schen sortieren (Abg. Taschner: Das ist falsch! Da haben Sie ihn falsch gelesen!), nach ihrer Ethnie, nach ihrem Religionsbekenntnis. Thomas Bauer führt als Beispiel auch die sexuelle Orientierung an. Das sind dann andere Menschen, sie sind anders, und was anders ist, macht Angst. (Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.)
Sie kennen wahrscheinlich die Erzählung von Franz Kafka „Die Verwandlung“. Gregor Samsa verwandelt sich in einen Riesenkäfer. Wenn man diese Erzählung liest, spürt man die Angst, die mit dieser Verwandlung, mit diesem Fremdwerden verbunden ist, geradezu körperlich. Es ist beängstigend.
Diese Angst vor dem Anderen ist auch die Grundlage dieses Buches, das der Herr Innenminister zitiert hat: Renaud Camus’ „Le Grand Remplacement“ – The Great Replacement, der große Austausch. Wir sind in einer Situation, in der die Gefahr besteht, dass Menschen aus Nordafrika – Nordafrikaner, Menschen ist in diesem Zusammenhang schwierig – und aus Subsahara-Gebieten Europa kolonialisieren, dass es hier zu einem Austausch der Bevölkerung kommt. Dieser drohende Austausch der Bevölkerung zwingt uns, unsere Kräfte zu mobilisieren, und er rechtfertigt dann in der obskuren Ideologie mancher Menschen solche Taten. Sie fühlen sich dadurch gerechtfertigt, sie sehen sich als Mittel, um eine große Gefahr für uns abzuwenden. Sie sehen den Menschen, den anderen, nicht mehr als Menschen so wie uns, sondern als ein Objekt, und sie wenden sich damit von allem ab, was Grundlage unserer Zivilisation und Kultur ist.
Artikel 1 der Grundrechtecharta sagt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Da heißt es nicht: Die Würde des weißen Europäers ist unantastbar, die Würde des Christen ist unantastbar. Es heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von SPÖ und JETZT.)
Immanuel Kant, dem wir die Aufklärung und damit unsere Zivilisation zu einem großen Teil verdanken, hat gesagt, der Mensch muss immer auch Zweck sein, er darf nie nur Mittel sein. Wenn es, wie beim Attentäter von Christchurch, zur Verbindung von unbegrenzter Überheblichkeit – ich gehöre der besseren Rasse an! – und religiösem, rassistischem Fundamentalismus kommt, dann fühlt sich so jemand gerechtfertigt, so eine Tat zu begehen. Er fühlt sich als Werkzeug seiner verqueren Hoheit – Gott oder wessen Willen er immer hier auf Erden verwirklichen will.
Die Wurzel all dessen aber ist die Abgrenzung – der andere ist anders –, denn aus der Abgrenzung folgt die Ausgrenzung, und die Ausgrenzung führt in extremen Fällen zur Auslöschung. Gerade wir – mit unserer Geschichte – müssen besonders wachsam sein. Wir werden nicht sagen können: Wir haben das nicht kommen sehen! Daher rufe ich Sie alle, uns alle auf: Wehren wir den Anfängen und treten wir gegen solche Geisteshaltungen auf! (Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von SPÖ und JETZT.)
11.13
Präsidentin Doris Bures: Ich begrüße auf unserer Galerie Vertreter des Seniorenbundes aus Kobersdorf. – Herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.)
Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Amon. – Bitte.
Abgeordneter Werner Amon, MBA (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Vizekanzler! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Sehr geehrter Herr Innenminister, ich möchte an den Beginn meiner Ausführungen einen Dank an Sie für diese sehr ruhige, klare und umfassende Erklärung, die Sie im Hohen Haus abgegeben haben, stellen (Beifall bei ÖVP und FPÖ), denn ich glaube, dass das Thema nicht dazu angetan ist, billige Punkte zu machen, sondern das Thema ist in jeder Hinsicht ernst, meine Damen und Herren!
Ich denke, wir alle sind über den Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch bestürzt und schockiert, mit welcher Kaltblütigkeit wahllos auf Menschen bei der Ausübung ihrer
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