Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll84. Sitzung, 2. Juli 2019 / Seite 275

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Wie groß, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss die Angst vor einem schlechteren Abschneiden aufgrund der Maßnahmen der letzten Bundesregierung sein, wenn man diese Vergleichsbasis aus dem Bildungsstandardtest jetzt einfach wegschiebt? (Beifall bei der SPÖ.)

Was wir auch wissen oder jetzt schon erahnen, ist, dass mit der individuellen Kompe­tenzmessung die Verantwortung von der Schule weggeschoben wird und plötzlich dem Einzelindividuum, dem Kind, umgehängt werden soll. Nicht die Schule ist wesentlich für den Bildungserfolg verantwortlich, sondern das Kind steht plötzlich alleine und im Regen da – das kann es nicht sein. (Beifall bei der SPÖ.)

Der Direktor der OECD Andreas Schleicher hat erst vorige Woche in einer kleinen Runde gesagt: Ein gutes Bildungssystem zeichnet sich durch das Selbstverständnis aus, dass es alle Kinder schaffen können, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Er stellt diese Chancengerechtigkeit in den Mittelpunkt. (Abg. Wurm: Ihr habt das nie zusammengebracht, leider Gottes!) Durch diese Maßnahmen wird diese nicht unterstützt, und deshalb fordern wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die getrennte Abstimmung dieses Pakets. (Beifall bei der SPÖ.)

21.33


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Niss. – Bitte.


21.33.26

Abgeordnete Dr. Maria Theresia Niss, MBA (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Je später der Abend, umso schöner die Themen. Meine Damen und Herren! Viele Schüler haben sich letzten Freitag schon in die Ferien verabschiedet. Ihnen allen wünsche ich schöne Ferien, auch denen, die diesen Freitag folgen. Wir aber schaffen es Gott sei Dank, nach dem Bildungsinvestitionsgesetz jetzt auch noch mit dem Schulorganisationsgesetz eine weitere wichtige Gesetzesnovelle auf den Weg zu bringen, indem wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir die Polytechnische Schule neu aufsetzen.

Meine Damen und Herren! Neben einem akuten Fachkräftemangel haben wir nämlich einen kräftigen Lehrlingsmangel. Auf offene 12 500 Lehrplätze kommen nur knapp 10 000 Lehrstellensuchende. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die wirklich interna­tional exzellente Lehre noch nicht so geschätzt wird, aber es ist sicherlich auch so, dass die jungen Leute bei einem möglichen Lehrstart teilweise unzureichend ausge­bildet sind. In einer Umfrage der Wirtschaftskammer gaben kürzlich fast 40 Prozent der Unternehmen an, dass sie weitere Lehrlinge einstellen würden, wenn diese die richtige Ausbildung hätten.

Was können wir nun dagegen tun? – Von der vergangenen Regierung, vor allem von Ministerin Schramböck, wurden durch die Neuschaffung einiger Lehrberufe, wie zum Beispiel des Prozesstechnikers oder auch des Applikationsentwicklers – Coding, schon wichtige Schritte gesetzt, um attraktive und moderne Lehrberufe und Berufsbilder zu schaffen. Dafür gilt ihr und der gesamten Regierung unser großer Dank. (Beifall bei der ÖVP.)

Andererseits müssen wir aber auch die jungen Leute besser auf eine mögliche Lehre vorbereiten. Mit der vorliegenden Gesetzesnovelle ermöglichen wir eine Lehrplanän­derung per Verordnung, um nämlich diese Ausbildung in den Polytechnischen Schulen aktuell zu halten. Diese soll vor allem praxisnah sein und einen guten Übergang in die Berufswelt und in den Lehrberuf sicherstellen, denn dass sich die Berufswelt einem massiven Wandel unterzieht, dürfte wohl, glaube ich, schon bekannt sein. Man muss


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