Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 85. Sitzung / Seite 64

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ist jedoch eine schwache Ausrede, denn wenn jemand, der zwar nicht Regierungsmitglied, aber immerhin Staatssekretär ist, etwas in seinem Ressort nicht weiß, dann ist das nur die drittauglichste Argumentation. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Es ist immerhin noch eine. Aber so zu tun, als ob man sich alles gefallen lassen müßte, als Österreicher, als Familienvater, als Großvater in meinem konkreten Fall, als Abgeordneter, als Angehöriger eines Rechtsberufes, halte ich nicht für richtig. Da kann Frau Petrovic natürlich nur lachen, denn das paßt ganz in das Gesamtbild des Öllinger, der Petrovic und des neuen Abgeordneten im Ruderleiberl, der da hinten steht, das von Ihnen in diesem Zusammenhang hier im Haus präsentiert wird. Zu Ihnen paßt das. Ich bin zwar überzeugt, daß Sie das auch nicht kennen, aber es würde Ihnen vielleicht gefallen.

Aber bei den Sozialdemokraten, die ich in der Mehrzahl, soweit ich sie kenne, als seriöse und ernsthafte Menschen ansehe, und bei der ÖVP, bei der noch hinzukommt, daß sie eine starke christliche Verwurzelung und Verbundenheit hat, kann ich nur glauben, daß Sie das nicht kennen. Schauen Sie sich das an! Frau Reitsamer, wenn Sie sich das angeschaut haben, wird Ihnen das Schmunzeln vergehen. (Abg. Mag. Stadler: Frau Reitsamer! Gehen Sie zum Herrn Eder! Der Eder hat den Katalog!) Vielleicht empfinden Sie auch als Österreicherin.

Es ist eine Schande, und ich schäme mich für die Verantwortlichen, die für so etwas den Kopf hinzuhalten haben! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

12.47

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Herr Abgeordneter Dr. Cap hat sich in dieser Debatte zum zweitenmal zu Wort gemeldet.  Ihre Redezeit beträgt noch 10 Minuten. Sie haben das Wort.

12.47

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Herr Präsident! Hohes Haus! Abgeordneter Schweitzer hat in seinem Redebeitrag eine Latte gelegt, indem er den Begriff "Schamgrenzen" verwendet hat (Abg. Mag. Schweitzer: Ich habe Kant zitiert!) , aber ich bin weit davon entfernt, jetzt irgendwelche Reflexe zu zeigen, wenn von dieser Seite des Hohen Hauses (der Redner blickt in Richtung der Freiheitlichen) etwas kritisiert wird.

Ich möchte das insofern noch differenzieren, als ich sage: Wenn versucht wird, Medienpräsenz auch im künstlerischen Bereich durch Tabubruch zu erreichen, so muß das nicht automatisch gute Kunst sein. Man kann darüber unterschiedlicher Meinung sein. (Ruf bei den Freiheitlichen: Das ist Werbung für Österreich!)

Es stellt sich allerdings die Frage: Wie führt man eine solche Diskussion? Wir führen heute eine Debatte über Kunst- und Kulturverständnis, über den Kunstbericht, und man kann darüber diskutieren, wie man sie führen soll. Sie wollen natürlich mehr als bloß eine Debatte über Kunst führen, Sie wollen auch gleich eine innenpolitische, eine moralische, eine wie auch immer gerichtete Debatte führen. (Abg. Dr. Ofner: Sie wollen nur ausweichen!)

Ich kann das von Ihnen kritisierte Bild in diesem Katalog nur so verstehen, daß da etwas dargestellt wird, was tagtäglich passiert, das es gilt, künstlerisch anzuklagen, und nicht, dazu aufzufordern. (Abg. Dr. Ofner: Wo steht das?)

Jetzt kommt meine Kritik an der Darstellung in diesem Katalog: Für mich ist es eine historische Wiedergabe, etwas, das vor sehr langer Zeit produziert wurde. Für mich ist es zuwenig klar ersichtlich, für mich ist es nicht genügend nachvollziehbar, und für mich bietet es Interpretationsspielräume, die Sie heute weidlich ausgenützt haben. Das ist meine Kritik daran. Ich glaube, daß sich auch provokatorische Kunst selbst schaden kann oder, anders formuliert, daß ihr eine Katalogerstellung als Kunstform  so war sie auch gedacht; ich Gegensatz zu meinen drei Vorrednern war ich bei der Biennale in Venedig und habe das auch gesehen und habe mich dazu positiv wie auch negativ geäußert  in Wirklichkeit nicht nützt, sondern sie kritisierbar macht.

Auf dieser Ebene kann man die Diskussion darüber führen. Aber Sie sagen, da gibt es eine Kumpanei, diese Regierung ist in Wirklichkeit Kumpan von versteckten Kinderpornographen und


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