Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll37. Sitzung / Seite 96

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Das heißt aber natürlich auch  (Zwischenrufe der Abgeordneten Königsberger-Lud­wig und Matznetter.) – Sie arbeiten zunehmend in diese Richtung. (Abg. Matznetter: Traditionelle türkische Familien !) Es gibt ja diesen Paradigmenwechsel in der Fami­lienpolitik, den die Bundesrepublik schon vollzogen hat – wir werden eine Enquete ha­ben, in der das alles auch deutlich ausgesprochen werden kann (Ruf bei der SPÖ: Sie verstehen absolut nichts! Sie verstehen nichts!) –: weg von der Wahlfreiheit und dem Lastenausgleich – das braucht es eben auch dringend –, hin zu der Gleichstellungs­politik und der Institutionenkindheit. (Zwischenruf der Abg. Königsberger-Ludwig.) Das muss man im Kern schon so sehen, wobei Wahlfreiheit dann eben keine Rolle mehr spielt.

Frau Abgeordnete Kuntzl, Sie haben im Ausschuss gesagt – und Sie haben damit recht –, man könne einer Frau unter heutigen Umständen nicht empfehlen, für längere Zeit aus dem Beruf auszuscheiden und die Erziehung eines Kindes für sich selbst zu beanspruchen. Da haben Sie schon recht, aber wir sind der Meinung: Ändern wir die Umstände, und verzichten wir darauf, das Verhalten der Menschen zu regeln! Ändern wir die Umstände, schaffen wir wirkliche Wahlfreiheit ohne ökonomischen Druck, und machen wir mehrere Modelle möglich!

Auch das Barcelona-Ziel, Frau Ministerin, hat nichts mit Frauen- oder Familienpolitik zu tun, das muss man auch einmal deutlich aussprechen. Das Barcelona-Ziel ist ein Be­schluss, der nicht im Familienausschuss, nicht einmal im Frauenausschuss oder Gleich­stellungsausschuss, sondern natürlich im Wirtschaftsausschuss zustande gekommen ist. Ich verstehe den Wunsch der Wirtschaft, gut ausgebildete Arbeitskräfte zu haben, sehr sozial veranlagte und fleißige Frauen – darauf will man nicht so leicht verzichten –, aber beim Barcelona-Ziel geht es vor allem auch darum, Mütter möglichst früh wieder in die Erwerbstätigkeit zu bringen.

Ich bin der Meinung – wir sind der Meinung –, es muss möglich sein, die Erwerbstä­tigkeit eine Zeit lang zurückzustellen, denn es gibt ja auch verschiedene Ansichten zum Kindeswohl. Wir diskutieren hier immer alles Mögliche, aber eines diskutieren wir wirk­lich nie: Kindeswohl.

Frau Abgeordnete Musiol, welche Bildungseinrichtung passt für ein sechs Monate altes Kind? (Zwischenruf der Abg. Musiol.) – Für Null- bis Dreijährige, das haben Sie selber auch gesagt! Das muss man doch auch einmal vernünftig sehen, jeder weiß, was so kleine Kinder vor allem brauchen (Abg. Musiol: Ja!): Stabilität (Abg. Musiol: Ja!), Si­cherheit (Abg. Musiol: Ja!), und wenn sie sich ausdrücken könnten, würden sie sagen: die Eltern. (Neuerlicher Zwischenruf der Abg. Musiol.)

Ich glaube, dass wir eine reiche Gesellschaft sind, dass wir es uns leisten können, jun­ge Eltern eine Zeit lang für diese so wichtige Aufgabe freizustellen.

Noch einmal: Kehren Sie bitte wieder zur Wahlfreiheit zurück! Das macht Ihre Vor­schläge realistisch, das gibt aber auch den Eltern, also vor allem jenen, die davon be­troffen sind, und auch den Kindern die Möglichkeit, ein Modell zu wählen, das ihnen entspricht. (Beifall bei FPÖ und Team Stronach. – Abg. Matznetter: Jetzt haben wir schon beide kennengelernt !)

13.29


Präsident Karlheinz Kopf: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Walser. – Bitte.

 


13.30.03

Abgeordneter Dr. Harald Walser (Grüne): Herr Präsident! Frau Ministerin! Hohes Haus! Ja, es hat sich sehr viel geändert in Österreich! Wenn ich die Diskussion von heute mit dem vergleiche, worüber wir vor fünf, vor zehn Jahren noch diskutieren mussten, dann ist es – das muss ich ganz deutlich sagen – eine Wohltat, weil niemand


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