Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll59. Sitzung / Seite 126

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Wie Sie sagen, wir wären erst im Juli zu einem Erfüllungsgrad gekommen, den ich jetzt gar nicht phantasieren möchte. Der wäre nie 100 Prozent gewesen. (Abg. Dr. Glawischnig-Piesczek: 2 Prozent!)

Ich komme in dieser Frage nicht umhin, auch etwas über mich zu sagen, und da möchte ich ehrlich sein. Ich war wenige Monate, vielleicht nur wenige Wochen bei den Grünen, da erhielt ich ein Mail sinngemäß folgenden Inhaltes: Der Gesundheits­sprecher der Grünen, der Krebsarzt Grünewald, raucht – er soll zurücktreten.

Gut, Sie sehen, ich habe das nicht getan. Ich stehe immer noch da. (Abg. Mag. Wurm: Rauchen oder nicht rauchen? – Das ist hier die Frage!) Ob ich jetzt zur Rede nur von unserem Klub gerufen wurde oder ob ich dazu berufen bin, werden Sie entscheiden.

Man muss sich fragen: Wie bewirkt man politische Verhaltensänderungen? Über Jahrhunderte haben sich die Erziehungswissenschaft, wenn sie sich damals so nannte, oder die Psychologie vorwiegend an der Vorbildwirkung von Personen orientiert und daran geklammert, wenn sie etwas erreichen wollten. Die Keuschheit der Märtyrer sollte unsere Keuschheit beflügeln, der Anstand der Politiker den Anstand der Öster­reicherinnen und Österreicher, die Vorbildfunktion von Sportlern wurde bis ins Privatleben hinein verfolgt und hat dazu geführt, dass ein Bundeskanzler in Gummi­stiefeln Hochwasser geschöpft hat, Bundespräsidenten Händchen gehalten haben, wo es keine Händchen mehr gab und so weiter und so fort. (Heiterkeit bei den Grünen.)

Also ich bin da für modernere Wissenschaften; die Erziehungswissenschaft und die Psychologie haben Fortschritte gemacht. Da gibt es so etwas wie die paradoxe Intervention. Mein abschreckendes Beispiel als Raucher betrachten Sie bitte als Teil einer paradoxen Intervention. (Beifall bei den Grünen sowie des Abg. Dr. Matznetter. – Heiterkeit bei der SPÖ.) Ich werde immer wieder gefragt, wie ich dieses Leben aushalte, und sage dann: Wenn ich das täte, was ich anderen immer rate, wäre ich ein glücklicher, zufriedener und sportlich aktiver Mensch. (Abg. Dr. Matznetter: Wer weiß?!) Ich bin das nicht in allen Belangen, und es liegt aber sozusagen einzig und allein an mir.

Gelegentlich denke ich auch, dass man sich bei der Lebensqualität eines Politi­kers/einer Politikerin, wenn man dann noch hungern, sich vegan ernähren und auf Wein und Rauchen verzichten sollte (Ruf beim BZÖ: Oder auf das Essen verzichtet!), auch gleich erschießen könnte. (Allgemeine Heiterkeit.) – Haben Sie keine Angst, nicht hier am Pult und auch nicht morgen! Das ist nicht die Frage. (Allgemeiner Beifall.)

Kurzum, Sie sehen, ich bin kein Vorbild. Ich kann nur alle davor warnen, meinem Lebensstil nachzueifern, und ich gebe heute allen Österreicherinnen und Österreichern die Chance zu zeigen, dass sie klüger, charakter- oder – ich sage lieber – willens­stärker sind als ich. Sie haben die Chance. Hören Sie mit dem Rauchen auf! – Über Essen und Trinken steht heute nichts in der Tagesordnung. (Allgemeine Heiterkeit.) Fürchten Sie sich nicht! Glauben Sie mir: Nur wer das Laster kennt, kann darüber sprechen. Teile der Kirche haben das nicht berücksichtigt. (Neuerliche allgemeine Heiterkeit. – Beifall bei den Grünen.)

Die bisherigen Maßnahmen zum Nichtraucherschutz waren vage, und dieses Politik­versagen hat letztlich zu diesem Dringlichen Antrag geführt und ist Resultat dieses Politversagens oder Resultat falscher Hoffnungen. Der Antrag – das möchte ich nicht nur im Interesse der Grünen, sondern im Interesse vieler betonen – wird keine lustfreie oder suchtfreie Welt erschaffen können. Das wäre eine Illusion. Er bietet aber Chancen für ein gesünderes Leben, ohne ein gesünderes Leben zur Pflicht für alle zu machen.

Wenn – Kollegin Glawischnig hat das ganz gut gesagt – Jugendliche heutzutage dieses Risikoverhalten an den Tag legen, das international Aufsehen erregt, dann –


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