Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 178. Sitzung / 98

Man sieht, welche Summen inzwischen ausgegeben worden sind, wie gering deren Effekt in bezug auf die Beschäftigung von Jugendlichen ist und wie sehr diese vorübergehenden Lösungen in wenigen Jahren aufbrechen werden, in dem Sinn, daß die Jugendlichen, die irgendwo "zwischengeparkt" sind, auch auf den Arbeitsmarkt drängen werden. Sie alle sitzen jetzt in Ausbildungslehrgängen. Was wird mit diesen Jugendlichen in ein, zwei Jahren sein?  Es sind keine dauerhaften, sondern nur vorübergehende Lösungen geschaffen worden.

Jetzt, zum Schluß, noch eine Anmerkung zum Thema "Euroteam". Bezeichnend für die ganze Sache "Euroteam" ist  das geht vor allem an die Adresse der Sozialdemokraten , was Frau Vranitzky damals sagte. Sie werden sich sicherlich daran erinnern können. Sie hat nämlich ebenfalls versucht, Lehrlinge über die Lehrlingshotline zu finden, und wurde von der Lehrlingshotline an das ...

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Den Schlußsatz bitte, Herr Abgeordneter!

Abgeordneter Karl Öllinger (fortsetzend): Sie wurde von der Lehrlingshotline an das AMS und von dort wieder an die Lehrlingshotline verwiesen. Das ist die Politik, die Sie mit den Jugendli-chen derzeit im Prinzip aufführen: sie im Kreis herumzuschicken. Das sollte Ihnen zu denken geben! (Beifall bei den Grünen.)

20.01

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Weiters zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Brix.  Bitte, Herr Abgeordneter.

20.01

Abgeordneter Otmar Brix (SPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Das Thema Lehrling, das Thema Jugendarbeit ist ein viel zu wichtiges Thema, als daß man es hier polemisch verwenden, auf dem Rücken der Jugendlichen austragen und für parteipolitische Zwecke ausnützen sollte (Abg. Dolinschek: So wie die SPÖ!), um vielleicht irgendwo punkten zu können. Uns ist die Lehrlingsfrage viel zu wichtig! (Beifall bei der SPÖ.  Abg. Scheibner: 14 000 Lehrlinge suchen einen Lehrplatz!)

Hohes Haus! Daher stelle ich fest: Es ist eine Tatsache, daß es uns unter Bundeskanzler Klima und seiner Lehrlingsoffensive gelungen ist, mehr Lehrberufe zu schaffen, und daß es uns gelungen ist, mehr Jugendliche von der Straße in die Lehrberufe hereinzuholen. Es ist eine Tatsache, meine Damen und Herren, Hohes Haus, und es gibt Unterlagen dazu (Abg. Jung: Ja, 800 Seiten!), daß, obwohl es mehr Lehrberufe gibt, die Kammer der gewerblichen Wirtschaft hierzu nichts beigetragen hat. Denn gerade dort sind die Lehrberufe zurückgegangen, obwohl wir weitere Unterstützungen für die Wirtschaftstreibenden eingeführt haben. (Abg. Mag. Peter: Was halten Sie vom "Euroteam"? Was hat "Euroteam" beigetragen?)

Hohes Haus! Ich halte fest, wir haben eine Senkung der Altersgrenze im Jugendschutzalter von 19 auf 18 Jahre erreicht. (Abg. Mag. Peter: "Euroteam" ist das Thema!) Wir haben die Entlastung bei der Krankenversicherung für die Jugendlichen erreicht. Wir haben eine Verlängerung der Probezeit bei den Lehrlingen erreicht. Und wir haben den Steuerfreibetrag von 20 000 S auf 60 000 S hinaufgesetzt. (Abg. Wabl: Es ist erst 20 Uhr, die Geisterstunde hat noch nicht angefangen!) Aber trotzdem ist die Kammer der gewerblichen Wirtschaft mit der Zahl der Lehrstellen hinuntergegangen. Da frage ich die Wirtschaft: Wo ist sie denn? Warum spielt sie nicht mit? Warum unterstützt sie uns nicht, daß wir noch mehr Lehrlinge haben können? (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Wissen Sie, warum wir mehr Lehrstellen haben? (Abg. Dr. Graf: Fragt einmal, wie viele Lehrlinge die Bank Austria hat!)  Weil es ganz einfach mehr Lehrberufe gibt. Daher richte ich von hier aus die Frage an den Wirtschaftsminister, warum er bei neuen Lehrberufen noch immer säumig ist. Ich warte zum Beispiel noch immer auf Berufsbilder wie den Elektroanlagentechniker, den Veranstaltungs- und Bühnentechniker oder den Textiltechniker. In dieser Hinsicht ist der Wirtschaftsminister mit seiner Verordnung säumig. Wäre er mit seiner Verordnung schon herausgekommen, dann hätten wir noch mehr Lehrstellen für unsere Jugendlichen. (Beifall bei der SPÖ.)


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