Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 106. Sitzung / Seite 168

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gekommen ist, nur bedingt stimmt. Der ehemalige Bundesminister Hums wird mir recht geben. Uns Kärntnern ist es bekannt: Immer dann, wenn in Italien Streiks waren und sich an der Grenze, etwa in Pontebba oder Tarvis oder auf der anderen Grenze, wo Tiertransporte übernommen werden, wie etwa in Franzensfeste oder Padua, die Transporte gestaut haben, ist es zu unzumutbaren Bedingungen gekommen. Auch die österreichischen Nutztierproduzenten können ein Lied davon singen, wie lange sie klagen mußten, bis die während des Transportes schlecht versorgten Zuchtrinder, die dann als Schlachtrinder in Italien in den Schlachthöfen notgeschlachtet werden mußten, zu entsprechenden Ersatzstallungen durch die italienischen Staatsbahnen und die anderen Verantwortlichen, die für diese Mißstände zuständig waren, gebracht wurden.

Ich halte nichts davon, daß man Berichte schönt. Wir kennen die tatsächlichen Zustände beim Tiertransport in der Praxis auch aus den österreichischen Tageszeitungen. Ich gebe allerdings zu, daß die Zustände beim Tiertransport auf der Eisenbahn um 100 Prozent besser sind als jene auf der Straße. Vor allem die Tiertransporte auf der Straße von Polen, den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten und von Rußland durch Europa zu den Mittelmeerhäfen weisen oftmals katastrophale Bedingungen auf. Gerade in den Wintermonaten sind die Geflügeltransporte auf diesen Strecken eigentlich von jedem Tierschützer nur mit Schaudern zu betrachten.

Ich möchte Sie, Herr Bundesminister, darauf hinweisen, bei Ihren internationalen Bemühungen auch zu bedenken, daß am Ende auch des bestausgestatteten Transportes in Europa Hafenanlagen stehen. Die entsprechenden Schiffe und Verladungseinrichtungen der Europäischen Union spotten noch immer jeder Kritik. Wir alle kennen die Bilder von Genua, die Bilder von Griechenland oder die Bilder von Exjugoslawien, wo die größten Verladestationen sind, auf denen zu sehen ist, daß die Tiere teilweise bei Wasserniedrigstand, um eine schnelle Beladung zu ermöglichen, einfach mit Kränen hochgehoben werden, in die Leiber der Schiffe hineingepreßt werden, übereinandergeschichtet, sodaß sie verletzt, ja sogar ihre Glieder gebrochen werden. Diese wirklich geschundenen Tiere werden dann nach Libyen oder nach Beirut gebracht, wo sie gemäß den religiösen Bestimmungen des jeweiligen Landes geschlachtet werden. Es kann, so glaube ich, keinem, der halbwegs humanistisch gebildet ist und der ein Gefühl für Natur und für Tiere hat, egal sein, daß die Europäische Union für Transporteinrichtungen innerhalb der Europäischen Union und für internationale Transitstrecken sehr wohl Mittel bereitstellt, während sie für diese Hafenanlagen keine Mittel zur Verfügung stellt, um diesen Mißstand auf europäischem Boden zu beseitigen und die Verladestationen endlich einer zeitgemäßen, auch einer ethischen Forderung entsprechenden Form anzupassen.

Herr Bundesminister! Auch bei der Luftfahrt sind für den Schutz der Tiere sehr viele Dinge geregelt. Ich möchte aber Ihre Aufmerksamkeit  so wie schon vor zwei Jahren bei einer ähnlichen Debatte  auf die vielen Zierfischtransporte in der Luftfahrt richten, die aus Zuchtanstalten kommen und die daher dem internationalen Artenschutzabkommen nicht unterworfen sind. Noch dazu sind sie oftmals illegal dem Amazonas oder seinen Nebenflüssen entnommen und werden mit getürkten Papieren dann als Zuchtfische eingeführt. Es ist keine Seltenheit, daß in Schwechat und auf anderen Flughäfen in Europa mehr als 50 Prozent der Fische bei solchen Transporten verendet ankommen und der Rest mit entsprechenden Zuschlägen an Aquarianer sündteuer vermarktet wird. Das sind alles Geschäfte, die auf Kosten der gequälten Kreatur ablaufen, und dies ist aus meiner Sicht keinesfalls zu unterstützen.

Ich bitte Sie, Herr Bundesminister, Ihre Bemühungen auf europäischer Ebene nicht erlahmen zu lassen, bei diesen Mißständen tatsächlich Abhilfe zu schaffen. Das, was wir in Österreich haben, und das, was wir heute beschließen, ist ein kleiner Weg in die richtige Richtung. Umfassend befriedigen, Herr Bundesminister, kann es nicht. Die Europäische Union und gerade die Haltung der südlichen Länder in der Europäischen Union in diesem Fall werden uns noch viele schwere Steine auf den Weg legen, die wir zur Seite zu räumen haben werden, um auch für eine humane Gesellschaft einen ethisch vertretbaren Umgang mit Schlachttieren, Schlachtrindern und bei Tiertransporten zu erreichen. Darum, Herr Minister, ersuche ich Sie und Ihre Regierungskollegen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

19.27


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