Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 85. Sitzung / Seite 46

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Herr Kollege, Sie haben Gelegenheit, hier Stellung zu nehmen! Es wäre interessant  auch für die Zuhörerinnen und Zuhörer , zu erfahren, wie Sie das sehen, wie Sie hierauf kontern.

Ich halte es für wichtig, daß diese Quellen nicht versiegen, was in der Praxis bedeutet beim "steirischen herbst" vor zwei Jahren wurde das schon thematisiert , daß gerade die widerständischen Künstlerinnen und Künstler, die sich nicht ruhigstellen lassen, diejenigen, die immer aufbegehren und danach trachten, das Eis aufzubrechen, die Taxi fahren und in Hotels arbeiten, nicht zum Schweigen gebracht werden. (Beifall bei den Grünen.)

11.25

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Konrad. Bitte.

11.25

Abgeordnete Dr. Helga Konrad (SPÖ): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Wir diskutieren den Kunstbericht 1995, und ich möchte vorweg sagen, daß es sinnvoll und wichtig ist, daß es diesen Kunstbericht gibt, weil er die Förderpraxis und auch die Situation der Kunstschaffenden sichtbar macht, weil er Entwicklungen und Schwerpunkte aufzeigt und weil er Mängel erkennbar macht, die dann diskutiert und auch behoben werden können. Man kann immer alles noch besser machen, ich meine aber, daß der Bericht jedenfalls einen guten Ausgangspunkt bildet, etwas zu verändern oder darüber nachzudenken, wie etwas verändert werden kann.

Der Bericht macht die Vergabe von öffentlichen Mitteln transparent: Das ist wichtig, das entspricht einer Forderung, die immer wieder eingebracht wird, und das ist notwendig. Und wenn dieser Kunstbericht oft belächelt Rechenschaft auch über die kleinsten Förderbeträge ablegt, dann können wir sehen, wie viele Menschen, wie viele Künstlerinnen und Künstler von der öffentlichen Hand mehr oder weniger unterstützt werden.

Ich möchte in meinem Beitrag aber auch auf die aktuelle Diskussion zu sprechen kommen und möchte gleich etwas zum Stichwort "Gießkanne: ja oder nein" sagen. Ein Entweder-Oder darf es in diesem Zusammenhang nicht geben, es dient der Sache überhaupt nicht, wenn man Breitenförderung gegen Spitzenförderung ausspielt. Es gibt keine Spitzen ohne Breiten, und es gibt keine Breite ohne Spitzen. Die Aufbereitung des Bodens ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, ist somit Aufgabe der Politik, und das entspricht auch unserem sozialdemokratischen Verständnis.

Selbstverständlich hat die öffentliche Hand die Aufgabe, das Risiko beim Entstehen von Kunst mit den Künstlerinnen und Künstlern, mit den Produzenten mit zu tragen. Wenn wir in diesem Punkt wahrscheinlich mehrheitlich einer Meinung sind, dann müßte uns eigentlich die Absurdität der Forderung: Politik raus aus der Kunst!, die in der öffentlichen Diskussion erhoben wurde, auch sehr schnell klar sein. Was soll denn hinein statt der Politik? (Abg. Dr. Brinek: Bürger!)

Besonders absurd ist es, wenn Politiker selbst die Forderung nach politischer Absenz oder Abstinenz erheben. Wenn nämlich Politik demokratisch legitimierte und überprüfbare Gestaltung der Gesellschaft ist, dann dürfen sich gerade Politikerinnen und Politiker aus dieser Verantwortung nicht stehlen! Das ist jedenfalls mein Verständnis.

Es ist notwendig und Pflicht und Aufgabe der Politik  und dazu bekennen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten uns , daß der Staat und die Regierung Räume schaffen und fördern, in denen gegenläufiges, widerspenstiges, kritisches Kunstschaffen geschehen kann, und gerade in einer Zeit, in der viele von uns die Oberflächlichkeit des Dahinlebens, die Konsumorientiertheit und die Kaufhausmentalität der vom Zeitgeist Beseelten kritisieren, ist die Förderung von Kunst und Künstlerinnen und Künstlern notwendiger denn je.

Die inhaltliche, qualitative Auseinandersetzung mit Kunst hat der Politiker allerdings den Expertinnen und Experten zu überlassen. Aufgabe des Politikers ist es, die Voraussetzungen für das Entstehen von Kunst zu schaffen. Auf diesem Gebiet kann man durchaus Überlegungen anstellen, wie das zu bewerkstelligen ist, hier sind sicher Korrekturen notwendig und auch angebracht, aber schließlich ist die Entscheidung betreffend das Modell Intendanten, Beiräte oder


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