kommen – auch auf der ÖGB-Homepage finden wir immer wieder solche Beispiele –, die weit über dem Durchschnittseinkommen, dem Medianeinkommen von Frauen liegen. Deswegen möchte ich Sie mit den klassischen Zahlen noch einmal konfrontieren, also mit jenen Einkommenssegmenten, die in Österreich bei Frauen eigentlich normal sind.
Zum Beispiel: Steuerentlastung einer Sekretärin mit einem Bruttogehalt von 1 400 € – das ist das mittlere Medianeinkommen bei Frauen; wir haben ein Tarifmodell vorgelegt, nach welchem die wirklich profitieren, denn im oberen Bereich hätten wir das sehr viel flacher gemacht –, vollzeitbeschäftigte Frau, 23 Jahre alt, vielleicht noch keine Familie. – Nach Ihrem Modell profitiert diese mit 370 € im Jahr. Nach unserem Modell würde sie mit 660 € profitieren.
Nächstes Beispiel: klassische berufstätige Mutter, Teilzeitangestellte; die hat in der Familie nicht 1 800 €, sondern ein Brutto von 800 €, wenn sie teilzeitbeschäftigt ist. – Nach Ihrem Modell profitiert diese Frau mit 290 € im Jahr. Nach unserem Modell, das wir vorgelegt haben, würde sie mit 1 100 € im Jahr profitieren.
Und jetzt kommen wir zu den höchsten Einkommen in Österreich: Bundeskanzler Werner F., Vizekanzler Mitterlehner, vollzeitbeschäftigt. – Nach Ihrem Modell profitieren Sie mit (Zwischenbemerkung von Vizekanzler Mitterlehner.) Nicht Teilzeit, das muss man dazusagen, sondern Vollzeit; ich hoffe, Vollzeit. – Also nach dem Rot-Schwarzen-Modell profitieren Sie mit 2 175 €. (Vizekanzler Mitterlehner: Ich spende es Ihnen!) Nach unserem Modell würden Sie 308 € bekommen.
Sie haben sich gerühmt, dass ein Mindestpensionist 110 € im Jahr bekommt. Sie haben gesagt, das sind 30 Kaffee im Monat. Bei dem, was Sie sich ersparen, sind das 1 000 Kaffee im Monat. (Vizekanzler Mitterlehner: teilzeitbeschäftigt!) Ich bin berufstätige Mutter, wenn Sie es wissen wollen, und bin vollzeitbeschäftigt. (Vizekanzler Mitterlehner: Wo?) Parlamentsdirektion, wenn Sie es wissen wollen.
Ist es wirklich notwendig, frage ich Sie, in diesem hohen Segment so stark zu entlasten? Ich sage Ihnen ehrlich: Nein, es ist nicht notwendig! Man hätte im niedrigeren Bereich sehr viel mehr machen können. Und das ist auch der Punkt, warum Frauen so wenig von dieser Reform profitieren. (Die Abgeordneten der Grünen halten Tafeln in die Höhe, auf welchen am Beispiel verschiedener Einkommen jeweils die Steuerentlastung nach dem SPÖ/ÖVP-Modell der Steuerreform und nach jenem der Grünen abgebildet ist.)
Es ist bezeichnend, dass auf der ÖGB-Homepage kein einziges Beispiel von Frauen abgebildet ist, die unter dem Medianeinkommen verdienen. Das ist gewissermaßen eine Beschönigung dieses Modells. (Beifall bei den Grünen.)
Es gibt nach Ihrem Tarifmodell auch wirklich Verlierer und Verliererinnen. (Zwischenbemerkung von Vizekanzler Mitterlehner.) Aber die Taferl-Choreographie hat wunderbar gepasst.
Präsident Karlheinz Kopf: Meine Damen und Herren KollegInnen von den Grünen! Die Sequenz oder der Absatz der Klubobfrau, der sich mit den Taferln beschäftigt hat, scheint beendet zu sein. Darf ich Sie jetzt bitten, die Taferln wieder herunterzugeben. (Die Abgeordneten der Grünen legen die erwähnten Tafeln wieder weg.)
Setzen Sie bitte fort, Frau Klubobfrau!
Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig-Piesczek (fortsetzend): Ich möchte das noch einmal kurz zusammenfassen: Mit Sicherheit sind die VerliererInnen dieser Tarifreform Menschen mit Niedrigeinkommen, also viele Frauen in Österreich. Aber auch der Umwelt- und der Klimaschutz kommen bei dieser Reform nicht vor beziehungsweise kom-
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