Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 46. Sitzung / Seite 120

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Graf installierten Unirat. Und das Ministerium wurde aufgefordert, sich zu distan­zieren. – Da war nichts! Keine Distanzierung war da!

Eine Studentin stürzt sich auf den Brüstungen der Universität Wien zu Tode, weil ihr das Bauwerk auf den Körper fällt, und stirbt. (Abg. Dr. Brinek: Das war aber eine an­dere Regierung!) Andere haben Angst, dass ihnen die Decke, der Plafond auf den Kopf fällt! So ist der Zustand der Universitäten! (Abg. Scheibner: Wer war denn damals Wissenschaftsminister? – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

30 Prozent aller Labors müssten aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen geschlossen werden, weil man dort nicht mehr arbeiten darf, weil es zu riskant und gefährlich ist! – Auch das ist subtile Gewalt, wenn Sie das so hören wollen! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Ruf bei der ÖVP: Sie haben keine Ahnung!) Keine Ah­nung habe ich? – Ich habe eine gute Ahnung, glaube ich. Ich habe nämlich vielleicht zu viel Ahnung.

Die Zahl der Dissertationen nimmt ab, ebenso jene der Bewerbungen um Planstellen an den Universitäten! Und nachdem es nach der Einführung der Studiengebühren 40 000 Studierende weniger gegeben hat, sprechen Sie dann, wenn es jetzt wieder mehr werden, von einer Steigerung – aber Steigerung vom Minimum aus, das Sie verursacht haben! Und Sie wissen, dieses Minimum wurde in einer Studie untersucht – da können Sie ruhig mit der Hand winken, Sie haben ja keine Mehlspeise in der Hand, Gott sei Dank –: Die Ursachen dafür waren primär die Studienbedingungen an der Universität, die Studiengebühren und dass nunmehr bereits 70 Prozent der Studierenden neben dem Studium arbeiten müssen, um ihr Studium zu finanzieren.

Ich wurde aufgefordert, die Jugend zur Ordnung zu rufen. Aber wissen Sie, ich bin weder ein Pädagoge, noch bin ich bei der STAPO, noch bin ich Hermann Gmeiner oder sein Enkelkind. Studierende sind frei! – Und das heißt nicht, dass ich alles be­klatsche, alles beschimpfe. Auch GRAS ist frei und kein Anhängsel der Partei. Und ich sage Ihnen: Wenn man mit Studierenden redet, schafft man es auch, und ich würde das nicht aufgeben. (Abg. Dr. Brinek: Wollen Sie damit sagen, Winckler hätte nicht geredet?)

Winckler hat mit ihnen geredet, aber wissen Sie: Geredet haben ja auch Frau Bundes­ministerin Gehrer und Schüssel und Grasser mit uns – und wir sind nicht sofort in ihr Lager übergeschwenkt. (Abg. Dr. Brinek: Es geht um die Uni Wien!)

Schauen Sie: Wenn man Beteiligte und Angehörige der Universität – das sind auch Studierende – zu Ohnmächtigen degradiert, muss man mit Emotionen rechnen – das würde ich jedenfalls schon! (Abg. Dr. Brinek: Was heißt da „ohnmächtig“?) Weil sie nicht mehr mitreden dürfen, Frau Brinek! (Abg. Scheibner: Das heißt also, die Opfer sind selbst schuld?!)

Vielleicht verstehen die Zuhörer besser: Studierende werden angehört, sie haben noch etwas zu reden, aber sie haben nicht mitzuentscheiden – das wissen Sie viel besser als ich. (Abg. Dr. Brinek: Und was ist mit dem Senat?) Auch der Senat, der noch von der Universität selbst gewählt wurde, hat ja kaum mehr etwas zu reden, weil der Uni-Rat das letzte Wort hat.

Das heißt, ich bitte Sie ernsthaft: Machen Sie Universitätspolitik – in diesem Fall neh­me ich das Wort „global“ als Grüner gerne in den Mund – etwas globaler als eine Diskussion bei einem Konditor-Ball oder bei der KonditorInnen-Innung. Lassen Sie die Kirche im Dorf! Das sind Ereignisse, die sich niemand gewünscht hat, die auch nicht dazu beitragen sollen, Diskussionen abzubrechen, die man vielleicht mit einer Me­diatorin in den Griff bekommen kann. Aber dadurch ein Bild der Uni zu zeichnen oder


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