Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 176. Sitzung / 192

20.56

Abgeordnete Dr. Gertrude Brinek (ÖVP): Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Ich lese hier: "Frauen sind in der Wissenschaft nach wie vor benachteiligt."  Man könnte sagen: Das wissen wir. Wir wissen es aber seit gestern neu. Denn es ist ein neues Buch vorgestellt worden.

Weiters heißt es, daß "geringe institutionelle Verankerung an den Universitäten" eine wichtige Ursache für diese Schlechterstellung ist. Wesentliche andere Gründe sind etwa das Aufwachsen in von Rollenklischees geprägter Umgebung, die Neigung, im Zweifel den Weg der Unterordnung, der Rücksichtnahme, des Verzichts zu wählen, trotzdem aber die Sorge für die Konfliktlösung übernehmen zu müssen. Ein weiterer Grund dafür ist der Umstand, daß Pflege- und Familienarbeit Sache der Frauen sind, welche aber ein großes Aufstiegshemmnis darstellen. Was sich in frühen Jahren gerne als intendierte Leistung darstellt, wird den Frauen später zum Verhängnis. Dann hört man auch im Bereich der Wissenschaften: Die Kollegin hat sich ja bloß in Kindererziehung habilitiert!

Frau Kollegin Wurm hat angesprochen, daß es mit dem Habilitierungswillen der Frauen eigentlich ganz gut steht und es in den letzten Jahren zu einer Verdreifachung gekommen ist. Ich kann daher die Sorge und die Angst von Minister Einem und Professorin Kreisky nicht teilen, die sie im jüngst veröffentlichten Weißbuch zur Frauenförderung an den Universitäten äußern, nämlich daß die Habilitation eine spezifische Frauenschranke sein soll, weil es ein Old-Boys-Network gebe, und diese daher abzuschaffen sei. Ich meine, daß Frauen mittlerweile gelernt haben, sich den Herausforderungen zu stellen, und daß dieses Old-Boys-Network vielleicht in ein Young-Scientists-Network  Male and Female  umgewandelt werden müßte. Nur wenn wir mitmachen, können wir diese Umwandlung leisten.  Soviel dazu. (Beifall bei der ÖVP.)

Ich bin sehr froh über diese Vorlage. Es wird zwar mit dem Bundes-Gleichbehandlungsgesetz natürlich die Welt nicht neu geschaffen, aber doch ein Stückchen Verbesserung geleistet. Meine Kollegin Bauer hat einige Aspekte und Momente der Novelle bereits angesprochen. Ich verweise etwa auch auf einen Punkt, der mir wichtig erscheint, nämlich auf die Zusammensetzung von Dienstrechtskommissionen: Frauen sollen in jener Anzahl vertreten sein, in der sie auch im jeweiligen Feld und Zuständigkeitsbereich vertreten sind.

Diese Verhältnismäßigkeit wäre auch ein vergleichbarer Zugang zu einem weiteren Punkt des Weißbuchs zur Frauengleichbehandlung: Es sollte eine ähnliche Passage betreffend den Zugang von Frauen zu Forschung und Forschungsprojekten verankert und nicht gesagt werden, daß eine bestimmte Quote erfüllt werden muß, auch wenn es beispielsweise keine Atomforscherinnen gibt.

Ein wichtiger Punkt ist für mich auch der Schadenersatzanspruch, der endlich geeignet sein soll und wird, eine wirksame Abschreckung  wie es nach EU-Recht heißt  darzustellen, damit man nicht salopp sagen kann: Das macht nichts, das Körberlgeld bringen wir schon auf, das bezahlen wir schon, Hauptsache, die Frau haben wir verhindert!

Schließlich komme ich zur Gleichbehandlung an Universitäten insbesondere für jene Personen, die in keinem dauernden Dienstverhältnis stehen, etwa Gastprofessorinnen, Lektorinnen, Studierende. Diese Maßgabe haben wir per Entschließung jetzt auch auf die Rechtspraktikantinnen, die Unterrichtspraktikantinnen und die jungen Medizinerinnen ausgedehnt, damit ihnen nicht gewisse Schicksale widerfahren, wie wir sie ja zuhauf kennen. (Präsident Dr. Brauneder übernimmt wieder den Vorsitz.)

Weiters will ich noch auf ein Instrument hinweisen, das auf europäischer Ebene Gender-Mainstreaming heißt. Ich verstehe die Verbesserung des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes als einen diesbezüglichen Baustein. Dieses Mainstreaming zeigt nämlich, daß Frauenpolitik Querschnittspolitik ist. Gender-Mainstreaming versteht sich als Strategie zur systematischen Überprüfung der Auswirkungen von Maßnahmen sowie deren Verbesserung mit dem Ziel der Förderung und der vollständigen Einbindung von Frauen und Männern in alle Bereiche der Gesellschaft.


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