BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 55

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aufgrund von Verkehrslawinen in den Ortschaften ersticken, sind ihnen völlig egal. (Neu­erlicher Beifall bei der FPÖ.)

Frau Minister, machen Sie sich eigentlich gar keine Sorgen, dass so ein Triel einmal in ein Windrad fliegt? (Heiterkeit des Bundesrates Steiner.) Ich bin offen und ehrlich ein Fan von erneuerbarer Energie. Was, Frau Minister, machen Sie aber zum Schutz von Insekten, Vögeln und Fledermäusen vor den Windrädern? Täglich sterben unzählige dieser Tiere durch die Rotoren der Windräder, die mit bis zu 390 Kilometer pro Stunde am äußeren Ende des Rotorblatts alles häckseln, was vorbeizufliegen versucht. Wo ist da der Kampf gegen das Artensterben, und wo sind da Ihre Initiativen? Wo ist da Ihre Innovation?

Löblich ist zwar, dass Sie sich gegen den Abschuss von Biber und Fischotter aus­sprechen, was Sie dabei allerdings nicht bedenken, ist, dass diese Tiere bei uns keine natürlichen Feinde mehr haben. Diese Tierarten vermehren sich unkontrolliert und haben leider sehr schlechte Angewohnheiten. Wenn sie zu viele werden, richten sie großen Schaden an. Der Biber zum Beispiel bringt Bäche zum Überlaufen und unter­gräbt die Seitenhänge, und die Fischotter, die die Fischteiche heimsuchen, beißen dann im Blutrausch – für die Fischotter ist es im Spiel; die meinen das ja nicht böse! – Hunderte Fische an oder tot und fressen sie aber nicht. Darum ist es eben wichtig, dass der Mensch in manchen Bereichen sehr wohl regulierend eingreifen darf. Das nennt man dann Tierschutz mit Hausverstand, aber davon verstehen Sie leider nur sehr wenig. (Beifall bei der FPÖ.)

Die Grünen an die Spitze des Verkehrsministeriums zu stellen ist, wie man an meinem Beispiel sieht, ein ganz besonderer Schildbürgerstreich. Da hat man tatsächlich den bekannten Bock zum Gärtner gemacht, oder um es gegendert auszudrücken, damit es auch alle GrünInnen verstehen: Da hat man die Ziege zur Gärtnerin gemacht. (Beifall bei der FPÖ. – Heiterkeit des Bundesrates Steiner.)

12.08


Vizepräsidentin Mag. Christine Schwarz-Fuchs: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat MMag. Dr. Karl-Arthur Arlamovsky. Ich erteile ihm dieses.


12.09.04

Bundesrat MMag. Dr. Karl-Arthur Arlamovsky (NEOS, Wien): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die Klimakrise, welche sich bereits durch globale Rekordtemperaturen und Hitzewellen manifestiert, bekommt nicht zuletzt aufgrund von Unwetterkatastrophen wie dem Tornado vor einem Monat in Tschechien oder gestern und heute den Überschwemmungen im Westen Deutschlands mittlerweile mehr Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig findet aber mit dem Artensterben eine ebenso katastrophale Krise statt, welche unsere Lebensgrundlagen und Ökosysteme bedroht. Das bekommt bestenfalls kaum Aufmerksamkeit oder wird schlimmstenfalls mit einem Schulterzucken quittiert. Dabei hat das, was das „Profil“ vor ein paar Monaten als „Das leise Sterben“ bezeichnet hat, bereits unglaubliche Ausmaße erreicht, und diese Entwicklungen machen auch vor Österreich nicht halt. Seit 1986 ist die Anzahl der heimischen Wildtiere um 70 Prozent zurückgegangen, bei den Insekten ist die Entwicklung ähnlich dramatisch. Dieser Verlust ökologischer Vielfalt ist bald nicht mehr rückgängig zu machen, was wiederum irre­parable Schäden für die österreichische Landwirtschaft, für die Ernährungssicherheit und Naturräume nach sich ziehen wird.

Laut Expertenkonsens gibt es, das gilt vor allem für Österreich, zwei Hauptursachen für das Artensterben. Das sind zum einen Flächenfraß und Naturraumverlust, und da ist Österreich mit über 13 Hektar pro Tag trauriger Europameister. Warum ist das so


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