Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 78. Sitzung / Seite 191

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Es ist schon richtig, was Abgeordneter Peter aus dem Brief eines Personalchefs hier verlesen hat, nämlich daß man die Probleme genau erkannt hat, daß die Problemlösung aber leider mangelhaft ist und die Maßnahmen nicht richtig umgesetzt werden. (Abg. Schaffenrath: Die Umsetzung, die Kollege Peter genannt hat, würde nichts kosten!) Die des Kollegen Peter nicht! Kollege Antoni hat jedoch viele Beispiele genannt, die eine Menge Geld kosten. Ich erwarte mir aber, daß ein Regierungsabgeordneter, wenn er Vorschläge macht, auch die entsprechenden Bedeckungsvorschläge mit einbringt.

Ich erwarte mir auch, daß man endlich zur Kostenwahrheit für alle Auszubildenden übergeht, zur Kostenwahrheit bei der Ausbildung eines Lehrlings, eines Schülers oder eines Studenten. Wir könnten uns die Probleme, die wir heute haben, nämlich die überfüllten Universitäten und eine gewaltige Drop-out-Rate, vielfach ersparen, wenn es schon vorher eine vernünftige Selektion gäbe. Heute geht das Lehrstellenangebot zurück, aber auch die Nachfrage nach Lehrstellen ist rückläufig, weil es kein entsprechendes Angebot gibt.

Daher noch einmal mein Wunsch: Durchforsten wir die Lehrpläne, auch die der Fachhochschulen! Es ist unverständlich, daß die Kommission nur deshalb ein halbes Jahr außer Kraft gesetzt wird, weil man vor neuen Anträgen Angst hat, damit diese nicht behandelt werden müssen. Das ist bedauerlich, und es muß daher intensiver gearbeitet werden.

Ich meine, daß in der Entwicklung der Berufsausbildung eine neue Qualität Platz greifen muß. Zunächst ist ein Durchforsten der Lehrpläne auf Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit notwendig. Ferner muß auf die beiden so wesentlichen Komponenten, nämlich auf das Lebenseinkommen und das Sozialprestige der einzelnen Auszubildenden, Rücksicht genommen werden. Warten auf ein Wunder ist zuwenig. Ich meine, es sollte zu mehr Attraktivität der Ausbildung und der damit verbundenen Berufsaussichten kommen. Diese können wir durch bessere Angebote, jedoch nicht durch neue Gesetzte schaffen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

20.42

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Herr Abgeordneter Gaugg! Ich stelle der Geschäftsordnung gemäß fest, daß Sie den Abänderungsantrag in den wesentlichen Punkten nicht erläutert haben. Es wird daher Aufgabe des freiheitlichen Klubs sein, dieses Manko durch einen anderen Redner wettzumachen. (Abg. Grabner: Hört! Hört!)

Zu Wort gemeldet ist als nächste Frau Bundesminister Gehrer.  Bitte, Frau Bundesministerin.

20.43

Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Elisabeth Gehrer: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich, daß diese Diskussion über die Berufsreifeprüfung so sachlich und fundiert geführt wird. Ich freue mich auch, daß von den Oppositionsfraktionen hier im Hohen Haus die sachliche Notwendigkeit einer Durchlässigkeit im Schulsystem betont wird.

Es tut mir immer ein bißchen weh, daß man die Hauptschulen so hinstellt, als ob sie Einbahnen wären. Herr Abgeordneter Öllinger hat wieder gesagt, daß es unzureichende Möglichkeiten gibt, von der Hauptschule in weiterführende Schulen zu kommen.

Meine Damen und Herren! Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, daß über 50 Prozent der Maturanten und Maturantinnen über den Weg der Hauptschule zur Matura kommen! Die Hauptschule ist also eine gute Schule, sie ist keineswegs eine Einbahn oder eine Sackgasse, sondern läßt alle Chancen und Möglichkeiten offen! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Mit der Berufsreifeprüfung wird jetzt eine weitere Maßnahme umgesetzt, die im Regierungsübereinkommen festgeschrieben worden ist. In Anbetracht dessen, daß manche gemeint haben, daß im Bildungsbereich nichts geschehe, habe ich einmal nachgeschaut, was in den letzten zwei Jahren umgesetzt wurde. Ich darf Ihnen sagen, es wurden über 90 Prozent der Maßnahmen, die wir im Koalitionsübereinkommen festgeschrieben haben, umgesetzt. Es wurden über 22 Initiativen gestartet. Ich zähle auf: Integration, Objektivierung, Schulraumüberlassung, Frühwarnsystem, Autonomie im pädagogischen und im finanziellen Bereich, Strukturmaßnahmen in der


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