Frau Kollegin Kugler, ich bitte wirklich, es mag sein, dass Sie jetzt wegen Ihres Vereins Teenstar beleidigt sind (Zwischenruf der Abg. Kugler), dass dieser nicht mehr herumpredigen darf, eben nicht mehr sagen darf: Sex vor der Ehe ist böse; Homosexualität kann man wegbeten; Pille und Kondom sind überbewertet; es gibt, ich weiß nicht, welche Pendel oder was Sie da alles vorschlagen würden, ich weiß es ja alles nicht. (Neuerlicher Zwischenruf der Abg. Kugler.) Dafür gibt es aber doch Expertinnen und Experten.
Ich bitte Sie eines: Tun Sie nicht im Hintergrund irgendwo herumfudeln, gehen Sie da heraus und reden Sie offen! Sie reden da alle so diffus herum, redet doch offen, was ihr meint! Es wird da immer nur gesagt: Man muss sachlich werden und man darf sich nicht einmischen. Sagt doch ganz offen, wo die Expertise in der Praxis nicht vorhanden ist! Es bleibt da alles irgendwie nebulos. (Zwischenruf des Abg. Noll.) Ich bitte wirklich, dass man hier zu den Fakten zurückkehrt, wie es eigentlich Minister Faßmann gemacht hat. (Beifall bei der SPÖ.)
Ist das wirklich die neue Volkspartei, dass man wirklich retro, in der Vergangenheit ist und Zukunft draufschreibt? Du kannst jetzt nichts dafür, Kollege Strasser, du warst lange Zeit Familiensprecher der Volkspartei, als Mitglied des Bauernbundes warst du da offener – Blumen und Bienen (allgemeine Heiterkeit) –, da hast du nicht so viel Angst davor wie jetzt deine Nachfolger. Es muss doch wohl möglich sein, dass man dieses Thema auch gemeinsam löst.
Das Spannende ist: Ich bin überzeugt, die absolute Mehrheit hier in diesem Saal hält das, was ÖVP und FPÖ heute vorschlagen, für absoluten Quatsch. Es ist in Wahrheit so peinlich, was heute hier beschlossen werden soll. Es ist so peinlich, und ihr wisst es. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abgeordneten Noll und Bißmann.) Ihr wisst es, dass es peinlich ist. Na ihr wisst es doch! Bitte, bitte, bitte, lassen wir das Thema einfach! (Abg. Belakowitsch: Was? Das ist ja ein Widerspruch!) Versuchen wir bei dem Ganzen noch einmal einen Neustart miteinander! Ihr wisst alle, dass das ein absoluter Unfug ist; ihr wisst es doch wirklich! (Beifall bei SPÖ und JETZT.)
21.21
Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Lindner. – Bitte.
Abgeordneter Mario Lindner (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zu Beginn meiner Rede und am Ende dieser Debatte möchte ich mich bei allen Lehrerinnen und Lehrern, die in der Schule und vor allem in wichtigen Themen wie der sexuellen Bildung Tag für Tag tolle Arbeit leisten, bedanken. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich möchte mich bei allen Vereinen und Experten bedanken. Sie sind gerade in diesem Bereich oft unentbehrlich, tragen einen wichtigen Teil zur Bildung unserer Jugend bei und machen trotz weniger Ressourcen einen großartigen Job. – Herzlichen Dank dafür. (Beifall bei der SPÖ.)
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Frage der sexuellen Bildung beschäftigt uns inzwischen schon länger als ein Jahr. Die Causa Teenstar hat uns monatelang vor Augen geführt, dass es in diesem Bereich noch viel zu tun gibt. Was aber heute hier passieren soll, geht in die absolut falsche Richtung. Ich brauche jetzt nicht die vielen richtigen und wichtigen Argumente zu wiederholen, die heute schon genannt worden sind, wie wichtig die Arbeit von externen Expertinnen und Experten in der sexuellen Bildung ist und wie katastrophal es wäre, diese Initiativen aus den Klassenzimmern zu
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