Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll132. Sitzung / Seite 84

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Bildschirmen zu Hause! Unsere Gastfreundschaft prägt den Tourismus, unsere Identität bestimmt ihn, und vor allem aber bestimmt und prägt der Tourismus uns.

Österreich ist ein Schneegestöber, ein Bergsee, Metropole und Alm zugleich. Wenn wir die Schnelllebigkeit in unserer Welt schon akzeptieren müssen, so müssen wir ihr nicht nachrennen. Warum? – Weil wir uns nur so selbst treu bleiben können, und ich glaube, das wollen auch die Menschen, die als Touristen zu uns kommen. Sie schätzen unsere Ehrlichkeit, sie schätzen unser Österreich: etwas Moderne, etwas pfiffige Tradition, gemixt in einer weitgehend intakten Natur. Aber genau der Mix macht es ja aus und nicht nur die Marktschreierei.

Für mich ist eines ganz wichtig: Wir tragen als Regierungspartei Verantwortung, dass wir Kurs halten, dass die Unternehmer und Unternehmerinnen in diesem Land auch weiterhin Erfolg haben können, dass Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte und auch die Betriebe ein Stück des Kuchens mit nach Hause nehmen können.

Zur Schnelllebigkeit: Da erinnere ich mich an eine tolle Rede von Tobias Moretti anlässlich einer Feier zum 125-Jahr-Jubiläum Tourismus in Tirol, in der er den Touristikjargon etwas aufs Korn genommen hat; ich darf ganz kurz zitieren:

„Ich sehe nur, dass die Panorama-Paläste auf den Gipfeln, in denen sich die Touris­tiker, die Gemeinderäte, die Bürgermeister und Architekten verewigen, leer sind und man in den kleineren gemütlichen Hütten nie einen Platz kriegt, weil alle hinwollen.“

Da steckt für mich eine politische Aussage drin, denn fast jedes Alpental bei uns hat mittlerweile einen Skilift, jedoch die Familien können sich die Skipässe im Normalfall nicht mehr leisten. Und egal, wie viele Schneekanonen wir auch aufstellen, die Klima­erwärmung ist Realität und das wird auch so bleiben. Wenn nicht jetzt, wann reagieren wir dann eigentlich darauf?

Ich behaupte, dass es höchste Zeit ist, uns mit der Nachhaltigkeit im Tourismus entscheidend auseinanderzusetzen und in diese Richtung zu gehen. Wir haben heute bereits – es steht im Bericht – 135 Millionen Nächtigungen in Österreich; das ist zum Beispiel neunmal mehr als 1950. Wo früher einer am Berggipfel stand, stehen heute neun. Dürfen es 18 sein, dürfen es 27 sein, dürfen es 50 sein? Vergeben wir am Ende des Tages an den Bestbieter eine Platzkarte am Gipfelkreuz? Ist das das Ziel? Wachstum kann nicht unendlich sein, die Ressourcen der Alpen sind es jedenfalls nicht.

Wir haben in der Vergangenheit sehr positive Dinge in Gang gesetzt, etwa eine über 5 Milliarden € schwere Steuerreform auf die Beine gestellt, die die Kaufkraft der Menschen erhöht und somit auch direkt und indirekt der Freizeitwirtschaft zugute­kommt. Und trotz oder wegen der Finanzkrise: Als Sozialdemokrat ist es mir ein großes Anliegen, dass alle die Möglichkeit haben, Urlaub in Österreich zu machen, nicht nur die Gäste aus dem Ausland, sondern vor allen Dingen auch unsere Österreicher und Österreicherinnen.

Wir Regierungsparteien haben es geschafft, dass immer mehr Verständnis gelebt wird, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen als unsere Gäste begrüßen zu dürfen. Da steckt nicht nur der Gedanke dahinter, sozial Gutes zu tun, denn in einer Gesellschaft, die stetig älter wird, in der immer mehr Menschen besondere Bedürfnisse haben, sind das auch Chancen für die Wirtschaft. Ein Fahrstuhl kommt vielen zugute, Menschen mit Kinderwägen, im Roll­stuhl oder auch älteren Menschen, wobei mir da eines wichtig ist: Es muss immer auf Freiwilligkeit und auf Weitsicht basieren. Das Potenzial von in etwa 340 Millionen Nächtigungen ist aber ein gutes Argument und bietet eine ganz große Chance.

 


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