Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll41. Sitzung / Seite 198

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Meine sehr geehrten Damen und Herren, darüber hinaus kennen wir noch immer nicht ganz allgemeine Konzepte für die österreichischen Bundesmuseen, nämlich: Gibt es Evakuie­rungspläne, gibt es Maßnahmen in Katastrophenfällen? Auch diese Dinge wer­den in keiner Weise diskutiert oder in der Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Mit den 84 Fragen wollte ich von Ihnen wissen, wie Sie künftig die Aufbewahrung der Kunstwerke der Albertina gestalten wollen. Sie verweisen – welch Überraschung! – wiederum auf den Herrn Minister Mitterlehner, obwohl er überhaupt nicht dafür zu­ständig ist, denn das sind Sie. Sie sind aufgrund des Bundesmuseengesetzes die­jenige Person, an die man sich in so einem Fall wenden kann.

Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Albertina-Skandal – daran möchte ich erin­nern – ist ja nicht der einzige Skandal und nicht die einzige Katastrophe, die in unseren Bundesmuseen passiert ist. Sie alle können sich daran erinnern, wie leicht es war, als man von ein paar Jahren eines unserer wertvollsten Kunstwerke aus dem Kunsthis­torischen Museum ganz einfach entwenden konnte.

Hier geht es nämlich – und dort möchte ich jetzt hin – um eine ganz grundsätzliche Einstellung zu unserem Kulturerbe. Es geht um die grundsätzliche Einstellung zu den Aufgaben von Museen. Der Schwerpunkt dieser Aufgaben hat sich in den letzten Jahr­zehnten weg vom Sammeln, vom Bewahren, vom Forschen hin zum Präsentieren verändert. Das hat sich verschoben: Im Scheinwerferlicht bei Ausstellungen zu bril­lieren ist nur eine der Aufgaben von Direktoren, denn, von ICOMOS festgeschrieben, die vier Grundpfeiler der Aufgaben von Museen sind natürlich das Sammeln, das Be­wah­ren, also das Aufbewahren und das Forschen.

Sehr geehrte Damen und Herren, unser Kulturgut ist auch unser Stolz, ist der Stolz unseres Landes, und unser Kulturgut wird von Generation zu Generation weiterge­geben. Museen haben nun einmal eine sehr große Bedeutung für unsere Identität. Sie sind identitätsstiftend. Das ist wichtig, weil das den Zusammenhalt in unserer Gesell­schaft fördert.

Österreich sei ein Kulturland, heißt es immer wieder. Aber wenn man sich jetzt zum Beispiel daran erinnert, dass der Bundeskanzler bei seiner Antrittsrede kein einziges Wort zum Kulturland Österreich verloren hat, oder wenn man sich daran erinnert, was zum Beispiel im Regierungsprogramm steht  das sind nur Oberflächlichkeiten auf sieben Seiten, zum Beispiel Machbarkeitsstudie für Popmusik oder solche Dinge.

Frau Ministerin, der freie Eintritt in die Museen ist eine gute Sache. Aber dass Sie die Kosten dieses freien Eintritts von der Basissubvention abziehen, ist ja auch ein Beweis dafür, dass Ihnen die Aufgaben der Museen nicht wirklich am Herzen liegen. (Beifall bei der FPÖ.)

Das, finde ich, ist eine Schande, denn diese ganze Albertina-Geschichte ist eben ein Symptom einer Reihe von Unzulänglichkeiten.

Sehr geehrte Frau Ministerin, die Art und Weise, wie Sie sich der Sache Albertina angenommen beziehungsweise nicht angenommen haben, zeigt, dass Sie einen bürokratischen Zugang zu dieser Problematik haben und dass Ihnen unser Kulturerbe nicht am Herzen liegt.

Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie wissen, ich schätze Sie sehr, aber diese Einstellung zu unserem Kulturerbe kann auch sehr verhängnisvoll sein. (Beifall bei der FPÖ.)

18.04


Präsident Fritz Neugebauer: Zu Wort gelangt nun Frau Bundesministerin Dr. Schmied. – Bitte.

 


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