Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 178. Sitzung / 77

jene Erfahrungen zu nützen, die wir bereits mit den Dritt- und Viertklasslern in Hauptschule und AHS gemacht haben, um auch in der letzten und vorletzten Klasse von AHS und BHS mehr Aufklärung zu geben. Zu diesem Zeitpunkt sind die Mädchen und Burschen in der Situation, noch einmal entscheiden zu können, welche berufliche Weichenstellungen sie vornehmen wollen.

Es war Frau Ministerin Gehrer, die das Prinzip "Gleichstellung von Mädchen und Frauen" im Unterricht eingeführt hat. Ein Unterrichtsprinzip repräsentiert einen fächerübergreifenden Unterrichts- und Bildungsinhalt, der alle Fächer, alle LehrerInnen betrifft. Es ist Frau Ministerin Gehrer, die weiterentwickelt und evaluiert, was im Bereich der sensiblen Koedukation etwa im Bundesgymnasium Rahlgasse und im Bundesrealgymnasium Schopenhauerstraße sowie in anderen Schulen passiert. (Abg. Mag. Schweitzer: Das wie vielte Unterrichtsprinzip ist das?)  Ob es jetzt das sechste oder siebente ist, Herr Kollege Schweitzer, ist unwesentlich. Wichtig ist, daß es umgesetzt wird! Und das liegt an uns, an den Lehrern. Das liegt an den Lehrern und Lehrerinnen. (Abg. Mag. Schweitzer: Daran zweifle ich, das ist die Verantwortung der Regierung!) Das kann man von hier aus nicht bewerkstelligen.

Ich meine auch, daß es wichtig ist, sich die Frauenförderungspunkte für Wissenschaft und Forschung von Minister Einem anzusehen. Ein Punkt ist darin sicher kontraproduktiv, nämlich der Vorschlag, die Habilitation  und zwar nur deshalb!  abzuschaffen, weil sie in einem Old-Boys-Network vergeben wird. Ich habe schon einmal an dieser Stelle gesagt, Young-Scientists-Network  "male and female"  ist mir lieber! Wenn wir auf diese Ebene kommen, dann wird den Frauen nicht mehr ihr Wollen, ihre Professionalität und ihre Qualifikation zu zeigen, aberkannt.

Schließlich haben wir im Bundes-Gleichbehandlungsgesetz, das vor kurzem verabschiedet wurde, eine Besserstellung der "Frauenanwältinnen", der Gleichbehandlungsbeauftragten in diesem Bereich erwirkt. Das ist ein guter Weg. Denn wir haben sie damit de facto den Personalvertreterinnen und Personalvertretern gleichgestellt.

Was ich abschließend sage  weil einen Aspekt noch meine Kollegin Horngacher ausführen wird , ist folgendes: Wir von der Volkspartei und auch ich als Person haben nie gesagt, wir können dem Frauen-Volksbegehren in diesen zehn Punkten zustimmen. Wir haben zu verschiedenen Problemen andere Lösungen. Wir sind dabei ehrlich. Wir haben nicht gesagt, daß wir uns Punkt für Punkt den Vorstellungen der Proponentinnen anschließen.

Wir haben daher heute nichts einzugestehen, nichts zu bekennen und keine Entschuldigungen vorzubringen, sondern ehrlich zu sagen: Hier gibt es das Programm der Volkspartei, das die Frau nicht verstaatlicht, sondern sie in die Wahlfreiheit setzt.  Danke schön. (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Dr. Fischer.)

18.30

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Zu Wort gelangt jetzt Frau Abgeordnete Dr. Partik-Pablé. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. Restredezeit für Ihren Klub: 7 Minuten.  Bitte.

18.30

Abgeordnete Dr. Helene Partik-Pablé (Freiheitliche): Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Minister Gehrer hat sich zuerst darüber gewundert, daß einige Parlamentarier gemeint haben: Wieso kommen eigentlich vier Minister in dieses Hohe Haus, wenn über das Frauen-Volksbegehren diskutiert wird?

Frau Minister Gehrer  sie ist jetzt nicht mehr da , ich wundere mich nicht, daß vier Regierungsmitglieder hier sind. Ich wundere mich aber darüber, daß es der Herr Bundeskanzler nur 50 Minuten lang der Mühe wert gefunden hat, hier über dieses Thema zu reden  dann war er nicht mehr da. Es waren genau 52 Minuten, die er hier war, hat Frau Stoisits gesagt. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Genau 52 Minuten waren es dem Herrn Bundeskanzler wert, über sein gegebenes und nachher gebrochenes Versprechen zu diskutieren, das Frauen-Volksbegehren Punkt für Punkt umzusetzen. Das ist etwas, was uns zu denken gibt, meine sehr geehrten Damen und Herren!


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