehr in die Umwelt gebracht wird. (Beifall bei der SPÖ sowie des Bun­desrates Schererbauer.)

Die Auswirkung menschlicher Aktivitäten auf ein erträgliches Maß zu begrenzen muss ebenso ein globales Zukunftsprojekt sein. Es braucht aber auch Anstrengungen auf allen Ebenen. Wir müssen die Natur und die Wildnis schützen. Wir müssen dabei sowohl großflächige Naturlandschaften wirkungsvoll schützen, wie dies bei uns im Nationalpark der Fall ist, als auch naturnahe Lebensräume erhalten oder diese wieder schaffen, weg von der industrialisierten Landwirtschaft, weg von der Bauwut – mehr Raum dem Leben, den Arten und der biologischen Vielfalt in unserem Land!

Es werden seit 20 Jahren – und die Frau Bundesministerin wird das wissen – bei uns im Nationalpark jährlich Verbreitungsdaten von Flora und Fauna aus der gesamten Natio­nalparkregion erhoben. Diese Datenbank umfasst jetzt schon 490 000 Datensätze, also man kann sich vorstellen, wie viel da schon erhoben worden ist.

Frau Bundesministerin, Sie haben anlässlich einer Nationalparkratssitzung mit den Ver­tretern der Bundesländer des Nationalparks Hohe Tauern einmal gesagt: „Artenvielfalt ist unsere Lebensversicherung. Sie sichert uns gesunde Lebensmittel und saubere Luft, schützt uns vor Naturgefahren und hilft uns bei der Anpassung an den Klimawandel.“ – Ihr Wort, bitte, in Gottes Ohr!

Nur: Wir werden in Zukunft mehr dazu beitragen müssen, das alles umzusetzen, was wir uns alle vorstellen. Sonst werden wir ein böses Erwachen haben. (Beifall bei der SPÖ und bei BundesrätInnen der Grünen.)

11.22


Vizepräsidentin Mag. Christine Schwarz-Fuchs: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Thomas Schererbauer. Ich erteile ihm dieses.


11.22.44

Bundesrat Thomas Schererbauer (FPÖ, Oberösterreich): Herr Bundesminister! Ge­schätzte Mitglieder des Bundesrates! „Der Mensch ist die dümmste Spezies! Er verehrt einen unsichtbaren Gott und tötet eine sichtbare Natur, ohne zu wissen, dass diese Natur, die er vernichtet, der unsichtbare Gott ist, den er verehrt.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir befinden uns mitten im größten Arten­sterben in der Geschichte der Menschheit. Der Bestand wild lebender Arten ist weltweit


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