Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 78. Sitzung / Seite 176

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Nachholen von Bildungsabschlüssen. Der Beamtenentwurf des § 46 Schulorganisationsgesetz sieht das zwar im Ansatz vor, aber bei der derzeit noch sehr inflexiblen Struktur wird es in der Realität nicht umsetzbar sein. (Beifall beim Liberalen Forum.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich empfehle wirklich aus Sorge um das duale System, sich nicht auf der Einführung der Berufsreifeprüfung auszuruhen und sich nicht darauf zu verlassen, daß alleine durch die Möglichkeit zu dieser Prüfung das duale System auch ein erfolgreiches, ein attraktiveres wird. Was wir benötigen, sind echte Reformen. Sie werden Mut dafür brauchen, und gerade die ÖVP wird auch Durchsetzungsvermögen dafür brauchen. Wir Liberalen  und das sage ich gerne und aus Überzeugung  stehen Ihnen mit konstruktiven Vorschlägen sehr gerne zur Verfügung. (Beifall beim Liberalen Forum.)

19.33

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Der eben verlesene Abänderungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, entsprechend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung.

Die nächste Wortmeldung liegt von Herrn Abgeordneten Dietachmayr vor.  Bitte.

19.33

Abgeordneter Helmut Dietachmayr (SPÖ): Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Meine Damen und Herren! Mit dem heutigen Beschluß der Novelle zur Gewerbeordnung ist es auch notwendig, Anpassungen im Berufsausbildungsgesetz vorzunehmen. Um für die Betriebe neue Anreize zur Ausbildung von Lehrlingen zu schaffen, wird künftig neben der Ausbilderprüfung unter anderem auch die Absolvierung eines Ausbilderkurses als Befähigungsnachweis zum Ausbilden von Lehrlingen gelten. Ein weiterer Ausbildungsversuch, die sogenannte verkürzte Lehrzeit für bestimmte Personengruppen mit höherqualifizierter Schulausbildung wird ebenfalls in das Regellehrwesen übergeführt.

Aber es scheint mir ganz besonders wichtig, eines anzumerken, meine Damen und Herren: Wir hier im Parlament können nur die Rahmenbedingungen auf gesetzlicher Ebene schaffen. Ich glaube, daß die Wirtschaft und die Unternehmungen, wenn sie weiterhin so restriktiv bei der Lehrlingsausbildung vorgehen, sich selbst einmal den Ast abschneiden werden, auf dem sie sitzen. Denn gerade die duale Berufsausbildung  und das haben meine Vorrednerin wie auch der Herr Bundesminister heute gesagt  ist ein großer Vorteil für den Wirtschaftsstandort Österreich, da wir dadurch gut ausgebildete Facharbeiter und Fachkräfte haben.

Ich denke dabei an Oberösterreich, etwa an das Beispiel BMW in Steyr. Entscheidend dafür, daß BMW sich gerade in dieser Region angesiedelt hat, war nicht nur, daß von Bund und Land entsprechende Förderungen gezahlt wurden  diese Förderungen hätte BMW auch woanders bekommen , sondern daß in dieser Region gut ausgebildete Fachkräfte vorhanden sind. Ich glaube, das ist ein ganz bedeutender, ein wesentlicher Faktor, den wir auch für die Zukunft beachten müssen.

Ich möchte diese Gelegenheit dazu nutzen, um doch auch einige kritische Anmerkungen zu machen, denn es hat keinen Sinn, wenn wir hier immer nur die positiven Aspekte betonen. Die gegenwärtige Situation sieht folgendermaßen aus: In den letzten Jahren hat die Bereitschaft der österreichischen Betriebe zur Lehrlingsausbildung im Rahmen des dualen Systems, in Zahlen ausgedrückt, um ein Viertel abgenommen. Bildeten im Jahr 1984 noch rund 55 000 Lehrbetriebe Lehrlinge aus, so waren es Ende vergangenen Jahres nur mehr 39 700 Betriebe. Dieser Rückzug der österreichischen Betriebe aus der Lehrlingsausbildung spiegelt sich auch im Rückgang der Lehrlingszahlen, wie allgemein bekannt, wider. Waren es 1985 noch etwa 170 000 Lehrlinge, so wurden Ende vergangenen Jahres nur mehr rund 120 000 Lehrlinge ausgebildet.

Im Jahr 1992 hat Österreich das Internationale Übereinkommen über die Rechte des Kindes ratifiziert. Eine der wesentlichen Inhalte dieses Abkommens ist die Verwirklichung des Rechtes der Kinder und Jugendlichen auf Bildung auf der Grundlage von Chancengleichheit. Eine qualitativ hochstehende, allgemeine und berufliche Bildung, die den Begabungen und Interessen der Jugendlichen entspricht, ist sowohl für die persönliche Entfaltung als auch für die Entwicklung von Demokratie und Wirtschaft unverzichtbar. Es muß daher unser gemeinsames Anliegen


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