Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 78. Sitzung / Seite 190

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Wir halten jedenfalls dieses Berufsreifeprüfungsgesetz für einen Meilenstein in der Bildungspolitik, und ich möchte mich auch bei der Frau Bundesministerin und Ihrer Beamtenschaft herzlich bedanken, daß es trotz zum Teil auch massiver Widerstände gelungen ist, dieses Berufsreifeprüfungsgesetz heute durchzusetzen.

Ich lade auch die Freiheitlichen ein, sich das noch einmal zu überlegen. Vielleicht tut sich dann auch Ihr Bundesobmann auf heißen Stühlen in diversen Discotheken, wo er meint, besonders lehrlingsfreundlich agieren zu müssen, etwas leichter, den Jugendlichen, anstatt ihnen die angeblich so komplizierte Studienberechtigungsprüfung schmackhaft zu machen, zu signalisieren, daß sie den Weg der Berufsreifeprüfung wählen können und daß die Lehrausbildung und die damit verbundene wenn man sie machen will Meisterprüfung der Matura gleichgestellt sind. Das ist von der Wertigkeit ganz besonders wichtig, und das erreichen wir mit diesem Bundesgesetz! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

20.37

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gaugg.  Bitte, Herr Abgeordneter. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 6 Minuten.

20.37

Abgeordneter Reinhart Gaugg (Freiheitliche): Herr Präsident! Frau Bundesminister! Herr Bundesminister! Geschätzte Damen und Herren! Die Vertreter der beiden Regierungsparteien haben ein Problem (Abg. Jung: Sie haben viele Probleme!) : Anstatt daß sie Bildungs- und Berufschancen für Jugendliche schaffen, schaffen Sie neue Gesetze! (Beifall bei den Freiheitlichen.) Es wird jetzt wieder ein Gesetz ins Leben gerufen, das nicht mit Leben erfüllt werden kann.

Abgeordneter Dr. Antoni hat gemeint, daß bei knapp der Hälfte der Berufsausbildungen das duale Ausbildungssystem bevorzugt wird. Das finden wir nur in Wien. Eigentlich ist das ein System, das vom Grundsatz her funktioniert, es gibt jedoch Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Man hält am alten System der einmal wöchentlichen Berufsausbildung in der Schule fest, die unter Umständen auf Tage fällt, an denen im Lehrbetrieb am meisten zu tun ist. Das gefällt auch den Schülern nicht. Daher bin ich der Meinung, daß man da neue Wege beschreiten sollte.

Wesentlich erscheint mir auch, daß Anreize geschaffen werden. Nicht nur die Möglichkeit des Zugangs zum Studium ist entscheidend, sondern da geht es auch  das hat auch Herr Kollege Antoni gesagt  um die Frage des Sozialprestiges. Das sollte man ernst nehmen! Viele Berufstätige nutzen gerade im zweiten Bildungsweg die großen Bildungsmöglichkeiten und schaffen auch einen Abschluß. Die Drop-out-Rate ist bei dieser Gruppe wesentlich geringer als bei jenen, denen der Zugang relativ leicht gemacht wird. Daher müssen gerade die ÖVP-Vertreter, wenn sie ihren Slogan "Karriere mit Lehre" ernst nehmen, diese Karrieremöglichkeiten auch anbieten.

Aber es scheitert ja bereits an der Frage der Arbeitsbedingungen für Lehrlinge, vor allem aber am Lebenseinkommen. Der Lehrling bleibt eben immer der zweite. Daher ist es notwendig, berufsweiterbildende Maßnahmen zu setzen und Möglichkeiten zur außerberuflichen Weiterbildung zu schaffen.

Darüber hinaus sollten Sie  und das ist ein Appell an die SPÖ  eine Begabten- und Leistungsförderung für jene einführen, die besonders tüchtig und fleißig sind, und denjenigen den Zugang zu den Universitäten zu erschweren, die vielleicht nur deshalb zum Studium neigen, weil ihnen eine Lehre als zu wenig attraktiv erscheint. Sie haben immer wieder die Aussage getroffen: Wenn wir alles umsetzten, was hier gesagt wird, dann hätten wir überhaupt kein Problem bei der Bildung unserer Jugend. Woran scheitert es denn? Am lieben Geld! So kostet zum Beispiel der Ausbau der Werkmeisterschulen oder der Fernkurse eine Menge Geld. Jetzt wurde wieder ein Vorschlag betreffend weiterführende Schulen  das betrifft 5 600 Schulabgänger  gemacht. Das kostet Geld! Daher erwarte ich mir in einer Zeit der Budgetverknappung von den Regierungsparteien, daß sie, wenn sie Lösungen anbieten, auch dazusagen, wie das finanziert wird, und nicht nur sagen: Das hätten wir gerne!  Auch wir hätten das gerne. Das wäre wünschenswert!


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