Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll26. Sitzung / Seite 26

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Claudia Schmied akzeptierte keine Stop-and-go-Lösung, sie verlangte eine kontinuier­liche Weiterentwicklung der Bildungsreform. Ich bin froh, dass sie so hartnäckig dabei geblieben ist.

Markus Leeb hat vor Kurzem im „NEWS“ gesagt – ich zitiere –: Wenn wir über Schule sprechen, „sprechen wir über die Chancen der kommenden Generationen unseres Landes. Es geht um die Qualifikation, um Jobs und um die Chance Österreichs, Wohl­stand und den sozialen Frieden zu sichern. Die Grundlage all dessen ist Bildung.“

Daher, meine Damen und Herren: Seien wir stolz, dass wir sagen können, Österreich geht seinen Weg in Richtung einer modernen und zeitgemäßen Bildung konsequent weiter – zum Vorteil der kommenden Generationen und zur Sicherung des Wohlstan­des für alle in unserem Land!

Meine Damen und Herren! Ein weiteres Herzstück in der Bildungsreform von Claudia Schmied ist die Neue Mittelschule. Ziel dieses Schulversuches „Neue Mittelschule“ ist eine Reform der erstarrten Strukturen in der Sekundarstufe I.

Lassen Sie mich die dringende Notwendigkeit dieser Reform an einem Beispiel festma­chen. Ich bin immer wieder als Springer, als Supplier-Reserve in den Schulen tätig und möchte Ihnen kurz ein Beispiel von einer Sonderschule bringen, an der ich unterrichtet habe. Es war eine Klasse der neunten Schulstufe mit neun Schülern, darunter ein Albaner, zwei türkische Migranten, ein Mädchen aus einem Erziehungsheim, das dort unterrichtet wurde, ein türkisches Mädchen, ein kroatisches Mädchen, ein Legastheni­ker und zwei Neonazis, die bereits vor Gericht standen.

Der dort unterrichtende Lehrer war über mehrere Wochen verhindert. Ich war einige Tage an dieser Schule und hatte nicht diesen Druck, unbedingt den Unterrichtsstoff weiterzubringen, und ich hatte die Möglichkeit, mich mit dem sozialen Umfeld und da­mit, wie es den Schülern so geht und wie sie an diese Schule gekommen sind, ausein­anderzusetzen.

Da wurde ersichtlich: Der eine hatte eine Schwäche in Deutsch, der andere in Mathe­matik, der andere kam aus einer Klasse einer Schule, an der ich einige Wochen davor unterrichtet hatte, die einfach überfüllt war, weil der Migrantenanteil zu hoch war. Da hat man gesagt: Okay, den, der am schwächsten ist, der das nicht „packt“, den geben wir einfach in die Sonderschule! – Das ist Selektieren auf dem untersten Niveau.

Man hat die Schüler einfach zusammengegeben. Man glaubt, wenn man all diese Fehl­entwicklungen oder alle Schüler, die sich nicht aufgrund der bisherigen Strukturen inte­grieren lassen, in eine eigene Schulform zusammengibt, hätte man damit etwas Gutes getan. – Genau das Gegenteil ist der Fall!

Wenn man sich anschaut, woher die Eltern dieser Kinder kommen, sieht man, dass sie aus bildungsfernen Schichten stammen. Und wenn man mit ihnen diskutiert und zu­sammensitzt und andere Möglichkeiten des Unterrichts nutzen kann, sieht man, dass in Wahrheit keiner dieser Schüler – kein einziger! – in eine solche Sonderform müsste, sondern durchaus gut und bestens – bei besseren Voraussetzungen – integrierbar wä­re! – Und um diese Chancen geht es!

Auf der anderen Seite kann man, wenn man in einer Integrationsklasse in einer Haupt­schule unterrichtet, miterleben, dass die Begabtesten, die Besten in diesen Klassen mit eingebunden werden, die schwächeren Schüler zu unterrichten, ihnen zu helfen und sie zu fördern. Wenn man sieht, wie alle davon profitieren – die Besten, die Guten, weil sie hier mit eingebunden sind und noch besser werden –, dann brauche ich keine wis­senschaftliche Studie, meine Damen und Herren, um zu erkennen, dass wir bezüglich der Unterrichtsformen etwas Neues brauchen.

 


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