Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll28. Sitzung, 13. Juni 2018 / Seite 145

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von einer Korrektur durch eine externe Stelle sprechen, denn das entlastet die Kolle­ginnen und Kollegen, und genauso wenn Sie auf die Schwerpunktbildung für die jeweilige Schule und den jeweiligen Schultyp achten wollen.

Erlauben Sie mir, eine Zwischenbilanz aus drei Jahren Zentralmatura zu ziehen. Der erste Punkt ist: Die Zentralmatura ist mittlerweile angekommen; sie ist der Normal­zu­stand. Der zweite Punkt ist: Nach anfänglichen Startschwierigkeiten ist wieder eine organi­satorische Ruhe an den Schulen eingetreten. Drittens: Die Notenschwankungen werden ein Thema bleiben. Viertens: Im Bildungsministerium ist die Zentralmatura am richtigen Ort. Fünftens: Meine Damen und Herren, es gibt immer Verbesserungs­poten­zial, und auch die Kritik wird bleiben. – Ich danke Ihnen. (Beifall bei der FPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

16.35


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Dr. Griss. – Bitte.


16.36.11

Abgeordnete Dr. Irmgard Griss (NEOS): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! Viktor Mayer-Schönberger, ein Salzburger, der in Harvard studiert hat und jetzt eine Professur in Oxford hat, hat ein Buch mit dem Titel „Das Digital“ veröffentlicht. Er hat den Titel ganz bewusst in Anlehnung an „Das Kapital“ von Karl Marx gewählt, weil er sagt: Die Digitalisierung, die Daten bringen in unserer Zeit eine ähnliche revolutionäre Umwälzung wie das Kapital und der Kapitalismus im 19. Jahr­hundert, denn die Digitalisierung bestimmt längst unser Leben. Das ist keine Frage der Zukunft, das ist die Gegenwart.

Es ist daher selbstverständlich, dass die Schule den Kindern Kompetenzen mitgeben muss, die sie in die Lage versetzen, damit umgehen zu können. Das sind technische Kompetenzen, das sind aber genauso intellektuelle, inhaltliche Kompetenzen.

Die Vorgängerregierung hat ein großes Paket für die Verbesserung der Infrastruktur in den Schulen beschlossen: Ausstattung mit IT-Endgeräten, WLAN, also sehr leistungs­starke Internetverbindungen, und hat die Kosten, die damit verbunden sind, auf 222 Mil­lionen Euro jährlich geschätzt.

Das ist natürlich nur ein Element, und es ist klar, dass auch die beste technische Ausstattung noch nicht dazu führt, dass die Digitalisierung auch wirklich das Leben in der Schule prägt und der Unterricht den Kindern die notwendigen Kompetenzen vermit­telt. Dazu braucht es auch entsprechende pädagogische Konzepte.

Wesentlich wichtiger oder genauso wichtig ist der inhaltliche Bereich. Wir leben in einer Gesellschaft – und ich sehe das bei meinen Kindern und auch bei den Enkelkindern –, in der Kinder ganz automatisch lernen, mit diesen Geräten umzugehen. Was sie aber lernen müssen, und das ist eine Schlüsselfrage für unsere Gesellschaft, das ist die Kompetenz, Informationen einzuordnen, zu hinterfragen, kritisch zu denken.

Herr Bundesminister! Sie haben vorgeschlagen, ein Unterrichtsfach Digitale Grund­bil­dung einzuführen. Ich denke, das muss man breiter aufsetzen. Das muss ein Fach sein, das sich durch die gesamte Schulpflicht zieht, und ein Fach, das vor allem kriti­sches Denken einschließt, kritisches Hinterfragen von Informationen, Medienkom­pe­tenz.

Peter Bieri, der bekannte Schweizer Philosoph, sagt in seinem Buch „Wie wollen wir leben?“: Wann immer neue Entwicklungen oder Informationen auf uns zukommen, müssen wir zwei Fragen stellen. Die erste Frage ist: Was bedeutet das?, und die zweite Frage ist: Woher weiß ich das?

 


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