Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll117. Sitzung / Seite 64

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Herr Bundeskanzler, wir unterstützen Sie (Rufe bei der FPÖ: Wo ist der Herr Bundes­kanzler?), wenn Sie auf europäischer Ebene das vertreten (neuerliche Zwischenrufe bei der FPÖ – Abg. Kogler: Für das Protokoll: Der Herr Bundeskanzler verlässt demonstrativ den Saal!), was wir in der Bundesregierung in Wien gemeinsam be­schließen. Tun Sie alles, dass die Probleme auf europäischer Ebene kleiner werden! Das erwarten wir uns! Dafür haben Sie unsere Unterstützung.

Aber nochmals, von meiner Seite: Vorsicht, was die Türkei betrifft! (Beifall bei der ÖVP.)

11.42


Präsident Karlheinz Kopf: Nun gelangt Herr Klubobmann Dr. Strolz zu Wort. – Bitte.

 


11.42.25

Abgeordneter Mag. Dr. Matthias Strolz (NEOS): Herr Präsident! Geschätzte Regie­rungsmitglieder! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ich begrüße heute hier meine Mama mit 20 Cousins und Cousinen – schön, dass ihr hier seid, das freut mich sehr! (Beifall bei NEOS und ÖVP.)

Ich habe ja nicht nur mit meiner Mama und meinem Papa Glück gehabt, sondern auch mit „meinem Europa“. Wir waren gestern Abend beim Heurigen, und ich habe mir auf dem Heimweg durch den Schnee überlegt, was ich hier heute einbringen will. Wir haben ja dieses Thema hier schon so oft debattiert, und ich habe mich entschlossen, dass ich über „mein Europa“ berichten und erzählen möchte.

Ich bin hineingeboren in eine Generation, die Frieden, Wohlstand und Lebensqualität in einer Weise erlebt, wie sie diese Welt und dieser Kontinent noch nie gesehen hat, und das macht mich in einer Art und Weise dankbar, dass ich als Politiker da auch viel Verantwortung spüre in der Hinsicht, dass wir gut darauf schauen. Insofern, Klub­obmann Strache, kann ich sagen: Ich sehe das, was wir hier bisher an europäischer Integration geschaffen haben, natürlich als segensreich an.

Ich habe von klein auf Europa als äußerst positiv erlebt, noch bevor ich es bewusst wahrgenommen habe. Wir haben zu Hause eine kleine Frühstückspension gehabt, und ich habe das Wohnzimmer mit den deutschen Touristen zu Weihnachten, zu Ostern und auch zwischendurch geteilt. Das war mein Europa! Im Sommer waren Franzosen da. Das war mein Europa! Ich habe Integration erlebt, wie es in den letzten Jahrhun­der­ten europäisch funktioniert hat. Meine Nachbarn haben geheißen Avanzini, D’Alberto, Pisoni. Die sind damals, 1880, 1884, zum Arlbergbahnbau gekommen. Sie waren damals angefeindet, das war ja die erste Generation der „Tschuschen“, wenn man so will. Die „Welschen“ haben wir damals nicht gebraucht. Sie sind bei uns geblieben, und heute können sie den Vorarlberger Dialekt besser sprechen als ich. Mein Nachbar und Schulfreund Pisoni hat einen Vater, der französische Eltern hat oder zumindest einen französischen Vater, den er aber nie kennengelernt hat. Er ist ein Besatzungskind. 

Das ist das Europa, wie ich es in meiner Generation an vielen Ecken und Enden erlebt habe: Ich habe in Irland in einer deutschen Mannschaft von kölnischen Studenten und Studentinnen gespielt, ich war der „Toni Doppelpack Schluchtenfurzer“, wir haben dort Tore geschossen. Ich habe 1994 in Frankreich erlebt, dass junge Menschen aus zehn Nationen gemeinsam Lieder gesungen haben, und zwar zum 50-jährigen Jubiläum des D-Day, der Befreiung durch die Alliierten, die über die Normandie gekommen sind und Europa befreit haben. Dort, wo unsere Großväter 50 Jahre davor im Blut gelegen sind, sich zu Zehntausenden abgeschlachtet haben, sind wir 50 Jahre danach uns einander in den Armen gelegen und haben miteinander gesungen.

Das ist mein Europa! Das ist so großartig, dass ich es kaum in Worte fassen kann, dass ein warmer Schauer mir über den Rücken geht, wenn ich an dieses Europa


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