BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 46

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Die Wunderwaffe Nummer eins jedoch sind unsere Wälder. Am Amazonas und am Kongo schreitet die Zerstörung dieser einzigartigen Natur ungebremst voran, und seit längerer Zeit wird auch noch die letzte grüne Lunge Europas zerstört: Ich spreche von den Karpaten mit den letzten Urwäldern unseres Kontinents. Sie werden in der Klimakrise unersetzlich, denn sie speichern unglaubliche 250 Milliarden Tonnen CO2. Dabei ist das, was in den Karpaten auf dem Spiel steht, ein einzigartiges Naturparadies. Dort haben Bären, Luchse und Wölfe ebenso eine Heimat wie viele anderswo längst ausgestorbene Pflanzen.

Während Klimaaktivisten seit längerer Zeit Fahrverbote in Städten fordern oder zum Flugshaming aufrufen, damit der CO2-Ausstoß gesenkt werden könne, absorbiert eine einzige 150 Jahre alte Buche unglaubliche 9 Tonnen CO2. Das ist ungefähr so viel, wie ein Auto auf 56 000 Kilometern Fahrt ausstößt. Doch solche und noch viel ältere Bäume werden rücksichtslos abgeholzt. Die Wunderwelt Wald wird mehr und mehr aus reiner Gier und Rücksichtslosigkeit zerstört.

Jeder umgefallene Baum, jeder Ast und jeder Pilz erfüllt eine Funktion in einem kom­plexen Ökosystem. Die uralten, wuchtigen Bäume sind über Pilznetzwerke miteinander verbunden, kommunizieren und kooperieren, nehmen große Mengen an Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf, stabilisieren so unser Klima und bilden in den Karpaten die grüne Lunge Europas. Frau Bundesminister, bitte setzen Sie sich mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür ein, dass diese einzigartige Naturlandschaft auch in Zukunft erhalten bleibt! (Beifall bei der FPÖ sowie bei BundesrätInnen von SPÖ und Grünen.)

Was aber können wir, was kann jeder Einzelne von uns dazu beitragen, das Arten­sterben zu stoppen? – Wie wäre es zum Beispiel damit, den eigenen Garten nachhaltig zu gestalten statt als grauen, leblosen, pflegeleichten Garten, wo jede Biene oder jeder Schmetterling beim Darüberfliegen mit Selbstmordgedanken zu kämpfen hat? (Allge­meine Heiterkeit.) Diese Gärten sind nämlich ebenfalls schuld am Artensterben. Wie wäre es mit dem Pflanzen von bienenfreundlichen Sträuchern, von Obstbäumen, dem Anlegen von Blumenwiesen oder Streuobstwiesen und vielem mehr, einer Art Mekka der Artenvielfalt?

Übrigens: In Dänemark sind Landwirte gesetzlich dazu verpflichtet, Feldblumen für die Bienen auf 5 Prozent ihres Landes einzubauen. (Zwischenruf bei der ÖVP.) Das halte ich für eine Topidee, das finde ich wirklich lobenswert. (Beifall bei der FPÖ.)

Man kann zum Beispiel auch biologisch oder regional einkaufen. Die moderne Land­wirtschaft setzt oft Pestizide ein, um Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen und somit höhere Erträge zu erwirtschaften. Langfristig schadet das jedoch den Erträgen, da auch Nützlinge wie Wildbienen verschwinden und die Bodenfruchtbarkeit abnimmt. Wenn man etwas für mehr Biodiversität tun möchte, sollte man bevorzugt auf Lebensmittel aus ökologischem Anbau setzen und zum Beispiel am Wochen- oder Bauernmarkt regionale Produkte kaufen.

Man sollte auch verstärkt sein eigenes Konsumverhalten hinterfragen und da richtig an­setzen. (Beifall bei der FPÖ. – Bundesrat Steiner: Bravo!) Wir produzieren beispiels­weise jede Menge Plastikmüll, der in die Umwelt gelangt und jedes Jahr Millionen von Meerestieren das Leben kostet. Ob Becher aus Plastik oder andere Konsumgüter, bei jedem Kauf sollte man sich fragen: Brauche ich das wirklich?

Grundsätzlich ist es gar nicht so schwer, etwas gegen das Artensterben zu tun. Wichtig ist, sich bewusst zu machen, welche Folgen das eigene Verhalten für Tier- und Pflan­zenarten hat und was man selbst ändern kann. Wir alle können und müssen zu einer nachhaltigen Lebensweise unserer globalen Gesellschaft beitragen. Noch ist es nicht zu spät. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Allgemeiner Beifall.)

11.31


 


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