Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 85. Sitzung / Seite 121

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technik?  Die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs hält aufgrund der bisherigen Diskussion eine gentechnikfreie Zone Österreichs für nicht realisierbar.

Weiter heißt es: Die Präsidentenkonferenz fordert daher: Die Entscheidung über den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft muß jeweils anhand konkreter gentechnischer Entwicklungen und Produkte getroffen werden. Das bedeutet eine strenge Beurteilung von Fall zu Fall, auf der Basis wissenschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Erkenntnisse und Aspekte, aber nicht eine generelle Ablehnung einer neuen züchterischen Methode.

Sehr geehrte Herren von der ÖVP, vom Bauernbund! (Abg. Donabauer: Wir haben auch Damen! Wir haben auch Damen dabei!) Herr Donabauer, Herr Schwarzenberger und Herr Schwarzböck! Sie haben sich ein Schlupfloch gesucht! (Beifall bei den Freiheitlichen.) Vergessen wurden die Versprechungen, eine soziale und ökologische Vorreiterrolle in Europa einzunehmen. Wo bleibt die ökosoziale Marktwirtschaft, die Sie immer wieder preisen?  Das ist eine Verhöhnung aller, die am ÖPUL-Programm teilnehmen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Das Ingenieurbüro TB-Agrartechnik aus Bad Vöslau wollte für die deutsche Firma AgrEvo, an der die Konzerne Hoechst und Schering beteiligt sind, herbizid-resistenten Mais auspflanzen, hat aber das Vorhaben verschoben. Der nächste Anlauf kommt sicher, die Gen-Lobby wird nicht aufgeben. (Präsident Dr. Neisser übernimmt den Vorsitz.)

Ich befürchte, daß diese Gen-Lobby sich die Euro-Propaganda zum Vorbild nimmt. Sogenannte Experten werden gekauft, um die Bevölkerung zu überfahren. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Wir Freiheitlichen stehen der Gentechnik in der Landwirtschaft ablehnend gegenüber. Kennzeichnung allein ist zuwenig. Uns ist es ein großes Anliegen, daß in Österreich gentechnisch veränderte Lebensmittel weder produziert noch verkauft werden dürfen. Wir fordern ein gänzliches Verbot von gentechnischer Manipulation an Pflanzen und Tieren. Sie bringen weder den Bauern noch den Konsumenten etwas.

Frau Ministerin Prammer! Ihre Genossen Gradwohl, Reitsamer, Maier und Parnigoni haben Ihnen einen Maiskolben überreicht. Durch die schwammige Politik der Regierungsparteien werden Sie, wenn Sie in diesen Maiskolben hineinbeißen, nicht wissen, ob die Kukuruzkerne gentechnisch manipuliert sind oder nicht. Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

17.01

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Letzter Redner in dieser Debatte ist Herr Abgeordneter Dr. Salzl.  Bitte.

17.01

Abgeordneter Dr. Stefan Salzl (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! So unbestritten und wichtig die Gentechnik im medizinischen Bereich ist, so umstritten ist sie gerade im Bereich der Lebensmittelproduktion. Während sie in der Medizin, wie etwa bei der Insulinproduktion oder bei der Herstellung lebenswichtiger Hormone und Impfstoffe, für viele kranke Menschen oftmals lebensnotwendig ist, ist sie bei der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln nicht nur umstritten, sondern oftmals  nach Meinung von Experten  auch gesundheitsschädlich.

Dabei geht es den Großkonzernen nicht um die Versorgung der Menschen mit besseren Nahrungsmitteln, sondern schlicht und einfach um Gewinnmaximierung, indem sie nämlich mittels Gentechnik die Möglichkeit schaffen, Nahrungsmittel billig und in großen Mengen industriell zu produzieren.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir dürfen nicht zulassen, daß womöglich die Gesundheit unserer Bevölkerung dabei aufs Spiel gesetzt wird. Offensichtlich wissen das auch die Österreicherinnen und Österreicher und lehnen daher zu 80 Prozent gentechnisch veränderte Lebensmittel ab.


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