Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 171. Sitzung / 203

beitsmarktfragen aller Österreicherinnen und Österreicher zuständig ist, einen derart skandalös niedrigen Frauenanteil hat? Ist es wirklich notwendig, daß wir hier per Gesetz agieren müssen?  Ich fürchte ja.

Ich sage Ihnen, wie es mit den Frauen in leitenden Funktionen wirklich aussieht: Der Vorstand besteht aus zwei Männern  in Österreich selbstverständlich ein roter, ein schwarzer. Von den neun Landesgeschäftsführern und den neun Stellvertretern, also 18 Personen, sind  Sie dürfen raten  17 Männer und eine Frau in stellvertretender Position in Wien. Das heißt, wir haben schon 20 Leitungsfunktionen, davon nur eine Frau als Stellvertreterin, das sind 5 Prozent. Das heißt, auch Gewerkschaft und Arbeiterkammer haben keinen entsprechenden Anteil von Frauen in das AMS geschickt. Beim Verwaltungsrat ist es eine Nuance besser: Von den 18 Mitgliedern sind "nur"  unter Anführungszeichen  15 Männer und 3 Frauen. Das heißt, daß von den insgesamt 38 Führungspositionen ganze 4 mit Frauen besetzt sind, und das sind überwiegend Stellvertreterinnen und keine Amtsinhaberinnen.

So sieht die Situation aus, und ich bin überzeugt davon, daß genau aus diesem Grunde der völlig ungleichen Besetzung mit Duldung der Sozialdemokratie  das AMS auch im Bereich der Frauenförderungsmaßnahmen wirklich nicht befriedigend funktioniert.

Ich bin sehr froh, daß es zusätzliches Geld für die Lehrlingsförderung gab. Das war schon okay. Dort soll man zwar auch kontrollieren, welche Firmen und wer das bekommt, in welche Kanäle das fließt, wie hoch der Verwaltungsanteil ist und wieviel Geld wirklich den Betroffenen zugute kommt. Aber grundsätzlich ist es richtig, für die Lehrlinge etwas zu tun. Eines allerdings wird dabei immer verschwiegen: Diese Bundesregierung hat das Geld für die Lehrlingsinitiative den Frauenprojekten weggenommen. Und das finde ich skandalös! (Abg. Steibl: Das stimmt überhaupt nicht!) Das kann nicht geduldet werden.

Es sind gerade im Bereich der Frauenmotivationskurse wesentliche Einsparungen vorgenommen worden. Es nützt nichts, zu beteuern, wie wichtig es ist, daß Beruf und Familie vereinbar sein müssen, wenn man dann in der Praxis die konkreten Maßnahmen einfach nicht setzt. Wir wissen alle  vor allem die Frauen wissen es , wie hart und wie schwer es ist, nach einer kinderbedingten Berufspause wieder voll, und zwar auch auf der entsprechenden hierarchischen Ebene, einzusteigen. Das geht in der Regel nicht ohne Förderungen. Wenn aber im AMS, wie gesagt, von 38 Führungspositionen 34 männlich besetzt sind, dann fehlt diese weibliche Perspektive.

Ich ersuche Sie, vor allem auch die KollegInnen in den Regierungsparteien, daher: Machen Sie sich dafür stark, daß wir dieses Gesetz im Sinne einer Frauenquotenregelung für das AMS noch vor dem Sommer, noch in dieser Legislaturperiode beschließen können! (Beifall bei den Grünen.)

21.47

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Hagenhofer. Rede-zeit: 5 Minuten.  Bitte, Frau Abgeordnete.

21.47

Abgeordnete Marianne Hagenhofer (SPÖ): Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Frau Kollegin Petrovic, da Sie sagen, das AMS hat einen skandalös niedrigen Frauenanteil: Zeigen oder nennen Sie mir einmal Firmen in Österreich, und zwar Dienstleistungsunternehmen, deren Beschäftigtenpotential sich zu rund 60 Prozent aus Frauen zusammensetzt! (Abg. Öllinger: Das ist ein "Argument"! Das ist ja furchtbar!) Nein, nein, Herr Kollege Öllinger! Nein, nein! Lassen Sie einmal die Kuh im Stall, denn 60 Prozent Frauenanteil bei einer Behörde, bei einem Dienstleistungsunternehmen, das muß erst einmal nachgewiesen werden! (Beifall bei der SPÖ.)

Zum zweiten: Sie sagen, das AMS beziehungsweise die Arbeitsmarktverwaltung wurde ausgegliedert. Das stimmt zwar, das war aber eine Änderung der Organisation und nicht eine Änderung des Personals, Frau Kollegin Petrovic! Es ist ja dasselbe Personal mitgegangen. (Abg. Öllinger: In den Schulen, in den Spitälern: Lauter weibliche Bedienstete, aber keine Direktorinnen! Das ist eine schwache Sache!) Hier müssen Sie also auch einmal ehrlich argumentieren.


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