Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll86. Sitzung, 3. Juli 2019 / Seite 282

HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite

Bei der Aufklärung jener falschen und fatalen Vorstellungen von Sexualität braucht es ganz dringend unaufgeregte und kompetente Expertinnen und Experten, die sich in einem sicheren Raum befinden, in einem vertrauensvollen Raum mit den jungen Menschen. Die Lehrpersonen sind derzeit nicht dafür ausgebildet, Sexualpädagogik ist nur ein Wahlfach in der Ausbildung.

Manche Themen möchten Schülerinnen und Schüler einfach nicht mit den Lehrenden besprechen. In kleinen Orten kennen diese nämlich oft sogar die Eltern. Ohne Exper­tinnen und Experten an den Schulen passiert es dann aber, dass die jungen Leute sich im Internet selbst auf die Suche nach Informationen begeben, auf die Suche nach Antworten. Das Internet kann aber gerade beim Thema Sex und Sexualität vieles an irreführenden Informationen ausspucken. Mit Expertinnen und Experten allerdings wird ideologiebefreit und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnis aufgeklärt. Das ist im Normalfall auch so. Nur wegen eines Einzelfalles, Teenstar, kann nicht allen anderen wissenschaftlich, ideologiebefreit und seriös arbeitenden Vereinen das Vertrauen ent­zogen werden. (Beifall bei JETZT und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Das Verbot von sexualpädagogischen Vereinen an Schulen wäre ein fataler Fehler, weil dann eben nicht nur jene Vereine, die konservative Sichtweisen, also konservativ-abstruse Sichtweisen – konservativ ist ja nicht grundsätzlich schlecht – verbreiten, ver­boten werden, sondern auch jene, die wissenschaftliche und zeitgemäße Sichtweisen verbreiten.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei meinem Kollegen Mario Lindner ganz herzlich bedanken, er hat einen Entschließungsantrag eingebracht, der sinnvollerweise ver­langt, dass die Regierung für Qualitätssicherung bei der Sexualerziehung an den Schulen sorgt. Das ist absolut wichtig, damit eben ein zweites Teenstar nicht mehr passieren kann. Mario ist der einzige offen schwule Abgeordnete in diesem Hohen Haus, und für sein Engagement, auch für die Rechte der LGBTIQ-Community, muss man ihm wirklich ein großes Lob aussprechen, denn dazu gehört auch viel Mut. (Beifall bei SPÖ und JETZT.) Ich werde selbstverständlich für deinen Antrag stimmen.

Es gehört nicht nur mehr geschmust, sondern auch mehr aufgeklärt! (Beifall bei SPÖ und JETZT.)

21.29


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Mölzer.


21.29.34

Abgeordneter Wendelin Mölzer (FPÖ): Herr Präsident! Herr Minister! Hohes Haus! Frau Kollegin Bißmann hat nicht ganz unrecht, die Rede der Kollegin Cox war eine Jahrhundertrede, aber nur deswegen, weil sie vor einem Jahrhundert cool gewesen wäre, heute war sie eine blöde Unterstellung, weil sie ja wirklich so tut, als ob wir in den Fünfzigerjahren wären (Abg. Heinisch-Hosek: Was heißt „blöd“?!), und das ist ja wohl wirklich nicht der Fall. (Beifall bei der FPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP. – Zwischenruf der Abg. Cox.)

Das ist wirklich ein Lächerlichmachen eines durchaus ernsten Themas, wobei Sie unter völlig falschen Voraussetzungen versuchen, da einen Antrag – da bin ich dann auch schon bei der SPÖ (Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek) – ins Lächerliche zu ziehen oder Panik zu machen. Sie haben versucht, aufzuzeigen, dass externe Vereine wie Greenpeace überhaupt nicht mehr an Schulen dürfen; der ÖVP hätte vielleicht die Androhung, dass die IV nicht mehr an Schulen gehen darf, ein bisschen mehr Sorgen bereitet. – Nein, Scherz beiseite, das ist ja alles ein Unfug.

Wir wollen die externen Vereine im Bereich der Sexualpädagogik, der Sexualerziehung raus aus den Schulen haben. Warum? – Da frage ich, lieber Philip Kucher: Ist das ein


HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite