Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll59. Sitzung / Seite 119

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Alexander van der Bellen hat einmal einen sehr schönen Satz gesagt: Ich verkürze mein Leben, das ist meine irrationale, unvernünftige, aber immer noch individuelle Entscheidung! – Das ist absolut richtig! Und ich möchte dir auch dein liebstes Ver­gnügen nicht nehmen, genauso wenig wie ich das vielen anderen nicht nehmen will, die aus Lust und Freude einfach rauchen.

Ich habe auch meine Laster. (Abg. Petzner: Welche?) Die sage ich Ihnen jetzt nicht. Aber die habe ich natürlich genauso. Im Gegenteil: Ich bin eine sehr lustfreundliche Person. (Abg. Grosz: Das ist ja fast eine Drohung!) – 43 Prozent der Erwachsenen rauchen. Sie sollen das auch tun, das ist ihre individuelle Entscheidung. Sie wissen auch, dass sie sich damit unter Umständen auch schädigen können, aber das ist ihre individuelle Entscheidung.

Wenn es dann allerdings um Jugendliche, vor allem auch um Kinder geht, um 9-Jährige, um 10-Jährige und 11-Jährige, dann sollten die Alarmglocken läuten. Schauen wir uns einmal an, wie das beim Jugendschutz überhaupt ist.

Jugendschutz – Föderalismusdschungel. In Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und in der Steiermark ist Rauchen für Menschen bis 16 generell und überall verboten. In Wien, Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg dürfen sie rauchen, allerdings nicht auf öffentlichen Plätzen und bei öffentlichen Veranstaltungen. – Das ist der Jugendschutz in Österreich. Das ist wahrlich ein Problem, behaupte ich.

Wir haben jetzt mittlerweile Statistiken, aus denen hervorgeht, dass die ersten Ziga­retten von jungen Menschen im Alter von neun Jahren geraucht werden. (Abg. Grosz: Das Haschisch wolltet ihr ja einmal freigeben!) Das sind Kinder, das sind Kinder mit neun Jahren.

Dann haben wir die Einstiegsaltersfrage: Jugendliche beginnen mit elf faktisch täglich zu rauchen. Wir haben mehrere hundert Jugendliche im Alter von elf Jahren, die in Österreich täglich eine Zigarette rauchen.

Das geht dann weiter: Mit zwölf Jahren sind es bereits mehrere Tausend, mit 13 Jah­ren über 6 000. Wenn sie 15 sind, wo sie es eigentlich noch gar nicht dürften, zumindest in Teilen von Österreich, ist es dann schon die Hälfte, mit 16 und 17 ist es dann mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die raucht. Ich glaube, das kann uns nicht egal sein.

Auch im internationalen Vergleich hat der Österreicher eine bedauernswerte Stellung. In anderen Ländern ist es durchaus gelungen, das Rauchen bei Jugendlichen unat­traktiver zu machen.

Also ich möchte jetzt nicht die klassischen Länder wie Amerika, besonders New York und Kalifornien, Kanada aufzählen. Auch in Europa ist es in einigen Ländern gelungen, diesen Anteil der Jugendlichen auf unter 10 Prozent zu bringen. Bei uns sind es bei den 15-Jährigen 30 Prozent der Mädchen, die rauchen, und 24 Prozent der Burschen. Das schreit nach Aktion, das schreit nach politischer Aktion.

Ich habe vor ein paar Monaten an den Gesundheitsminister eine Anfrage eingebracht, wo ich nachgefragt habe, welche Maßnahmen er sich im Bereich der Jugendprävention vorstellt.

Die Antwort ist wirklich lesenswert, denn wenn ich als Mutter das ernst nehme, was er mir hier geschrieben hat, dann rufe ich 24 Stunden lang Fernsehen und Gummibärli auf und mache überhaupt nichts mehr, um zu versuchen, meine Kinder in eine gesunde Richtung zu lenken. Er hat nämlich gemeint, das sei bei Jugendlichen so schwierig, die machten unterm Strich ohnehin das, was sie wollen. Deswegen probiere


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