Vizepräsident Günther Novak: Danke, Herr Bundesrat.
Zu einer ersten Stellungnahme zu Wort gemeldet ist die Frau Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. – Ich erteile es Ihnen. Auch Ihre Redezeit soll 10 Minuten nicht überschreiten.
Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie Leonore Gewessler, BA: Sehr geehrter Herr Präsident! Werte, geschätzte Bundesrätinnen und Bundesräte! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Vielen Dank, dass wir heute an diesem Ort dieses wichtige Thema diskutieren dürfen! Bundesrat Gross hat es am Anfang erwähnt: Wir tun das vielleicht viel zu selten. Es gibt allerdings kaum einen besseren Anlass als den nächsten großen Schritt in der Erstellung einer Biodiversitätsstrategie, um sich diesem Thema zu widmen.
Es ist schon erwähnt worden: Österreich ist eines der artenreichsten Länder Mitteleuropas. Diese Vielfalt macht unser Land ganz besonders, sie macht es auch schön. Ich glaube, dass viele von uns, wenn sie die Augen schließen und sich Österreich vorstellen, genau dieses Bild vor Augen haben. Es ist ein Bild von einer schönen, von einer intakten, von einer vielfältigen Natur.
Biodiversität ist aber nicht nur Schönheit, Erholung und Lebensqualität, sie macht nicht nur unser Land aus, sondern sie ist auch wirklich unsere Lebensgrundlage. Deswegen ist es so wichtig, dass wir diese Vielfalt schützen und erhalten, denn nur so können wir diese Lebensgrundlage erhalten, und zwar nicht nur für uns, sondern auch für künftige Generationen. Genau deshalb haben wir im Regierungsprogramm den Erhalt der Vielfalt und die Verantwortung für den Erhalt der Vielfalt sehr deutlich und sehr umfangreich festgeschrieben.
Der Verlust der Artenvielfalt und die Klimakrise sind die zwei großen Herausforderungen in der Umweltpolitik. Beide Krisen – auch das ist in der Diskussion schon angeklungen – hängen aber eng zusammen, sowohl was die Ursachen betrifft, als auch in Bezug auf die Auswirkungen und mögliche Lösungen. Gerade im letzten Redebeitrag hat der Herr Bundesrat am Beispiel der Karpaten auf die enorm wichtige Rolle des Waldes verwiesen. Ich kann Ihnen versprechen: Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir auf EU-Ebene eine gute Waldstrategie zustande bringen, die auch dieses Thema mit im Blick hat, weil wir diese Lungen unserer Erde nicht nur im Amazonas, nicht nur in der großen weiten Welt, sondern auch in Europa brauchen.
Warum wir Biodiversität brauchen, ist, glaube ich, in den Reden schon vielfach angeklungen, deswegen möchte ich es nun in meiner fast ein bisschen abkürzen. Eines möchte ich allerdings noch hervorstreichen: Die Vielfalt der Natur wird für uns auch zunehmend wichtiger, um uns an veränderte Lebensbedingungen anzupassen. Je mehr die Klimakrise Einfluss darauf hat, welche Lebensgrundlage unser Planet uns zur Verfügung stellt, desto wichtiger ist, dass die Biodiversität vielfältig und die genetische Vielfalt in unserem Lebensmittelbereich, in unserem Natur- und Tierbestand groß ist – denn nur wenn wir diese Vielfalt haben, können wir in Krisensituationen anpassungsfähig sein.
Denken wir nur daran: Wenn durch geänderte Rahmenbedingungen auch nur eine Getreidesorte ausfällt, müssen wir anpassungsfähig sein und Vielfalt haben, damit wir dies kompensieren können. Deswegen ist diese Vielfalt auf so unterschiedliche Art wichtig für uns: als Überlebensbasis, als Rohstoffbasis, als Basis für Gesundheit und Medizin. Je mehr Artenvielfalt es gibt, desto widerstandsfähiger sind wir, nämlich wir als Menschen in diesem System.
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