Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 58. Sitzung / Seite 68

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er bei den Verjährungsfristen an der Schraube drehen will, aber nicht in die Richtung, dass es eine längere Verjährungsfrist geben soll, sondern, ganz im Gegenteil – Kollege Öllinger, du kennst das ja –, kürzere Verjährungsfristen, so frage ich mich natürlich: Ist das legitim, und wie passt das mit dem anderen zusammen? Ich hoffe, dass der Herr Justizminister auch diesem unerträglichen Treiben einen Strich durch die Rechnung machen wird und das in gleicher erfolgreicher Manier wie bei der Steueramnestie verhindert.

Meine Damen und Herren! Ich darf darauf hinweisen, dass auch die juristische Person hier angesprochen ist. Wir finden in der Vorlage ausdrücklich den Hinweis, dass es da auch die Strafbarkeit der juristischen Person geben soll, und zwar in Zusammenhang mit durchaus prominenten schweren kriminellen Delikten.

Einerseits bin ich froh darüber, dass der Herr Justizminister erkannt hat, dass wir mit der Umsetzung eines europäischen Normenkomplexes bereits zwei Jahre im Verzug sind, andererseits hat Kollegin Fekter – sie ist nicht im Saal, aber vielleicht können Sie es ihr ausrichten; ich sehe sie nicht, aber vielleicht ist sie hinter dem Wimpel – den Standpunkt vertreten, wir bräuchten die Strafbarkeit der juristischen Person nicht wirklich, es würde ausreichen, dass wir das Verwaltungsstrafgesetz haben. Ich darf Ihnen sagen: Das Verwaltungsstrafgesetz ist für jene Delikte, die hier betroffen sind, die man im Strafgesetz auch hinsichtlich der juristischen Person regeln muss, völlig untauglich. Ich glaube, auch das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Wenn Sie sich wirklich dazu bekennen, Kriminalität international zu bekämpfen, dann müssen Sie das auch bei den juristischen Personen machen und nicht so, wie es Kollegin Fekter das letzte Mal mit einer Scheinaktion dargelegt hat. Ich hoffe, dass Sie das hier wirklich umsetzen werden.

Es klingt natürlich gut, wenn wir sagen, dass wir uns europäisch, international in der Kriminalitätsbekämpfung neu positionieren wollen, aber wenn ich anschaue, was wir im Inland zustande bringen, meine Damen und Herren, dann muss ich sagen: Das ist eine Katastrophe!

Herr Justizminister, Sie wissen es auch: Wir sind in Europa zum Gespött verkommen, und die kriminalpolizeiliche Reform, die bei uns umgesetzt wurde – warum Kollege Miedl hier gratuliert hat? –, wird in Expertenkreisen als die mit Abstand dümmste in ganz Europa bezeichnet. (Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Nur die SPÖ!) Ich frage mich: Worauf ist man bei diesem Innenminister eigentlich stolz, meine Damen und Herren? (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dipl.-Ing. Scheuch: Mäßiger Applaus!)

Kollege, das sind reine Fakten, ich würde es gerne ändern, aber ich kann es leider Gottes auch nicht. Wenn ich mir die Entwicklung der Aufklärungsquote in Österreich von 1999 bis 2003 anschaue (der Redner hält eine Graphik in die Höhe), muss ich sagen: Es ist erschreckend, wie dramatisch sie sich verschlechtert, gleichzeitig aber die Kriminalität (der Redner zeigt eine weitere Graphik) enorm zunimmt. Kollege, Sie haben vollkommen Recht, da frage ich mich natürlich auch: Was rechtfertigt es, dass man Innenminister Strasser hier sagt, er habe gute Arbeit geleistet?

Wenn wir im Inland schon mehr oder weniger mit dieser „dümmsten Reform“, wie sie international genannt wird, alles verpfuschen, dann sollten wir, meine ich, zunächst einmal in aller Demut schauen, dass wir hier eine vernünftige Struktur aufbauen, um dann in der internationalen Diskussion stolz darauf hinweisen zu können, dass Öster­reich da eine glaubwürdige Position eingenommen hat und wenigstens ein Mindest­maß an Vernunft, ein Mindestmaß an Effizienz in der Bekämpfung der Kriminalität aufweisen kann. – Das ist nicht der Fall, meine Damen und Herren, und daher glaube ich, dass sich Innenminister Strasser und seine Gruppe eher schämen sollten.

 


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