Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 64. Sitzung / Seite 62

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Zur Bemerkung im Antrag des Kollegen Schweitzer, daß Bildung und Ausbildung junger Menschen Kosten verursache, möchte ich erwähnen, daß da Österreich im EU-Vergleich an erster Stelle vor Deutschland, Dänemark, Schweden und Belgien liegt. So wurden in jeden österreichischen Schüler, der heuer maturiert, in den vergangenen zwölf Jahren 700 000 S seitens des Staates investiert.

Österreich liegt allerdings nicht nur bei den Pro-Kopf-Investitionen an erster Stelle, sondern auch bei den Schülerzahlen pro Lehrer. Während im OECD-Durchschnitt 17,7 Volksschüler auf einen Lehrer kommen, sind es in Österreich 12,1 Schüler, bei den Hauptschülern 7,8.

Abschließend darf gesagt werden, daß Österreichs Schüler dank der großartigen Unterstützung unserer Bundesministerin sicherlich die nötige differenzierte Ausbildung erfahren.

Ein Sprichwort zum Abschluß, das doch mehr als ein Körnchen Wahrheit enthält: Ein Lehrer verdient seinen Ruf am begabten Schüler, sein Gehalt am Durchschnittsschüler und den Himmel am schwachen Schüler. Danke. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

12.19

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Frau Bundesministerin Gehrer hat sich zu Wort gemeldet. Bitte, Frau Bundesministerin.

12.20

Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Elisabeth Gehrer: Hohes Haus! Zum Thema Rechtschreibreform möchte ich folgendes klar feststellen: Ich habe niemals eine Kehrtwendung gemacht. Ich habe zu Beginn meiner Amtszeit das Ergebnis von zehnjährigen Beratungen der Rechtschreibreform-Kommission übernommen und habe die Finalisierung mit dem Bemerken vorgenommen, daß diese Reform nicht meine wichtigste Priorität im Bildungsbereich ist, daß sie aber das Ergebnis von zehnjährigen Beratungen ist, und daß sich, wenn alle europäischen deutschsprachigen Länder mitziehen, Österreich nicht ausschließen kann.

Diese Unterzeichnung wurde vorgenommen. Meiner Meinung nach ziehen diese Änderungen in der Rechtschreibreform keineswegs Erschwernisse für Studierende an der Schule für Berufstätige nach sich. Es ist uns allen Zeit gegeben, uns bis zum Jahr 2005 an diese geringfügigen Änderungen zu gewöhnen. Rechtschreibung ist genau wie Sprache etwas, das lebt, das sich weiterentwickelt. Es wird nie die allumfassende, alleingültige Regelung in allen Bereichen geben, und daher verstehe ich den Wunsch nach dieser allumfassenden gesetzlichen Regelung, nach der immer und ewigen Gültigkeit von irgendwelchen Rechtschreibregeln nicht. Man findet heute, wenn man durch die Stadt geht, "Friseur" einmal in der alten Form geschrieben, "Frisör" einmal in der neuen Form geschrieben. Beide Formen haben ihre Gültigkeit und werden nicht als Rechtschreibfehler gewertet. Somit sind allgemeine gesetzliche Regelungen, in denen alles geregelt wird, entbehrlich.

Zur Lage in Deutschland ist festzustellen, daß die Diskussion dort genauso abläuft wie in Österreich: Diejenigen, die sich vorher nicht eingebracht haben, sind nun vehement dagegen. Deshalb ist es auch in Deutschland so, daß die verantwortlichen Stellen nach wie vor zu dieser Vereinbarung stehen. Und solange das so ist, besteht auch in Österreich kein Handlungsbedarf.

Die Schulbuchverlage stellen im Wege der laufenden Erneuerung ihre Schulbücher um. Ich halte das für einen vernünftigen Schritt. Erst bis zum Jahre 2005 besteht die gesetzliche Notwendigkeit, alles umzustellen. Es handelt sich also um einen laufenden Erneuerungsprozeß, um einen laufenden Umstellungsprozeß, der für Schulen und für Berufstätige absolut keine Erschwernis bringt. (Beifall bei der ÖVP.)

12.22

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Danke, Frau Bundesministerin.

Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Grollitsch gemeldet. 6 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. Bitte.


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