Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll132. Sitzung / Seite 159

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und ich glaube, wir sind uns alle einig darin, dass dieses Hearing eine ganz neue Qualität ins Parlament gebracht hat. Wir sind uns, glaube ich, auch alle darin einig, dass es gut und wichtig war. Ich bin acht Stunden dringesessen und kann sagen, man hatte schon die Möglichkeit, sich ein Bild von den Kandidatinnen und Kandidaten zu machen, das man vorher vielleicht nicht gehabt hätte, das man nicht aus ihren Lebens­läufen herauslesen kann, vielleicht nicht einmal aus ihrer Arbeitserfahrung oder aus dem, was offensichtlich war. Man hat sehen können, wie sich Menschen präsentieren, was sie für eine Leidenschaft haben und was sie wirklich auch authentisch erzählen können.

Es sind auch ein paar spannende Dinge zutage gebracht worden, nämlich zum einen: Wer nimmt seine Kandidatur wirklich ernst?; wenn man hätte vermuten können, dass andere vielleicht als Zählkandidaten hineingesetzt worden sind. Ich habe erlebt, dass das alle eigentlich mit großer Seriosität gemacht haben. Manche waren besser vorbereitet als andere, das kann man auch ganz offen sagen, das hat man auch erlebt. Gerhard Steger zum Beispiel hat bei seiner Vorstellung sein umfassendes Fachwissen präsentieren können und hat damit, glaube ich, alle beeindruckt. Das muss man so sagen können.

Man hat aber auch sehen können, wer den notwendigen Spirit hat, wer wirklich den Wunsch hat, im Rechnungshof auch etwas zu verändern, wer den Wunsch zur Veränderung hat, wer etwas Neues hineinbringen möchte. Man hat gemerkt, manche wollen vielleicht eher verwalten als gestalten, andere hatten einen ganz neuen Stil. Ich muss sagen, dass unsere Kandidatin Viktoria Kickinger genauso wie Wolfram Proksch sicher etwas anderes hineingebracht haben, aber anders ist manchmal auch gut. Das hat sicher ein paar aus dem Konzept gebracht, aber es ist auch einmal schön, zu hören, wie man Dinge ganz anders angehen könnte.

Das Grundproblem, das wir aber haben, ist, dass ein Hearing letztendlich etwas doch nicht lösen kann: Auch wenn man die besten Fragen hat und in einem öffentlichen Hearing den besten Kandidaten auch schwierige Fragen stellt, löst das das Problem nicht, wenn man eigentlich gar nie ein Interesse daran hatte, den oder die beste Kandidat_in zu wählen oder zu bestellen.

Herr Kollege Cap, wenn Sie sagen, das ist keine Packelei, das ist Demokratie, dann muss man schon auch sagen: Es kann sein, dass das Demokratie ist, so wie Sie sie eben in Ihrer unglücklichen Ehe mit der ÖVP praktizieren, aber es ist, glaube ich, nicht die Demokratie, wie wir sie verstehen. Sie haben es selbst im Fernsehen gesagt. Sie haben nämlich in der Sendung „Im Zentrum“ gesagt, Realismus sei auch eine Form von Traurigkeit, und ich glaube, das war irgendwie auch damit gemeint. (Beifall bei den NEOS.)

Das Schöne an diesem Hearing war aber letztendlich, dass es öffentlich war. Es hat jeder gesehen, was da vor sich gegangen ist, es haben alle Beobachterinnen und Beobachter gesehen, dass Herr Steger der bestgeeignete und bestqualifizierte Kandidat war. (Abg. Strache: Na geh, das ist ja absurd! – Abg. Belakowitsch-Jenewein: Das stimmt ja nicht!) – Darin waren sich alle einig, auch in Ihrer Fraktion, Herr Kollege Strache! Aber Sie waren ja nicht einmal beim Hearing, woher wollen Sie das denn wissen? (Abg. Strache: Aber meine Mitglieder waren dort, die sagen das Gegenteil!) Aber ja.

Es war nie das Ziel, den bestqualifizierten Kandidaten zu finden. Jede Zeitung hat geschrieben: Packelei, Kalkül, Deals; wahrscheinlich kein New Deal, der ursprünglich damit gemeint war. Da muss man sich doch fragen, ob das nicht irgendjemandem auch ein wenig unangenehm und vielleicht ein bisschen peinlich ist! Wenn der „Kurier“ schreibt: „Was für eine Farce!“, dann, meine ich, muss man sich doch schon ein wenig


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