Da 60% des in Österreich verbrauchten Kalbfleischs importiert und gleichzeitig Kälber zur Mast exportiert werden, ist es notwendig Anreize zu schaffen, Kalbfleisch in Österreich zu produzieren, um damit auch die Anzahl der Tiertransporte zu verringern.
Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgenden
Entschließungsantrag
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus wird aufgefordert, ein Konzept zur Stärkung der regionalen Produktion (insbesondere der österreichischen Kalbfleischerzeugung) und damit einhergehend der heimischen Wertschöpfung zu erarbeiten, um damit die Anzahl und Dauer von Tiertransporten zu verringern.“
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Präsidentin Doris Bures: Der soeben ordnungsgemäß eingebrachte Antrag steht mit in Verhandlung.
Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Bernhard. – Bitte.
Abgeordneter Michael Bernhard (NEOS): Frau Präsidentin! Geschätzte Ministerinnen! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die Frage, die wir zu beantworten haben, ist: Wie halten wir es mit den Tiertransporten? – Den drei Anträgen betreffend Erhöhung der Kontrollen von Lebendtiertransporten, betreffend den Entzug der Zulassung von Transportunternehmen, die sich nicht an die Spielregeln halten, und betreffend einen Tiertransporte-Reduktionsplan stimmen wir zu.
Ich möchte aber auf ein darüber liegendes Thema eingehen, nämlich auf die Frage: Wie sehr verursachen wir eigentlich unnötige Tiertransporte? – Da gibt es schon zentrale Elemente. Das erste Element ist, dass wir durch eine pauschale Förderung der Landwirtschaft und durch eine fehlgeleitete Förderung einzelner Agrarprodukte, das heißt durch Steuergeld, schlichtweg dazu beitragen, dass wir bestimmte Agrarprodukte produzieren und quer durch Europa und auch darüber hinaus transportieren. Das betrifft auch Lebendtiertransporte.
Ein einfaches Beispiel aus unserer Sicht ist, dass man die zweite Säule der europäischen Agrarförderungen stärker dafür nutzt, regionale und ökologisch nachhaltige Produktion – ich rede jetzt nicht von Bioproduktion, sondern von nachhaltiger Produktion – im Land anzukurbeln. Es geht auch darum, Möglichkeiten zu eröffnen, die heute technisch jederzeit schon machbar wären, die in Bezug auf das Tierwohl oder den Tierschutz auch uneingeschränkt zu nützen wären, aber gesetzlich noch nicht, wie zum Beispiel mobile Schlachtungen. Es ist viel einfacher, eine Schlachtung am Ort der Tierhaltung unter bestimmten Rahmenbedingungen durchzuführen, als die Tiere vorher kreuz und quer durch das Land zu transportieren. Das wären Möglichkeiten, über die wir diskutieren können.
Genauso gibt es ein zweites Element, nämlich die Frage nicht nur des Tierwohls und der Regionalität, sondern auch der ökologischen Nachhaltigkeit. Warum ist es heute oft günstiger, von einem Ende der Welt zum anderen Ende der Welt beispielsweise Rindfleisch zu transportieren, als es regional zu produzieren? – Weil wir die Umweltverschmutzung nicht mit einpreisen.
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