Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll197. Sitzung / Seite 92

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mehr zurechtkommen. Warum tun wir den Kleinen das an?, frage ich. Ein Bildungssys­tem, das den Kleinsten das antut, ist kein gutes Bildungssystem! (Beifall bei den Grü­nen. – Abg. Kogler: Bravo, Albert!)

Wenn wir dann hören, dass in der Volksschule für die Nachhilfe für SchülerInnen be­reits 750 € pro Jahr ausgegeben werden, damit diese Kinder vielleicht doch noch die schmale Tür ins Gymnasium nehmen, damit nicht bereits mit zehn Jahren ihr Bildungs­weg verbaut ist, dann ist ja offensichtlich, dass etwas falsch läuft. Kinder, die in der Volksschule Nachhilfe nehmen, um ins Gymnasium zu kommen!

Damit wäre ich beim Problem Nummer vier – und das haben Sie ja zugestanden –: Die Geldtasche entscheidet in Österreich nach wie vor über den Bildungsweg. Dass Bil­dung vererbt wird, das ist ohnedies hochproblematisch und wird gar nicht mehr bestrit­ten, aber Österreich ist auch ein Nachhilfeland. Ich möchte jetzt nicht von Schutzgeld reden, denn es hat ja nichts mit den Lehrern zu tun und es schützt auch niemanden wirklich, aber die Wahrheit bei der Nachhilfe ist: Wer zahlen kann, der macht seinen Weg ins Bildungssystem, und wer nicht zahlen kann, der bleibt auf der Strecke. Es kann aber nicht sein, dass ein Bildungssystem so aufgebaut ist, dass jene, die sich Nachhilfe leisten können, irgendwie durchkommen und jene, die es sich nicht leisten können, aus­sortiert werden. (Beifall bei den Grünen.)

Problem Nummer fünf – das Licht leuchtet; ich könnte noch lange reden, denn die Pro­bleme sind nicht klein –: der Fächerkanon, ein antiquierter Fächerkanon aus Zeiten Ma­ria Theresias. Was ist mit Politischer Bildung? Was ist mit Ethikunterricht? Was ist mit Medienkompetenz? Die Welt verändert sich in 20 Jahren rasant, und wir haben einen Fächerkanon, der über 100 Jahre alt ist. Das ist ja, wenn man sich das überlegt, ein Irr­sinn!

Problem Nummer sechs: Lese- und Schreibkompetenz. Integration ist eine Herausfor­derung, und völlig unverständlich ist für mich, dass es einen OECD-Bericht gibt, der zum Thema Bildung und Migration 2009 erstellt wurde, mit 85 Vorschlägen, und davon ist praktisch nichts umgesetzt worden. Wir haben eine Politik, die sich – und wir erle­ben das hier herinnen oft – an den Problemen delektiert, aber an den Lösungen ist sie nicht interessiert, selbst wenn sie auf dem Tisch liegen.

Daher unser Angebot mit dieser Sondersitzung: Alle verlassen den bildungspolitischen Schützengraben und sagen: Schauen wir uns das gesamte Schulsystem mit all seinen Problemen an – aber nicht wir, sondern die OECD! Verpflichten wir uns hier, bevor Koa­litionsverhandlungen geführt werden, dass die OECD diesen Länderbericht über das gesamte Schulsystem erstellt, Empfehlungen abgibt und dass wir dann, wenn die Emp­fehlungen vorliegen, nicht in die Schützengräben zurückkehren und wieder aus diesen Schützengräben heraus Bildungspolitik machen, sondern dass wir dann diese Empfeh­lungen von dritter Stelle umsetzen!

Wir drehen an Schrauben und Rädern, aber was wir brauchen, ist eine Vogelperspek­tive über das Bildungssystem mit seinen Herausforderungen. Darum geht es uns! Und daher geht es nicht um eine weitere Studie, sondern es geht um das Durchbrechen der Reformblockade, indem die OECD diese Gesamtschau für uns verfasst. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen.)

13.47


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Frau Abgeordnete Mag. Gross­mann. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


13.47.32

Abgeordnete Mag. Elisabeth Grossmann (SPÖ): Herr Präsident! Werte Regierungs­mitglieder! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, das österreichische Bildungs­system ist eines der meistgeprüften überhaupt. Es gibt eine Fülle von Studien, interna-


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