Präsidentin Anneliese Kitzmüller: Wir gelangen nun zum 16. Punkt der Tagesordnung.
Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.
Als Erste ist Frau Abgeordnete Povysil zu Wort gemeldet. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.
Abgeordnete Dr. Brigitte Povysil (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren im Plenum, auf der Galerie und in den Medien! Kiffen ist doch super! High sein, breit sein, stoned sein – wunderbar! Cannabis löst alle Probleme! (Zwischenruf des Abg. Scherak.) Mit Cannabis führen Sie ein sorgenfreies Leben! Konsumieren Sie nur genügend Cannabis und schon sind Sie von allen Krankheiten geheilt und wieder ein gesunder Mensch. Großartig! – Das sagt Primarius Yazdi in seinem Buch „Die Cannabis-Lüge“ (ein Exemplar des Buches in die Höhe haltend). Primarius Yazdi ist der Vorstand der Drogenabteilung und der Gesamtpsychiatrie des Kepler Universitätsklinikums.
Der bekannteste Wirkstoff der Hanfpflanze ist Tetrahydrocannabinol, kurz THC genannt, und der derzeit wichtigste Cannabismarkt der Welt ist Amerika. Amerika errichtet große Hanfplantagen und baut Hanf mit immer höherem THC-Gehalt an. Stellen Sie sich vor: In den Sechzigerjahren, in denen die Droge so en vogue war, hatten wir einen THC-Gehalt von circa 3 Prozent. Beim Hanf von diesen Hanfplantagen in Amerika liegt der THC-Gehalt nun bei 40 Prozent. Auch bei uns wird zunehmend Hanf angebaut und Hanfgeschäfte schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Gefahr dabei ist, dass in den Produkten, die in den Hanfshops angeboten werden, der THC-Gehalt nicht klar ersichtlich und nicht klar gekennzeichnet ist.
Sie wissen, dass man Cannabis in Form von Marihuana oder Haschisch konsumiert, meist wird es mit Tabak gemischt, man weiß aber nicht, dass der so gesunde und gute Joint gegenüber der bösen Zigarette wesentlich mehr krebserregende Inhaltsstoffe enthält, weil Haschisch und Cannabis bei einer höheren Temperatur verbrennen und damit mehr krebserregende Stoffe freisetzen. Der Konsum erfolgt auch über Wasserpfeifen und über Lebensmittel – über Cookies, Muffins und so weiter. In der Regel stellt sich nach dem Cannabiskonsum etwas ein, das wir ja gerne hätten, nämlich Entspannung, Wohlbefinden und ein gewisser Glückszustand.
Langjähriger, regelmäßiger Konsum von Cannabis führt allerdings zu Konzentrationsstörungen und zu Aufmerksamkeitsdefiziten, er macht Probleme beim Lernen, er wirkt vor allem auf das sich entwickelnde kindliche Gehirn besonders stark ein, er erhöht das Herzinfarktrisiko, und – männliche Kollegen aufgepasst – er vermindert die Spermienbeweglichkeit und -güte und ist damit auch ein Problem bei der Fortpflanzung. Natürlich ist er auch für das ungeborene Kind unglaublich ungesund. So, wie man sagt, dass Zucker Diabetes befeuert, kann man sagen, dass Haschisch Psychosen befeuert.
Fazit: Mag Cannabis kurzfristig ein subjektives Glücksgefühl, Leichtigkeit, Heiterkeit und so weiter erzeugen, stellt es aber langfristig eine große Gefahr dar. Es entwickelt ein zerstörerisches Potenzial für den einzelnen Menschen und auch für die gesamte Gesellschaft. Laut österreichischem Drogenbericht lag im Jahr 2015 die Quote der Cannabiskonsumenten bei 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung. 9 Prozent entwickeln eine Suchterkrankung, vor dem 18. Lebensjahr werden 17 Prozent süchtig.
Ich darf noch einmal Dr. Yazdi zitieren, der in seinem Buch schreibt: Mit Kopfschütteln verfolge ich seit Jahren die Berichte in den Medien über das – als was es so gerne bezeichnet wird – Naturheilmittel Cannabis. Hier zeigt sich einerseits die erschütternde Ahnungslosigkeit in weiten Teilen unserer Gesellschaft und andererseits, wie sehr be-
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