Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 130. Sitzung / Seite 144

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schen Regime eine geradezu aggressive Sportpolitik, die später nur in den Ländern DDR und Kuba eine Nachfolge fand.

Meine Damen und Herren! Nach dem Krieg hatte man hierzulande einerseits andere Sorgen, andererseits verfiel man vorsätzlich in die Gegenposition zu diesem Verbrechensregime und setzte den Sport in die letzte Reihe. Im Grunde sind die negativen Strahlen der damaligen Gegensportbewegung bis heute spürbar.

Als die Sorgen kleiner wurden und der Bewegungs- und Spieltrieb stärker aufkam, wurde nach Geld gerufen. Nach dem Vorbild Englands wurde 1949  wie wir erfahren haben  das Totospiel eingeführt, und weil der Fußball sozusagen das Brot für das sogleich monopolisierte Toto war, gab man dem Sport eine Krume ab. 1949 waren es 10 000 S, Herr Präsident Löschnak, wie wahrscheinlich auch Sie aus der Geschichte wissen. Toto zu spielen, war damals Ehrensache für jeden sportinteressierten Menschen, war doch Sporttoto gleichzeitig Sportförderung.

Um dieser Direktsubvention vom Toto zum Sport ein politisches, aber auch parteipolitisches Mascherl umzuhängen, schuf man ein Glücksspielgesetz, vereinnahmte das Lotto-Toto durch den Finanzminister und gab jährlich einen valorisierten Förderungsbetrag weiter. Diese Verteilung hielt und hält man vornehmlich in rot-schwarzer Hand.

Dann kamen die Sparpakete. Die Jahre 1996 und 1997 wurden von dieser Valorisierung  meiner Ansicht nach gegen das Gesetz  ausgenommen, doch Vranitzky versprach, 1998 diese Valorisierung wieder einzuführen. Sein Nachfolger, der "Gala-Sportminister", wie ich ihn einmal genannt habe, schafft es nicht, diese Valorisierung wiedereinzuführen, und deshalb hat man jetzt zur Schadensbegrenzung eine Gesetzesnovelle gemacht.  Das zur Erklärung dieser vorliegenden Novelle.

Dem Sport wird diese Novelle als Fortschritt und Problemlösung zu verkaufen versucht. Kollege Höchtl hat ja gerade in begeisterten Worten über die neue Regelung referiert. Ich aber sage: Eine Bundessportförderung nach 45 Jahren auf dem Fundament von Glücksspielerlösen zu belassen, ist ein Armutszeugnis. Dies zeigt, welche "Wertigkeit" dem Volksgesundheitsfaktor Nummer eins in Österreich tatsächlich zugewiesen wird.

Bei der vorliegenden Novelle haben sich nach meiner Ansicht Wittmann & Co vom Finanzminister über den Tisch ziehen lassen. Ein Anteil von 3 Prozent der Umsatzerlöse wurde hier soeben hochgelobt. Kollege Höchtl hat errechnet, daß 7 Milliarden Schilling seit 1949 an den Sport geflossen sind. Es wäre interessant, wo die restlichen 97 Prozent, also etwa 200 Milliarden Schilling, geblieben sind. Das weiß nur der Herr Finanzminister.

Heute wird eine Novelle beschlossen werden, wonach 3 Prozent der Umsatzerlöse für die nächsten beiden Jahre vorgesehen sind. Das sind 380 bis 420 Millionen Schilling im Jahr 1998 und 360 bis 440 Millionen im Jahr 1999. Kollege Höchtl geht  ich habe es angedeutet  von den beiden höheren, optimistischen Zahlen aus. Ich erlaube mir, zu fragen: Warum hat der Verhandlungspartner hier die Zahlen 380 Millionen und 360 Millionen als untere Grenzen eingefügt?  Selbst das mußte sich der Sport, wie ich erfahren habe, erst durch Verhandlungen "herausreißen".

Dieser Optimismus ist meiner Ansicht nach durch nichts begründet  allenfalls dadurch, daß Sie, meine Damen und Herren, eifrig dazu motivieren werden, "6 aus 45", Toto und ähnliches zu spielen, um den Erlös daraus möglichst hoch zu halten. Spielen Sie möglichst schlecht! Wir brauchen viele Jackpots, um diese Größenordnungen zu erreichen. Die Förderung des Sports wird weitgehend dem Zufallsprinzip, dem Prinzip des Glücks und des Glücksspiels überlassen.

Herr Kollege Grabner! Herr Präsident Löschnak! Gestatten Sie, daß man dieses Thema auch aus dieser Sicht sieht, denn es ... (Abg. Grabner: Ich werde Sie aufklären!) Sie werden mich dann aufklären.  Jedenfalls sind im vorliegendenen Gesetzentwurf die beiden von mir genannten Beträge als Untergrenzen enthalten. Sie werden mich dann darüber aufklären, warum diese Untergrenzen erforderlich sind.


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