zuständigen Ministerium, nicht in der Stadt Wien. Die Stadt hat sogar noch eins draufgelegt und hat sämtliche eigenen Schutzmechanismen, die sie hatte, aufgehoben und dann letztendlich, voriges Jahr, auch noch die Flächenwidmung derart geändert, dass Hochhäuser gebaut werden können. Das war für die Unesco, meiner Meinung nach zu Recht, eine Provokation – irgendwie muss sie ja darauf aufpassen, dass nicht andere diesem Beispiel folgen –, und sie hat Wien auch auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten gesetzt. Das kommt ganz, ganz selten vor.
Was bedeutet das jetzt? – Das bedeutet, Wien beziehungsweise Österreich hat noch einmal die Möglichkeit, den Kurs zu ändern. Österreich sollte der Unesco berichten, inwieweit diese Flächenwidmungen wieder rückgängig gemacht wurden. Was immer Österreich dazu unternommen hat, sollte dazu dienen, die Unesco umzustimmen. Geschehen ist so gut wie gar nichts. Es wurden der Unesco Berichte geliefert, dass wir auch in Diskussionen eintreten und Workshops machen, aber ich glaube, das ist ein wenig zu wenig für die Unesco, um den Status zu halten, und ich glaube, es kann durchaus passieren, dass Wien in zwei Monaten den Welterbestatus endgültig verliert. Endgültig heißt dann wirklich endgültig; wenn man einmal von der Liste weg ist, gibt es kein Zurück. Es gibt auch keine Verkleinerungen oder so etwas Ähnliches, und ein lächerlicheres Szenario für die internationale kulturelle Weltöffentlichkeit kann uns gar nicht passieren.
Interessant ist, welche Folgen das hat: Ist der Weltkulturerbestatus einmal weg, kann jederzeit ein ähnliches Gebäude im Zentrum Wiens gebaut werden, weil es keinen Grund mehr gibt, dies einem Bauwerber zu verweigern. Erstens ist Wien dann nicht mehr kulturelles Welterbe, und zweitens: Wenn man das einem Bauwerber genehmigt hat, mit welcher Begründung lehnt man das beim zweiten ab? – Das sind die schönen Aussichten, werte Kolleginnen und Kollegen, vor denen mir ein bisschen graut. Für die Immobilienhaie, für die Spekulanten, für die Investoren, für die Baubranche, für die Baulöwen mag das lukrativ sein, mag das ein großartiger Ausblick sein: endlich keine lästigen Hürden, keine Barrieren der Höhen mehr, ein Eldorado für die Spekulanten!
Danach, und das ist auch klar, ist diese Stadt aber austauschbar und sieht aus wie viele andere auf der Welt, eine Stadt, in der das historische Erbe zwischen den Schuhkartons mit Löchern untergeht und verschwindet, und das alles, damit ein Spekulant Millionengewinne machen kann oder damit ein paar wenige eine herrliche Aussicht von einem Wohnturm mitten in der Stadt haben, die Aussicht auf das ehemalige Welterbe genießen können, das sie mit diesem Gebäude zerstört haben. Das heißt, die Besitzer dieser Luxuswohnungen schauen eben auf dieses Welterbe, das sie kaputt gemacht haben. Das erinnert mich an diesen Running Gag der Sechzigerjahre über den Donauturm. Da hat es Kritik an diesem Bauwerk gegeben, und dann ist die Frage aufgetaucht: An welchem Ort ist Wien am schönsten? – Auf dem Donauturm, denn das ist der einzige Platz in Wien, an dem man den Donauturm nicht sieht. (Abg. Strolz: Ah, schön!)
Genau das trifft auch auf diesen Wohnturm am Heumarkt zu. Es wird da kein Spital gebaut, es wird da kein Museum gebaut, es wird da keine Universität gebaut, nichts, was von öffentlichem Interesse wäre und worüber man sagen könnte, da hat die Stadt, da hat das Land etwas davon. Nein, sie haben gar nichts davon, die Gemeinde Wien hat nicht einmal einen monetären Gewinn, so, wie das andere Länder machen, beispielsweise die Schweiz. Die Schweiz macht es so, dass sie sagt: Wenn wir umwidmen, dann muss von dem Gewinn – und zwar nicht ein Mal, sondern immer, von jedem Gewinn – ein Prozentsatz an die Stadt fließen. Das ist zum Beispiel in der Stadt Basel ein relativ hoher Prozentsatz, 70 Prozent des Gewinns gehen an die Stadt Basel. Warum geht das in Wien nicht? – Das kann ich beantworten: weil die Investoren dann angeblich zu wenig verdienen. Das ist tatsächlich die Antwort gewesen, die ich bei
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