Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 122. Sitzung / Seite 76

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

sich auskennen, wie es an den Universitäten gegenwärtig zugeht beziehungsweise wie Universitäten konstituiert sind. Erstens: Forschung und Lehre ist eines. Wir sprechen daher auch von der forschungsgeleiteten Lehre. Die Forschung nährt die Qualität der Lehre. Zweitens: Dienstleistung, die von Ihnen als dritte Säule bezeichnet wird, ist über die Teilrechtsfähigkeit jederzeit möglich und wird auch praktiziert. Ich denke, Altkanzler Kreisky hätte an dieser Stelle gesagt: Lernen Sie Geschichte, also Zeitgeschichte, Herr Kollege! (Beifall bei der ÖVP.)

Eine kurze Bemerkung noch in Richtung des Kollegen Rada. Er hat die universitäre Lehrerbildung angesprochen. Ein differenziertes Schulsystem in einer differenzierten Gesellschaft geht von einer differenzierten Lehrerbildung aus. Das Problem der Arbeitslosigkeit, das er angesprochen hat, ist nicht so einfach zu lösen, sondern muß auf andere Weise gelöst werden, auf keinen Fall jedoch über den Umweg einer pädagogischen "Gesamtschulflächenfakultät" oder wie immer diese Konstellation ausschauen soll. Soweit ich es abschätzen und für meine Fraktion sagen kann, wird es diese Variante mit der Volkspartei sicherlich nicht geben. (Abg. Dr. Stippel: Das ist schade!)   Ich komme dann gerne darauf zurück, warum das der bessere Weg ist.

Die Fachhochschulen sind schon angesprochen worden. Sie stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Im "Standard" dieser Woche steht, sie stehen im Regen.  So sehe ich das nicht. Die 42 Studiengänge, die 18 Erhalter geben ein anschauliches Bild einer Erfolgsstory ab. Einiges ist aber zu ändern. Es sind die ernsthaften Bemühungen, einen neuen Sektor zu errichten, ein neues Angebot zu machen, von denjenigen Bestrebungen zu trennen, die nach dem Motto "Schildertausch" operieren; das heißt, postsekundäre Lehrgänge, Studiengänge, die es jetzt schon gibt und Erfolgsmodelle sind, einfach durch einen Tausch der Namens- und Türschilder zu Fachhochschulen zu machen. Damit kommen wir in Wirklichkeit nicht vorwärts.

Was angesichts der Knappheit der Mittel und der Effizienz des Einsatzes noch zu ändern und ins Visier zu nehmen ist, ist die Entwicklung des Fachhochschulentwicklungsplanes selbst. Der Bericht des Fachhochschulrates nimmt dazu auch Stellung und mahnt diese Weiterentwicklung ein. Bis zu einem gewissen Grad haben wir schon Antwort gegeben. Ich denke nur an die jüngste Reform des Fachhochschulgesetzes für Ingenieure. Der Fachhochschulbericht mahnt aber auch Maßnahmen, Positionierungen zu einer Verbesserung der Kohärenz im Bildungssystem ein.

Daher bin ich sehr froh darüber, daß es weitere 50 Millionen Schilling für die Fachhochschulen aus dem Sektor Verkehr und weitere Anstrengungen gibt, soweit ich das sehen kann, um auch weitere private Mittel zu lukrieren. Das heißt: mehr Phantasie im Bereich Strukturierung, mehr Phantasie im Bereich Organisation, um auch diese Struktur  90 Prozent öffentliche Mittel, 10 Prozent private Träger  zu überdenken.

Ich möchte noch eine Argumentationsschiene ansprechen, die da heißt: Fachhochschulen und Universitäten. Neidgenossenschaft führt nicht weiter; Angstgenossenschaft auch nicht. Ich meine, daß die Universitäten über das neue Universitätsstudiengesetz sehr viele Möglichkeiten haben, sich zu positionieren, etwa über die Gestaltung der Studieneingangsphase, über die Entwicklung von Studienplänen, in denen sie selbst sagen, wer sie sind beziehungsweise wer sie nicht sind.

Herr Bundesminister! Ich glaube, die Universitäten brauchen Ihre Hilfe. Sie brauchen sie auf der Ebene der monetären Zuwendung, sie brauchen aber auch symbolische Unterstützung, damit aus ihnen wieder die Kraft zu dieser Erneuerung kommen kann, damit es nicht das Selbsterlebnis gibt, das wir aus so manchen Autonomieerfahrungen im Schulbereich kennen, nämlich daß man von außen zu einer "Baustelle" erklärt wird und die nötigen Hilfen zum Neubau, zum Umbau nicht gegeben sind. Diese Hilfe sollten wir gemeinsam geben. Die ÖVP strengt sich dafür mit Ihnen gemeinsam an. (Beifall bei der ÖVP.)

14.00

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Abgeordneten Mag. Barmüller.  Bitte.


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite