Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 40. Sitzung / Seite 161

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eine Frage von Lust und Laune ist oder eine Frage des Selbsterhaltungstriebes für die Wirtschaft und die Beschäftigungssituation in Österreich.

Ich frage mich auch, wie die Aussage eines Unternehmers zu beurteilen ist, der hergeht und sagt: Wozu braucht ein Maurer Englisch und Staatsbürgerkunde? Das sind für mich Positionen, meine Damen und Herren, die ein erschütterndes Bild ergeben. Aber nichtsdestotrotz würde ich mir eines wünschen: daß diese Debatte zum Lehrlingsbericht nicht in Grabenkämpfen endet. Das Wesentliche und Zielführende ist für mich, daß sozialpartnerschaftliche Verhandlungen geführt werden, und zwar mit Vernunft und mit Verantwortungsbewußtsein. (Beifall bei der SPÖ.)

21.43

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Murauer. Bitte. 7 Minuten.

21.43

Abgeordneter Walter Murauer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Zum Berufsausbildungsbericht und zur Situation der Lehrlinge. Herr Kollege Schwemlein! Die Lehrlinge hatten und haben die Möglichkeit der Karriere. Wir müssen dies erkennen und einige Verbesserungen vornehmen.

Ich darf daran erinnern, daß gerade in Österreich die Lehrausbildung entsprechend Tradition und auch Qualifikation hat. Das duale Berufsausbildungssystem hat nicht nur national in unserem Land, sondern international größte Erfolge zu verzeichnen. Der Bericht weist ja darauf hin. Die österreichischen Lehrlinge haben bei Wettbewerben eine Menge von Preisen gewonnen, Medaillen wurden ihnen überreicht. Wir können zu Recht stolz sein auf diese Ausbildung und auf unsere Lehrlinge, die bereit sind, einen Beruf zu erlernen und die wir ausbilden.

Wir haben auch das Bildungssystem durchlässig gemacht und Fachmatura und Fachhochschule installiert, sodaß die Lehrlingsausbildung keine Einbahnstraße ist, sondern Aussichten für mehr Bildung bestehen, um sich am Arbeitsmarkt bewähren zu können.

Der Jugendarbeitslosigkeit wurde in unserem Land entsprechend entgegengewirkt. Beim einen oder anderen Redner habe ich mir gedacht: Bitte, wovon spricht er? Nur davon, daß man die Lehrlinge nicht unterbringt und niemand sich den Beruf aussuchen kann. Ich meine, das Gegenteil war doch immer der Fall. Es waren genügend Lehrplätze da. Die Jugend konnte sich nach ihrer Neigung den Lehrplatz aussuchen, und die Wirtschaft war froh, wenn genügend Lehrlinge da waren. In letzter Zeit hat es hierbei eine Veränderung gegeben, die man beachten muß, aber in den vergangenen Jahrzehnten war dies sicher anders.

Ich darf daran erinnern, daß Betriebsansiedelungen und Standortfestigungen gerade aufgrund des Facharbeiterpotentials stattgefunden haben. Wegen der Lehrlinge, die bereit waren, einen entsprechenden Beruf zu ergreifen, haben sich Betriebe angesiedelt. Ich weise mit Stolz darauf hin, daß gerade bei uns in Steyr BMW sich deswegen vor Jahren angesiedelt hat, weil man wußte, daß es genug ausgebildete Facharbeiter gibt, die auf eine erfolgreich abgeschlossene Lehre zurückblicken können. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! So katastrophal, wie die Situation heute hier dargestellt wird, ist sie wirklich nicht, lange nicht.

Wir sind auch schon ein wenig und auf das möchte ich in aller Kürze noch hinweisen , selber schuld daran, daß die Lehre an Attraktivität verloren hat, daß der gesellschaftliche Stellenwert des Lehrlings ein geringer ist. Haben wir nicht unserer Jugend immer wieder gesagt, daß die manuelle Arbeit nicht das Richtige wäre, daß alle unbedingt in höhere Schulen gehen müssen, um in der Gesellschaft einen entsprechenden Wert zu haben? Haben wir nicht gesagt: Du sollst es besser haben!, und gemeint: Geh solange in die Schule, wie du nur kannst, das ist für dich und für uns das Allerbeste!? Also, wir haben doch auch vor unserer eigenen Türe zu kehren. Aber es ist unsere Aufgabe, nicht nur in diesem Haus, sondern eines jeden auf seinem Platz, die Attraktivität der Lehrlingsausbildung zu ändern.


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