Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 101. Sitzung / Seite 30

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Es ist sicher, daß dieser 1. Jänner 1999 ein historisch ganz wichtiger Tag für die Teilnehmerländer der Europäischen Währungsunion sein wird. Es wird sicher nicht alles glattlaufen, es wird in der Umstellungsphase sicherlich einige Probleme geben; das wissen wir auch vom Beitritt zur EU: Aber trotz alledem müssen wir diesen Schritt gehen.

Die Europäische Zentralbank legt mit ihrer Verpflichtung zur Preisstabilität ein inflationsfreies Fundament, welches der österreichischen Wirtschaft auch in Form von niedrigeren Zinsen zugute kommen wird.

Meine Damen und Herren! Eine 1prozentige Zinserhöhung kostet die öffentlichen Haushalte in Österreich rund 15 bis 17 Milliarden Schilling. Das muß man auch wissen. (Abg. Dr. Haider: Was passiert denn jetzt? Zinskonvergenz!)  Eine Senkung selbstverständlich auch! Für die privaten Kreditnehmer heißt das: entweder Ersparnis oder Mehrausgaben in Höhe von rund 6 Milliarden Schilling. (Abg. Dr. Haider: Warum gehen jetzt die Zinsen rauf? Warum gehen sie jetzt rauf?) Du kannst dich ja noch einmal zu Wort melden. Warten wir die Entwicklung ab, lieber Herr Haider! (Abg. Dr. Haider: Höher werden sie, lieber Leopold!)

Meine Damen und Herren! Jedenfalls bedeuten niedrigere Zinsen auch eine Förderung der Gründung von Unternehmen, insbesondere der Klein- und Mittelbetriebe. (Beifall bei der ÖVP.  Abg. Mag. Stadler: In der Schweiz werden sie niedriger!) Also mit den Vergleichen zur Schweiz würde ich lieber vorsichtig sein. Darüber können wir uns nachher unterhalten, Herr Dr. Haider! (Abg. Dr. Haider: Ich habe nichts gesagt von der Schweiz!) Es gibt andere Entwicklungen, die uns Sorgen machen sollten, die wir auch in der einen oder anderen Form erleben. (Beifall bei der ÖVP.  Abg. Mag. Stadler: Sie haben von der Schweiz geredet!)

Meine Damen und Herren! Es wird auch die Chance geben, daß ein einheitlich europäischer Kapitalmarkt vielleicht den vermehrten Zugang auf billigeres Geld möglich macht. Auch das ist ein Vorteil für unsere Wirtschaft! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.) Ein gar nicht zu unterschätzender Vorteil ergibt sich aus österreichischer Sicht im Wegfall unvorhersehbarer Wechselkursverschiebungen innerhalb des Euro-Raumes. Diesbezüglich haben wir in den letzten Jahren schon einiges erlebt.

Österreich wird als bisher kleine, aber exportabhängige Volkswirtschaft in einem großen wirtschaftlichen Binnenraum sicher noch bessere Chancen vorfinden. Meine Damen und Herren! Mit anderen Worten: Die destabilisierenden Auswirkungen von Wechselkursschwankungen werden sich für Österreich massiv reduzieren. Das kann man einmal grundsätzlich sagen.

Nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstitutes vom Februar 1997 kostete 1990 eine Arbeitsstunde in Österreich um 5 Prozent weniger als in Italien. 1995, nach massiven Wechselkursschwankungen in den Jahren 1992/93 und 1995, kostete die gleiche österreichische Arbeitsstunde um 50 Prozent mehr als in Italien. Das muß man sich einmal vorstellen! 1996 war der Unterschied nach einer Verbesserung des Lirakurses wieder etwas kleiner, aber noch immer um 30 Prozent teurer als in Italien. Das sind Tatsachen! Und eine solche Situation schadet natürlich der Planbarkeit und Berechenbarkeit einer jeden Volkswirtschaft.

So haben beispielsweise zahlreiche österreichische Unternehmen zwischen der Auftragsannahme und der Abrechnung immer wieder Verluste erlitten, die insgesamt gesehen in Millionenhöhe gehen.

Ich erläutere Ihnen das anhand eines Beispiels. Ich habe bei einem Betriebsbesuch eines mittleren Industriebetriebes erfahren, daß dieser durch die Kursschwankungen bei einem einzigen Auftrag 170 000 S verloren hat  zwischen Auftragsannahme und Abrechnung. Bei einer gemeinsamen Währung hört sich all das natürlich auf. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Der Euro bringt somit, was die grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen innerhalb der Teilnehmerländer anlangt, ein Mehr an Stabilität, die Rahmenbedingungen werden berechenbarer, transparenter und fairer.


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