Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 117. Sitzung / Seite 16

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Zahl von Schülerinnen und Schülern, die in ihrer weiteren Berufskarriere de facto extrem große Schwierigkeiten haben wird. (Unruhe im Saal.)

Ich muss feststellen, dass für diese SchülerInnen Ihr Schulpaket keine einzige Maß­nahme vorsieht.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Damen und Herren! Ich würde bitten, den Ge­räuschpegel zu senken und die Gespräche einzustellen! Man hört am Präsidium vor lauter Gemurmel den Redner nicht.

Bitte, Herr Abgeordneter Brosz.

 


Abgeordneter Dieter Brosz (fortsetzend): Der zweite zentrale Punkt: Kaum ein Land hat einen so großen sozialen Hintergrund im Schulbereich wie Österreich. Die österrei­chischen SchülerInnen sind extrem davon abhängig, wie die Situation in ihrem Eltern­haus ist, was den Bereich Bildung und Einkommen betrifft. Wenn österreichische Schü­lerInnen Eltern haben, die über keine höhere Bildung verfügen, dann ist es nach wie vor so, dass ihre Chancen sehr beschränkt sind. Ich finde, dass das für ein so reiches Land wie Österreich ein Armutszeugnis ist. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeord­neten der SPÖ.)

Der dritte große Punkt: Wir haben kein ausgebautes Fördersystem in Österreich. Pri­vate Nachhilfe ist eine der Wachstumsbranchen Österreichs. Es gibt kaum ein Gebiet, das so bunt ist. – Wirtschaftlich ja durchaus erfreulich. Die Frage ist nur: Wer zahlt es?, und: Kann ein Land damit zufrieden sein, dass es private Förderung, private Nachhilfe anstatt von schulischer Förderung gibt? – Ich glaube, Österreich hat sich ein besseres Schulsystem verdient. (Beifall bei den Grünen.)

Der letzte Punkt, den ich heute besonders ansprechen will: Wir wissen, dass die Aka­demikerInnenrate in Österreich weit niedriger ist als jene in vielen anderen europäi­schen Ländern. Wir wissen, dass die Übertrittsraten von den Schulen an die Universi­täten im internationalen Vergleich zurückhängen.

Ich sage Ihnen nur ein Beispiel, weil wir heute über Zugangsbeschränkungen diskutie­ren. Sie wissen so gut wie ich, dass Finnland, das PISA-Siegerland, ein politisches Ziel definiert hat. Dieses politische Ziel lautet: 80 Prozent der MaturantInnen sollen einen Studienplatz in Finnland bekommen.

Wir haben in Österreich Raten von 30 Prozent und diskutieren jetzt, ob wir vielleicht in Richtung 50 Prozent kommen können. Sie sehen, dass da ein massiver Nachholbedarf gegeben ist. Angesichts dieser Tatsache halte ich es wirklich für unzulänglich, über Zugangsbeschränkungen zu diskutieren, ohne die Zahl der Studienplätze auszuweiten. Diese Zugangsbeschränkungen werden dazu führen, dass es für weniger österreichi­sche Studierende Plätze an den Universitäten geben wird, und das ist schlicht und einfach die falsche Antwort auf ein Problem, das wir seit Jahren kennen. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Nachdem ich jetzt über das gesprochen habe, was eigentlich in diesem Schulpaket drinnen sein sollte, aber nicht drinnen ist, worüber wir heute auch nicht abstimmen können, weil wir nur über das abstimmen können, was uns vorgelegt wird, komme ich jetzt zum Kern der Materie. Es handelt sich um eine ganze Reihe von Veränderungen, die im Wesentlichen formale Anpassungen sind, wie zum Beispiel die von Ihnen heiß ersehnte Umbenennung des Unterrichtsgegenstandes „Leibesübungen“ in „Bewegung und Sport“. Wir können alle froh darüber sein, das ist eine „große Entwicklung“ im Schulsystem. Es werden die Sonderschulen in Förderschulen umbenannt – auch das ist offenbar ein „großer Wurf“.

 


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