Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll186. Sitzung / Seite 76

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ohne Schulgeld! Müssen hier Liberale kommen, um das einzufordern? Wir wollen Pri­vatschulen gleiche Chancen geben. Wenn sie für die Allgemeinheit arbeiten, wenn sie öffentliches Geld nehmen, sollen sie aber gemeinnützig agieren und kein Schulgeld mehr verlangen dürfen. Das ist doch ein Fortschritt: Freie Schule für alle!

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht dort landen, wo wir in der Gesundheit gelandet sind. Gerald Loacker hat schon recht: Wer es sich heute richten kann, schickt seine Kin­der in eine Privatschule. In Wien ist das mittlerweile mehr als ein Fünftel der Bevölke­rung. Mithin haben jene, die für diese Gesamtschule immer wieder das Wort führen, ih­re eigenen Kinder in den Privatschulen. Ich finde das nicht aufrichtig! Ich finde das nicht okay! (Beifall bei den NEOS. – Abg. Steinhauser: So ein Blödsinn!)

Wir brauchen eine gemeinsame Schule der Vielfalt und deswegen natürlich auch eine mittlere Reife, und dafür werden wir weiter kämpfen. Liebe Bürgerinnen und Bürger, Sie können dieses Angebot wählen! (Beifall bei den NEOS.)

14.41


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Mayer. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Brosz: Ist es da unten jetzt sehr warm beim Rednerpult?)

 


14.41.17

Abgeordneter Elmar Mayer (SPÖ): Sehr geehrte Frau Minister! Frau Staatssekretä­rin! Herr Minister! Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Herr Kollege Klubobmann Lugar, da Sie gerade wieder einmal im Raum sind und zuhören, möchte ich Ihnen ei­nes mit auf den Weg geben. Im Fernsehen und überall, wo Sie die Möglichkeit haben, aufzutreten, behaupten Sie: Wenn Kinder in die Schule kommen, beginnen alle gleich, und die Volksschule bringt es zustande, die Schüler bis zum Ende der vierten Schul­klasse auszusortieren und schlecht zu machen. (Abg. Lugar: Genau!)

Sie haben, ich muss das wirklich so deutlich sagen, leider nicht den blassesten Schim­mer, was sich abspielt, wenn Kinder in die Schule kommen. Da gibt es bis zu drei Jah­re und mehr Entwicklungsunterschiede. Und die große Herausforderung für die Volks­schulen ist es, die bestehenden Unterschiede – die Gründe haben wir heute in vielen Bereichen diskutiert – aufzuheben. Ich behaupte, dass das jetzige Schulsystem, so wie wir es seit Jahren kennen und haben, nicht imstande ist, mit der Ausstattung von Lehr­personal und der Organisation von Unterricht, den Kindern diesen Rucksack, den sie mit sechs Jahren mitnehmen, abzunehmen, damit sie mit zehn Jahren dieselben Chan­cen haben wie alle anderen, die das Glück hatten, als Kleinkinder optimal gefördert zu werden. (Abg. Lugar: Wird das jetzt besser?!) Das ist so! Nehmen Sie das zur Kennt­nis, und dann wissen Sie auch, wovon Sie und wir reden. (Beifall bei SPÖ und Grü­nen. – Abg. Lugar: Wer verantwortet das? Die SPÖ!) – Es hat keinen Sinn, wenn jeder hier nur seine eigenen Parolen hinausplärrt.

Damit sind wir jetzt beim konkreten Punkt. Ich teile sehr viele kritische Ansätze des Kol­legen Strolz. Bei der Schulorganisation hätte ich mir vieles anderes gewünscht – keine Frage –, auch im Abstimmungsmodus, wie ich zu einer Modellregion, wie ich zu einer Schule komme, hätte ich mir andere Wege gewünscht. Aber man muss in einer Demo­kratie – und daher mein Appell an Sie – auch zum Kompromiss fähig sein. Man muss sagen, okay, wir haben nicht alles durchgebracht, aber die Frage ist doch: Ist das, was wir jetzt hier beschließen – auch im Sinne von dem, was die NEOS gesagt haben, was Sie auch in Ihrem Buch geschrieben haben, das ich genau gelesen habe ‑, ein richtiger und wichtiger Schritt in diese Richtung?

Sie wissen, wie wichtig autonome Strukturen für eine Schule sind, und Sie wissen auch, wie wichtig Individualisierung für ein Vorankommen eines Kindes ist. Und was ist jetzt sinnvoller, als wenn ich einer Schule, die die Möglichkeit haben soll, sich selbst zu organisieren, auch die Möglichkeit gebe, das zu tun?! Da muss ich keine komplizierten Schulversuche machen und keinen Riesenverwaltungsaufwand produzieren, aber mit die-


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