Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll44. Sitzung / Seite 219

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In Artikel 20 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es unmissverständ­lich: „Niemand darf gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören.“ Dieses grund­legende Prinzip sollte auch hierzulande umgesetzt werden.

Die Wirtschaftskammer hat als gesetzliche Vertretung der Wirtschaft zweifellos aner­kennenswerte historische Verdienste um den sozialen Ausgleich in Österreich erreicht. Aufgrund ihrer tief verankerten Denkmuster und des einengenden Parteizugriffs war der Sprung ins 21. Jahrhundert für die Kammer aber nicht schaffbar. Währenddessen hat sich die wirtschaftliche Landkarte grundlegend verändert. Heute gibt es mehr als 266.000 dynamische EPUs und eine florierende Start-Up-Szene, die kaum von der Kammer und ihren politischen Funktionär_innen vertreten werden. Europaweit gibt es nur noch wenige Staaten, in denen das System der Zwangsmitgliedschaft sowohl für Unternehmer_innen als auch für Arbeitnehmer_innen gesetzlich verankert ist. Die Wirtschaft braucht weniger Bürokratie, weniger Parteieneinfluss, mehr unternehmeri­sche Freiheit und ein echtes Sprachrohr für Unternehmertum. Es braucht eine mo­derne, effiziente, effektive Interessenvertretung und Serviceorganisation - eine Wirt­schaftskammer 2.0, die keine Pflichtmitgliedschaft mehr braucht. Bei jedem Euro an Mehrinvestitionen und bei jedem zusätzlichen Mitarbeiter kassiert die Wirtschaftskam­mer mehr Beiträge. Dies ist nicht nur ein finanzieller Mehraufwand für die Unterneh­men, sondern auch wettbewerbsschädlich.

Das Budget der Wirtschaftskammer muss endlich transparent offengelegt werden! Alle Organisationen der Kammern verfügen insgesamt über ein jährliches Budget von circa einer Milliarde Euro.

Eine starke Wirtschaftskammer braucht keinen Zwang – sie überzeugt durch ihre Leis­tung. Daher fordern wir die schrittweise Abschaffung der Kammerpflichtmitgliedschaft. Als ersten Schritt fordern wir bis 2019 ein Opting-Out für EPUs und in weitere Folge ein Opting-Out für alle Betriebe. Wirtschaftsbund-Vertreter_innen fordern stets eine Entlas­tung der Unternehmen. In ihrem eignen Wirkungsbereich, oder anders formuliert, in der Vorfeldorganisation der ÖVP, der Wirtschaftskammer, könnten Sie durch Senkung der Abgaben oder durch die Abschaffung der Kammerumlage II ebendies erreichen. Daher fordern wir, dass die Kammerumlage II umgehend gestrichen wird.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgenden

Entschließungsantrag

Der Nationalrat wolle beschließen:

"Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Gesetzesvorlage vorzu­legen, in der folgende Punkte enthalten sind:

ein Wirtschaftskammer-Opting-Out für EPUs bis 2019 und

die Streichung der Kammerumlage II bis 31.12.2014."

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20.08.30

 


Präsidentin Doris Bures: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet.

Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht einer der Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vor­nehme.

 


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