verbannen. Dafür haben wir nicht nur jetzt einen eigenen Antrag eingebracht, sondern schon im April, als wir über das Frauenvolksbegehren diskutiert haben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen aus den Reihen der ÖVP und der FPÖ, seien wir doch einmal ehrlich! Sie wissen genauso gut wie ich, dass der Schritt, den Sie heute durchboxen wollen, in die absolut falsche Richtung geht. Das sagen Ihnen nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer, die Interessenvertretungen, die Vereine, die Schülerinnen und Schüler, die Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten und die mehr als 20 000 Unterschriften der Initiative #redmadrüber, das wissen Sie auch selber.
In Ihrem Antrag geht es nicht darum, tatsächlich Probleme zu lösen, es geht nicht darum, den Schulalltag besser zu machen oder die sexuelle Bildung weiterzuentwickeln, nein, es geht Ihnen nur um einen kurzfristigen winzigen Sieg. Es geht um Parteitaktik, es geht darum, auf dem Rücken unserer Jugend eine ganz kleine Lobby glücklich zu machen. Gestern haben wir einstimmig beschlossen, dass wir externe Vereine im Sportunterricht brauchen. Heute wollen wir sie aus der Sexualkunde werfen. Das können Sie doch nicht ernst meinen, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Noll. – Abg. Kitzmüller: Doch, das sind verschiedene Fakten! – Ruf bei der FPÖ: Doch!)
Es ist ja kein Geheimnis, dass auch viele in Ihren Reihen mehr als unzufrieden mit diesem Antrag sind. Deshalb appelliere ich vor allem an die jungen Kolleginnen und Kollegen und die Lehrerinnen und Lehrer in unserer Mitte: Tun Sie heute das Richtige! Wir geben Ihnen gerne die Chance dazu. Verweisen wir diesen Antrag zurück in den Unterrichtsausschuss! Nehmen wir uns die Zeit! Diskutieren wir mit Expertinnen und Experten und Betroffenen! Finden wir eine gute, anständige Lösung! Setzen wir auf Vernunft statt auf Parteitaktik! (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Noll.)
21.25
Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Bißmann. – Bitte.
Abgeordnete Dipl.-Ing. (FH) Martha Bißmann (ohne Klubzugehörigkeit): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß nicht, wie ich die Jahrhundertrede meiner Kollegin Stephanie Cox in irgendeiner Weise auch nur übertreffen oder mich annähern kann. Vielen Dank also erst einmal dafür, es war wirklich großartig, eine Sternstunde deines Wirkens und des Parlaments und einer aufgeklärten liberalen Demokratie, in der wir uns ja alle befinden.
Ich möchte auf einen Punkt eingehen, der oft beim Thema Sexualpädagogik vergessen wird. Es war noch nie so leicht wie heute, dass junge Menschen an pornografisches Material kommen. Pornografie prägt die Jugendlichen stark in ihren Vorstellungen, und das idealisierte Bild des Mannes und der Frau in Pornos vermittelt den Jugendlichen verzerrte und auch falsche Vorstellungen. Die Reflexion über die Tatsache, dass es sich bei pornografischen Inhalten um Schauspieler handelt, die ihre sexuelle Rolle vor der Kamera wahrnehmen, findet bei den Jugendlichen eben nicht oder kaum statt, stattdessen wird gefragt, warum man nicht genauso aussieht wie die Schauspielerinnen und Schauspieler in den Videos.
Bodyshaming ist ein großes Problem unserer sexualisierten Gegenwart. Insbesondere bei Jugendlichen, die sich noch in ihrer Entwicklungsphase befinden, kann der übermäßige und unreflektierte Konsum von Pornos Depressionen und andere psychische Krankheiten auslösen, denn sie denken, dass sie falsch sind, sie denken, dass ihr Körper nicht der richtige ist, und sie denken, dass ihr Körper nicht der Norm entspricht und sie daher abnormal sind.
HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite